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Mainz 05 beim FC Bayern : Chance zur individuellen Bewährung

Körperliche Präsenz: Jean-Philippe Gbamin (links) im Duell mit dem Gladbacher Lard Stindl. Bild: EPA

Mainz 05 muss zu Bayern München reisen. Ein Punktgewinn scheint da in weiter Ferne. Aber einzelne Mainzer Spieler könnten auf höchstem Niveau ihr Können zeigen.

          Im Kader von Mainz 05 gibt es Spieler, die hoch hinaus wollen. Talente, die sich dazu bekennen, in absehbarer Zukunft ganz weit oben mitspielen zu wollen im internationalen Fußball, also dort, wo der FC Bayern, Bundesliga-Tabellenführer und Gegner an diesem Sonntag (18.00 Uhr im F.A.Z.-Bundesliga-Liveticker und bei Sky) im Auswärtsspiel in München, trotz der deprimierenden Niederlage gegen den FC Liverpool unter der Woche von seinem Selbstverständnis her hingehört.

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          Diese ambitionierten Fußballer sind vornehmlich jene, die Französisch als Muttersprache verwenden. Torjäger Jean-Philippe Mateta beispielsweise gab im Herbst einmal als Karriereziel aus, Weltmeister werden zu wollen. Da er bereits für die U21 Frankreichs aufläuft, ist der Wunsch immerhin nicht ganz unrealistisch. Ähnlich deutlich sprach auch Jean-Philippe Gbamin im vergangenen Sommer schon von Einsätzen bei Topklubs. Er liebäugelte damals bekanntlich mit einem Wechsel in die Premier League und träumte zumindest insgeheim vom FC Liverpool. Damals lehnte Mainz 05 ein Angebot eines allerdings doch etwas tiefer angesiedelten englischen Vereins ab. Der 23 Jahre alte Mittelfeldspieler akzeptierte die Entscheidung und wollte in der Rolle des Anführers im rot-weißen Trikot noch ein Jahr reifen, ehe sein Arbeitgeber trotz eines noch drei Jahre gültigen Vertrags wohl keine Steine mehr in den Weg legen würde bei einer vergleichbaren Offerte.

          „Es ist wahr, dass ich im Sommer die Chance hatte, nach England zu gehen und dass ich diesen Schritt gerne gegangen wäre. Aber als klar war, dass der Verein mich halten will, habe ich mich damit arrangiert“, sagte Gbamin damals im Interview mit FAZ.NET. „Ich kann mich mit dem Projekt hier voll identifizieren. Es ist alles perfekt, ich sehe das als Chance, mich weiterzuentwickeln.“

          Schwierige dritte Spielzeit

          Die Entwicklung des 2016 nach Mainz gewechselten und in seiner zweiten Spielzeit so überragenden Gbamin stockte freilich im Verlauf seiner dritten Spielzeit am Bruchweg, nachdem der in Frankreich aufgewachsene ivorische Nationalspieler im Herbst noch mit zwei Toren Hinweise auf neue Qualitäten im Torabschluss geliefert hatte. Erst in den letzten Wochen wirkte Gbamin körperlich wieder so präsent wie zu besten Zeiten. „Ich komme besser in Schwung und hoffe auf ein gutes Saisonfinale“, sagt er. Seinen Stammplatz hatte er trotz der Formdelle stets sicher, da Trainer Schwarz Gbamin als eine seiner drei bis vier unersetzlichen Säulen im Team ansieht.

          Das Spiel in München kommt nun wie gelegen, um sich auf jenem Niveau zu beweisen, auf dem Gbamin alsbald Woche für Woche mitspielen will. Wenngleich ein Erfolgserlebnis für Mainz 05 nach zuletzt fünf Niederlagen in den jüngsten sechs Spielen kaum möglich sein dürfte bei den im engen Kampf um die siebte Meisterschaft in Serie zum Siegen gezwungenen Münchnern, so will Trainer Sandro Schwarz von seinem Team eine Leistung sehen, mit der man zufrieden sein könne. „Wir definieren uns in dem Spiel erst einmal nicht über das Ergebnis“, sagt er. Schwarz wiegelt vor der Partie auch alle Fragen, ob der FC Liverpool mit dem früheren Mainzer Trainer und Schwarz-Teamkameraden Jürgen Klopp denn gute Vorarbeit geleistet habe für die Mainzer, schnell ab. Die Engländer mit ihrem Ensemble an Weltklassespielern taugten nicht als Schablone für Mainz 05 mit „sehr, sehr guten Bundesligaspielern“. Entsprechend beschränkte Schwarz den Austausch mit seinem Kumpel Klopp lediglich auf eine SMS mit allerlei Emojis. „Eine Powerpoint-Präsentation mit seinem Matchplan hat er mir nicht geschickt und der würde uns auch nicht helfen“, sagt Schwarz. Er fordert von seinen Spielern statt eines Ergebnisziels Widerstandsgeist und Mut.

          Gbamin, aber auch Mateta und die weiteren Nachwuchsspieler bei Mainz 05 können sich entsprechend zumindest individuell bewähren. Und dann vielleicht dazu beitragen, dass sich Mainz 05 in München als ein unbequemer Überraschungsgegner erweist.

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