https://www.faz.net/-gtm-15lh1

Champions League : Stuttgart verpasst die Überraschung

Im Clinch: Piqué gegen Pogrebniak Bild: Reuters

Im Achtelfinal-Hinspiel der Champions League musste sich der VfB Stuttgart trotz starker Leistung mit einem Remis gegen den FC Barcelona zufrieden geben. Nach Cacaus Führungstor erzielte Ibrahimovic den Ausgleich für die Spanier.

          3 Min.

          Tapfer gewehrt, clever gespielt und nur knapp eine Überraschung verpasst: Der VfB Stuttgart hat sich nach dem 1:1 im Achtelfinal-Hinspiel gegen den FC Barcelona eine minimale Chance auf das Erreichen der nächsten Runde in der Champions League bewahrt. Nach einer sehr guten Vorstellung in der ersten Halbzeit hätten die Schwaben sogar höher als 1:0 durch den Treffer von Cacau (25.) führen können, mussten am Ende aber mit dem Remis zufrieden sein, da sie keine Antwort auf Zlatan Ibrahimovics Ausgleich (52.) mehr fanden. Die 39.000 Zuschauer waren jedenfalls zufrieden und dankten ihrer Mannschaft stehend mit Applaus.

          Peter Penders

          Stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Sport.

          So schnell kann es gehen im Fußball. Vor ein paar Wochen, im grauen November-Herbst, schied der VfB Stuttgart relativ unbeachtet im nationalen Pokalwettbewerb beim Zweitligaklub Greuther Fürth aus - und nun schalteten sich gleich Fernsehstationen aus 91 Ländern zu, um das Achtelfinale in der Champions League gegen den FC Barcelona zu verfolgen. Und nach dem Aufschwung in der Bundesliga war dem VfB sogar eine minimale Chance eingeräumt worden, weil den Katalanen die beiden etatmäßigen Außenverteidiger Èric Abidal (links) und Dani Abidal (rechts) ebenso fehlten wie im defensiven Mittelfeld Seydou Keita. Aber dafür hatte Mittelfeldstratege Xavi seine Oberschenkelprobleme überwunden und war mit von der Partie, und wie gut der Kader der Katalanen bestückt ist, machte der Blick auf die Ersatzbank deutlich: Dort musste der Franzose Thierry Henry Platz nehmen.

          Messis Abneigung gegen defensive Arbeit

          Dem großen Favoriten versuchte der VfB von Beginn an mit großem Einsatz zu begegnen. Die Stuttgarter zogen sich bei Ballbesitz der Spanier in die eigene Hälfte zurück und erschwerten so das gefürchtete Kombinationsspiel des Titelverteidiger in der Champions League. Was immer der mit Stars gespickte FC Barcelona in der ersten Halbzeit auch versuchte - irgendwie fand sich immer noch ein VfB-Spieler, der die Aktion unterband. Dass der VfB so versuchen würde zu agieren, war zu erwarten gewesen - dass der FC Barcelona Schwächen in der Abwehr aufzeigen würde, war dagegen nicht viel mehr als eine vage Hoffnung gewesen. Sie trog aber nicht, denn nach anfänglichem Abtasten wurden die Konter der Heimmannschaft immer gefährlicher.

          Gut gezielt: Cacau trifft zum 1:0

          Zwei Stuttgarter taten sich dabei besonders hervor: Cacau, der nach seinen vier Toren bei seinem Bundesliga-Comeback gegen den 1. FC Köln den Vorzug vor dem Rumänen Marica erhalten hatte, und Linksverteidiger Cristian Molinaro. Auch der Italiener war ein gutes Beispiel dafür, wie schnell sich die Dinge im Fußball manchmal zum Guten verändern. In der Winterpause von der Ersatzbank der kriselnden italienischen Fußballdame Juventus Turin verpflichtet, hatte es nun gleich in der Hauptsache mit Weltfußballer Lionel Messi zu tun. Dies hielt ihn jedoch nicht davon ab, sich immer wieder in die Stuttgarter Angriffe einzuschalten, wobei ihm Messis Abneigung gegen defensive Arbeit zu Gute kam.

          Das Stuttgarter Konzept ging auf

          Nach 20 Minuten kamen die Schwaben über Molinaro zum ersten vielversprechenden Angriff, aber Màrquez brachte den Fuß eher an die Hereingabe als der ständige Unruheherd Cacau. Fünf Minuten später war schon wieder Molinaro an der nächsten gefährlichen Aktion beteiligt, aber seine Flanke erwies sich als zu hoch für Gebhart - zum Glück für den VfB. Denn Gebhart kam nach der verpassten Chance abermals an den Ball und bewies mehr Präzision bei seiner Flanke: Aus fünf Metern erzielte Cacau per Kopf das 1:0 für den VfB.

          Die Führung beflügelte die Stuttgarter zusätzlich, die von den 39.000 Zuschauern für jeden gewonnenen Zweikampf frenetisch gefeiert wurden. Cacau bereitete die nächste Möglichkeit vor, als er Piqué den Ball abjagte, Puyol aber Khedira gerade noch bremsen konnte. Danach scheiterte Cacau selbst an Torwart Valdez, der wenig später auch gegen Pogrebnjak rettete. Das Stuttgarter Konzept ging auf und geriet in der ersten Halbzeit nur einmal ins Wanken, als sich der VfB nicht schnell genug im Mittelfeld versammelte. Sofort fand der FC Barcelona Platz für eine Kombination, die Messi mit einem Schuss aus 20 Metern abschloss. VfB-Torwart Jens Lehmann brachte soeben noch die Fingerspitzen an den Ball, der danach gegen den Pfosten und von dort in die Arme des Torwarts fiel.

          Molinaros Oberarm

          So glücklich die erste Halbzeit für den VfB geendet hatte, so schlecht ging es nach der Pause weiter. Als Ibrahimovic der Ball urplötzlich im Fünfmeterraum vor die Füße fiel, konnte Lehmann den ersten Schuss des Schweden zwar noch abwehren, war aber gegen den Nachschuss (52.) machtlos. Barcelona bekam wieder Kontrolle über die Partie und war einem zweiten Treffer nach 68 Minuten sehr nahe, als Lehmann eine Flanke durch die Finger gleiten ließ.

          Den Schuss von Ibrahimovic wehrte Molinaro auf der Linie ab - allerdings mit dem ausgebreiteten Oberarm und nicht mit dem Kopf, wie er Schiedsrichter Kuipers erfolgreich versicherte. Die Schwaben wurden nach ihrem großen Laufpensum zunehmend müder, die Katalanen verwalteten das Ergebnis und verließen sich offenbar ganz und vermutlich aus guten Gründen auf das Rückspiel.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Erledigen Sie die Spieler des gegnerischen Teams: Szene aus dem Handyspiel Call of Duty Mobile

          Anschlag von Halle : Vom Ballerspiel zum Mordanschlag

          Stephan B. wollte seine Attacke in Halle aussehen lassen wie ein Videospiel. Eine Spurensuche in einer Welt, in der alles nur ein Witz sein kann – oder bitterer Ernst.
          Solaranlage im niedersächsischen Stedebergen

          Internationale Energieagentur : Solarstrom auf der Überholspur

          In den kommenden Jahren dürfte die Erzeugung von Ökostrom laut Internationaler Energieagentur kräftig zulegen – vor allem in China. Doch in anderen Bereichen bleibt die Entwicklung hinter den Erwartungen zurück.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.