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Champions-League-Finale : Wie im Traum: Bayerische Genüsse

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Ein letzter Schritt ist noch nötig zum Triple - für die Bayern oder für Inter Mailand Bild: dpa

Das große Ziel, das Triple aus Meisterschaft, Pokal und Gewinn der Champions League, vor Augen, trübt nichts die heile Welt der Bayern. Im Bernabéu könnte nur Musterschüler José Mourinho mit Inter Mailand zum Spielverderber werden.

          Heraus aus dem bayerischen Herbstfrühling hinein in den spanischen Frühsommer. Das Hoch über Madrid, der stahlblaue Himmel, die strahlende Sonne bei Mittagstemperaturen von 25 Grad passten zur Hochstimmung dieser bayerischen Reisegesellschaft, die seit Donnerstagnachmittag in der spanischen Hauptstadt ist und in einem spiegelverglasten Hotel mit 59 Stockwerken logiert, das von außen eher an das Hauptquartier einer mächtigen Bank erinnert.

          Am Samstag kann der größte und mächtigste deutsche Fußballklub eine Erfolgsgeschichte abrunden und krönen, wie sie nicht einmal dieser FC Bayern München jemals geschrieben hat. Mit einem Endspielsieg über Inter Mailand und dem damit perfekten Champions-League-Triumph würden sich die Münchner mit dem Triple bescheren und damit Louis van Gaals Feiertagsslogan auf dem Münchner Marienplatz nach dem Gewinn der deutschen Meisterschaft bestätigen: „Wir sind die Besten“, hatte der Trainer in seiner Sonntagsrolle als „Feierbiest“ den begeisterten Massen vom Rathausbalkon zugerufen, „in Deutschland und vielleicht auch . . . in Europa.“

          Dem Jubelsturm am 9. Mai folgte zunächst der DFB-Pokalsieg – und nun? Nun ist das europäische Meisterwerk vorgesehen, mit dem die Bayern auch noch die gesamte Bundesliga beschenkten, da in diesem Fall der ersten deutschen Fußballklasse von der Saison 2011/12 an wieder vier Startplätze für die Champions League eingeräumt würden.

          „Wenn wir verlieren, ist das eine große Enttäuschung”: Arjen Robben hat jetzt allerhöchste Ansprüche

          Für Breitner sind die Bayern nur mit Barcelona vergleichbar

          Zukunftsmusik. Am Donnerstagnachmittag ging es für die Münchner zunächst um die Akklimatisierung an einem Ort, den sie aus vielen Begegnungen mit Real Madrid sehr gut kennen, an den Arjen Robben noch genauere Erinnerungen hat. Der Niederländer spielte schließlich bis vor neun Monaten für den Klub, der historisch gesehen noch immer die Nummer eins in Europa ist, in Wirklichkeit aber seit Jahren höchste internationale Ziele regelmäßig verfehlt. Robben wollte es denn auch mit der Erinnerungsfolklore nicht übertreiben. „Ich hatte hier eine gute Zeit – von 2007 bis 2009 –, aber das ist vorbei. Ich gehöre inzwischen zu einem anderen Klub.“ Der spektakulärste Spieler der Bayern kehrt mit dem allerhöchsten Anspruch an seinen früheren Tatort zurück. „Wenn wir verlieren“, sagte er, „ist das eine große Enttäuschung. Dann können wir nicht sagen, wir haben eine große Saison gespielt.“

          Für die Gladiolen war am Donnerstag eher Paul Breitner zuständig, einer der Bayern-Stars der siebziger Jahre, als der Klub zwischen 1974 und 1976 dreimal nacheinander den Europapokal der Landesmeister eroberte. Breitner, von 1974 bis 1977 auch für Real Madrid am Ball, schwärmte von den Bayern der Neuzeit, wie man das von diesem jahrelang scharfen Fußballkritiker nur ausnahmsweise hört: „Man kann die Mannschaft von Louis van Gaal nicht mit der von 1974 vergleichen. Verglichen werden kann sie mit ihrem attraktiven, offensiven und auf Tore ausgerichteten Fußball nur mit dem FC Barcelona.“ Also mit dem vorjährigen Champion, der für Ästheten dieses Sports Maßstäbe gesetzt hat.

          Auch Uli Hoeneß, der Präsident des FC Bayern, fühlt sich „seit Wochen wie in einem Traum“. Dass sein Klub wie 2001 – damals besiegte der FC Bayern den FC Valencia im Elfmeterschießen – wieder einmal ein Champions-League-Endspiel erreicht hat, dass am Samstagabend 70.000 Fans in der heimischen Allianz Arena das Ereignis auch zu einem Heimspiel der besonderen Art machen werden, dass der titelreiche Klub auf einen neuen Umsatzrekord zusteuert: „Das ist Wahnsinn, das genieße ich“, hat Hoeneß seine Seelenlage in den höchsten Tönen beschrieben.

          Mourinho: „Ich möchte Real auf jeden Fall trainieren“

          Van Gaal hat mit seinem Pass- und Positionsspiel die Herzen der Fans, die jahrelang an den eher unterkühlten Ergebnisfußball der Bayern-Mannschaften gewöhnt waren, längst erobert. „Er gibt der Mannschaft und dem Verein eine Handschrift“, lobt Hoeneß. Und damit setzt sich der Niederländer auch meilenweit von seinem Vorgänger Jürgen Klinsmann ab. „Es gab Leute“, erinnerte sich der Präsident vage, „die haben gesagt, dass sie die Spieler jeden Tag ein bisschen besser machen wollen. Jetzt gibt es einen, der hat das umgesetzt.“

          Ob auch am Samstag, muss sich zeigen. Denn dann begegnet der Lehrmeister van Gaal seinem früheren Musterschüler: José Mourinho, ein Stratege und Taktiker wie der Amsterdamer. Längst ist aus dem Azubi, der van Gaal in dessen Trainerjahren beim FC Barcelona zur Hand ging, der meistumworbene Fußballlehrer weltweit geworden. Real Madrid will ihn angeblich zur nächsten Spielzeit für ein Jahressalär von 12 Millionen Euro verpflichten. Der Portugiese sagt zu den Spekulationen nur: „Ich möchte Real auf jeden Fall trainieren. Ob das in der kommenden Saison der Fall sein wird oder später, kann ich nicht sagen.“ Das Estadio Santiago Bernabéu wird auch Mourinho am Samstag die ganz große Bühne bieten. Dann aber ist er noch ganz und gar für Inter da und damit der vielleicht gefährlichste Widersacher der Bayern.

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