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Hamburger SV : Die Hakan-Show

  • -Aktualisiert am

Hakan Calhanoglu Bild: dpa

Hakan Calhanoglu ist 20 Jahre alt und spielt seine erste Saison in der Bundesliga – und trotzdem bleibt er mit seinen Schüssen und dem Selbstvertrauen die größte Hoffnung des HSV beim Kampf um den Klassenverbleib - auch am Samstag (15.30 Uhr) gegen Hannover.

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          Strafarbeit für Hakan Calhanoglu: Die letzten Minuten einer rundum gelungenen Trainingseinheit verbringt er auf allen Vieren. Fünfzig Liegestütze. Jaroslav Drobny, Hamburgs zweiter Torwart, schüttet sich aus vor Lachen. Weil Calhanoglu schon den zweiten Elfmeter gegen ihn verschossen hat, muss er zur Strafe auf den Boden. Calhanoglu nimmt die Sache ernst. Hoch, runter, hoch – im Boxer-Tempo absolviert der schmächtige Türke die Sonderschicht. Danach verlassen die beiden lachend den Platz. Jede Art von Schusstraining ist für den wertvollsten Profi des HSV auch dann noch eine Herzensangelegenheit, wenn die Kollegen das tägliche Üben längst durch ein bisschen Jonglieren oder ein kleines Spielchen auslaufen lassen. Dann lässt er sich die Mauer durch Pappkameraden (aus Plastik) simulieren, und schießt fünfzehn, zwanzig Mal aus 20 Metern auf das von Drobny oder dem dritten Keeper Sven Neuhaus gehütete Tor.

          Diese Hakan-Show ist inzwischen so beliebt, dass mancher Fan erst kommt, wenn das eigentliche Training schon beendet ist. Als Anhänger des tief gesunkenen Traditionsklubs, der weiterhin um die Zugehörigkeit zur Fußball-Bundesliga kämpft, geht man dann im Gefühl nach Hause, dass wenigstens ein Spieler etwas kann: wenn die Hälfte der Bälle ins Netz rauschen, sei er zufrieden, sagt Hakan Calhanoglu. An diesem Donnerstag mit Nieselregen verfehlt er diese Quote.

          „Hakan hat für sein Alter ein erstaunliches Spielverständnis“

          Macht nichts. Wer ein ganz normales Training des HSV sieht, der staunt, wie stark Trainer Mirko Slomka das Spiel seiner Mannschaft schon jetzt auf den 20 Jahre jungen Türken mit den außergewöhnlichen Fähigkeiten ausgerichtet hat. In einer Spielform mit zwei Mannschaften auf verkleinertem Feld steht Calhanoglu im gelben Leibchen auf der rechten Außenbahn. Er ist für beide Teams Offensivspieler: Bekommt er den Ball vom angreifenden Team, treibt er deren Spiel an. Verliert das Team den Ball, wechselt er die Seiten, greift über links für das andere Team an. Am Donnerstag gibt es in dieser Partie sechs Tore. Calhanoglu bereitet per Flanke oder Steilpass vier vor. „Hakan hat für sein Alter ein erstaunliches Spielverständnis“, sagt Slomka. „Er hat die richtige Mischung von Individualität und Mannschaftsdienlichkeit. Hakan hat eine große Bedeutung für die Mannschaft.“

          Man könnte auch sagen, dass dieser Wunderknabe dem HSV in den letzten fünf Spielen am meisten helfen wird, wenn er seine Individualität in den Dienst der Mannschaft stellt. Keiner hat eine bessere Schusstechnik. Keiner passt den Ball besser in den Fuß. Und keiner hat mehr Selbstvertrauen als Calhanoglu. Vier Tore hat er geschossen, seit Slomka da ist, eines vorbereitet – jetzt, wo Stürmer Pierre-Michel Lasogga wieder verletzt ist, hängt der HSV noch mehr von seiner Nummer neun ab. Auch an diesem Samstag im Spiel bei Hannover 96 (Samstag, 15.30 Uhr/ live in Sky und im F.A.Z.-Liveticker). Was andere hemmen würde, treibt ihn an. „Ich stehe gern im Vordergrund“, sagt Calhanoglu ganz ohne fremde Scheu, „und was es so an Trubel gibt, versuche ich auszublenden.“ Trubel. Am vergangenen Freitag saßen Scouts von Liverpool, Chelsea, Manchester United, Atletico Madrid, Juventus Turin und AS Rom im Stadion und sahen Calhanoglus Führungstreffer gegen Leverkusen. Vielen gilt der Deutschtürke aus Mannheim als neuer Özil. Im Winter gab es ein üppiges Angebot von Galatasaray Istanbul. Seit sich Calhanoglu im September 2013 durch acht Minuten gegen San Marino für die Türkei unter Trainer Fatih Terim festspielte, lieben sie ihn in der Heimat. Calhanoglu kommt das alles bekannt vor, nur drei Nummern größer. Als er im Juli vor zwei Jahren mit dem Karlsruher SC beim FC Heidenheim in der dritten Liga spielte, sollen zwölf Späher im Stadion gesessen haben.

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