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Friseur-Affäre und England-Flug : BVB widerspricht Bericht über Corona-Verstöße

  • Aktualisiert am

Zeichen mit Herz: Die BVB-Spieler knien aus Solidarität mit George Floyd. Bild: Twitter/MatsHummels

Mit einem Herz aus knienden Spielern sendet der BVB eine tolle Botschaft. Zugleich muss sich der Klub mit Berichten über Verfehlungen einiger Profis im Umgang mit den Hygienevorschriften auseinandersetzen.

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          Die Bundesliga-Profis von Borussia Dortmund haben gemeinsam ein Zeichen gegen Rassismus gesetzt und ihre Solidarität mit dem Afroamerikaner George Floyd bekundet, der infolge eines brutalen Polizeieinsatzes in den Vereinigten Staaten starb. Am Mittwoch knieten 28 BVB-Spieler in Herzform auf dem Trainingsplatz nieder, als Zeichen gegen Rassismus. Dazu schrieb Abwehrchef Mats Hummels bei Twitter: „Wir, die Spieler von Borussia Dortmund, unterstützen die Black Lives Matter-Bewegung voll und ganz. Wir akzeptieren keinerlei Rassismus. Für eine aufgeschlossene und tolerante Welt, für eine bessere Welt!“.

          Zugleich war der Klub mit einer weniger erfreulichen Geschichte konfrontiert, die sogar den Beginn einer Pressekonferenz verzögerte: Michael Zorc sprach mit 15-minütiger Verspätung über die neue Friseur-Affäre; er musste Jadon Sancho erst den Kopf waschen. „Wir haben gerade eben noch mal mit allen Beteiligten gesprochen“, berichtete der Sportdirektor von Borussia Dortmund während der Pressekonferenz am Donnerstag: „Ich stehe ja auch wirklich nicht in Verdacht, Jadon immer in Schutz zu nehmen.“

          Nicht nur der englische Jungstar Sancho, der wegen Disziplinlosigkeiten und allzu lässigen Verhaltens ohnehin unter besonderer Beobachtung steht, sondern auch Axel Witsel, Thorgan Hazard, Raphael Guerreiro, Dan-Axel Zagadou und Manuel Akanji hatten sich vor dem Kantersieg beim SC Paderborn (6:1) einen Düsseldorfer Starfriseur nach Hause kommen lassen. Ein eindeutiger Verstoß gegen die Hygieneregeln der Deutschen Fußball Liga (DFL), die Grundlage für die Fortsetzung der Saison sind. Der Friseur stellte fröhlich Fotos auf Instagram, auf denen weder er noch die Profis Mundschutz tragen.

          „Dieses Posten!“, seufzte Zorc. „Diese Fotos danach, ich verstehe es bis heute nicht. Wahrscheinlich bin ich dafür zu alt.“ Alle Spieler hätten versichert, es seien während des Haareschneidens „Handschuhe, Mundschutz und ein Gesichtsschild“ getragen worden - außer beim Schnappschuss danach: „Das ist natürlich nicht richtig.“

          Der Verein wird sich nach seiner „sehr, sehr deutlichen“ Ansprache auch bei der DFL erklären müssen. „Wir sind im Dialog, um den Sachverhalt genau aufzuklären“, sagte Zorc. Vor wenigen Wochen noch wäre der laut Konzept (Seite 43) untersagte Besuch ein handfester Skandal gewesen - dafür muss nur auf den Fall Kalou bei Hertha BSC verwiesen werden. Die DFL wollte das Thema nicht kommentieren. Ob es Sanktionen geben wird, ist offen.

          Inzwischen wurden die Regeln für die Gesellschaft gelockert - für die Fußballer aber keineswegs. Sie müssen sich nach einem Konzept richten, das auf dem Höhepunkt der Corona-Krise geschrieben wurde. Zorc will es nicht antasten: „Wir sollten noch immer noch froh sein, dass wir spielen dürfen.“

          Turbulente Tage: Jadon Sancho steht nach dem Protest vom Wochenende nun abermals im Fokus der Öffentlichkeit.

          Seines Wissens verbiete die DFL keine „ganz wichtigen Dinge“, und zu denen gehöre - neben dem Tanken, wenn das Benzin auf der Fahrt ausgehe - eben auch ein Richten der Frisur nach Monaten des Wildwuchses.

          Am Wochenende noch positive Schlagzeilen

          Sancho, dem mit 17 Toren und 17 Vorlagen herausragenden Spieler der Saison, wird eine jugendliche Leichtigkeit durchaus zugestanden, doch der wertvollste Mann im Kader fiel nicht zum ersten Mal auf. Schon ein Video aus seinem Dubai-Luxusurlaub, das wenig Bescheidenheit erkennen ließ, war den Bossen ein Dorn im Auge gewesen. Im Oktober wurde er für ein Spiel suspendiert, weil er zu spät von einem Länderspiel kam.

          Die guten Schlagzeilen, die er am Wochenende mit seinen drei Toren und seiner Anti-Rassismus-Botschaft (“Justice for George Floyd“) schrieb, sind dahin. Laut eines Berichts der Bild-Zeitung vom Donnerstag soll der 20-Jährige sogar in seine Heimat geflogen sein.

          Zorc widersprach energisch. „Unseres Wissens ist Jadon seit Wochen hier in Dortmund. Ich habe gelesen, wir hätten ihn in Quarantäne gesteckt und eine Verletzung vorgeschoben“, sagte er. „Das ist komplett falsch und inhaltlich nicht richtig.“ In dem Bericht war allerdings kein Zeitpunkt des angeblichen Ausflugs genannt worden.

          Bleibt der Ärger um Friseurbesuche, was in Dortmund eine gewisse Tradition hat: Schon vor dem Champions-League-Spiel bei Tottenham Hotspur (0:3) im Februar 2019 war aus dem Teamhotel ein Salon geworden. Und Zorc wusch Köpfe.

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