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Harsche Kritik an Zwayer : „Bellingham ist eben ein Heißsporn“

  • Aktualisiert am

Jude Bellingham stand vor allem nach dem Topspiel im Fokus. Bild: REUTERS

Die Kritik am Schiedsrichter hat ein Nachspiel. Die Anzeige gegen Jude Bellingham liegt bei der Staatsanwaltschaft, der DFB spricht eine Geldstrafe aus. Doch der BVB-Profi erhält auch Zuspruch.

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          Bei der Anzeige eines Schiedsrichter-Beobachters gegen den Dortmunder Fußballprofi Jude Bellingham und den früheren Spitzenschiedsrichter Manuel Gräfe handelt es sich dessen Aussagen zufolge um eine private Aktion. Bellingham hatte nach der 2:3-Niederlage des BVB am Samstag im Bundesliga-Topspiel gegen Spitzenreiter Bayern München harsche Kritik an Schiedsrichter Felix Zwayer geübt.

          Bundesliga

          „Man gibt einem Schiedsrichter, der schon mal Spiele verschoben hat, das größte Spiel in Deutschland. Was erwartest du?“, sagte der englische Nationalspieler in einem TV-Interview beim norwegischen Sender Viaplay Fotball. Die Dortmunder Polizei bestätigte der Deutschen Presse-Agentur am Montag den Eingang der Anzeige, sie sei zur Prüfung an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet worden.

          Der Schiedsrichter-Beobachter Marco Haase erstattete Berichten des „Spiegel“ und des Portals „az-online.de“ zufolge als Privatperson Anzeige in Dortmund und Berlin. Zuerst hatte die „Bild“ über die Anzeige berichtet. Der Deutsche Fußball-Bund hat davon bislang keine Kenntnis. Konkret gehe es um den Satz: „Du gibst einem Schiedsrichter, der schon vorher mal Spiele geschoben hat, das größte Spiel in Deutschland. Was erwartest du?“

          Bellingham muss nun eine Geldstrafe in Höhe von 40.000 Euro bezahlen. Dieses Urteil des DFB-Sportgerichts gab der DFB am Dienstag bekannt. Gesperrt wurde er nicht. Das DFB-Sportgericht wertete die Aussage Bellinghams als unsportliches Verhalten. Der Spieler hat dem Urteil bereits zugestimmt, es ist damit rechtskräftig.

          „Die Dinger sind jetzt in der Welt“

          Der 18 Jahre alte englische Nationalspieler hatte Zwayer unter anderem wegen des umstrittenen Handelfmeters, den Robert Lewandowski zum Bayern-Sieg nutzte, verbal attackiert. „Diese Aussagen treffen alle Unparteiischen bis zur Basis auf Kreisebene, die Woche für Woche unterwegs sind und dafür sorgen, dass der Spielbetrieb aufrecht erhalten wird und es fair auf unseren Sportplätzen zugeht“, sagte Haase „az-online.de“.

          Dortmunds Vereinschef Hans-Joachim Watzke war Bellingham verbal zur Seite gesprungen. Die BVB-Verantwortlichen nahmen Bellingham in Schutz. „Der Junge ist 18, spricht nach einem hitzigen, emotionalen Spiel. Er benennt alte Fakten, das muss man nicht machen“, hatte auch Sportdirektor Michael Zorc dem Sport Informations Dienst gesagt: „Er ist eben ein Heißsporn. Die Dinger sind jetzt in der Welt, aber wir stehen da zu ihm. Strafrechtlich sehe ich da nichts Problematisches.“

          Gräfe kommentierte die Szene am Samstagabend in Dortmund für das ZDF. Gräfes seiner Wahrnehmung nach „erneuter genauso unterirdischer wie unsolidarischer Auftritt“ im ZDF, würde den Verdacht seiner Meinung nach unterstützen, sagte Haase auch dem „Spiegel“. Der aus Altersgründen nicht mehr als Referee tätige Gräfe hatte Zwayer aufgrund von dessen Verwicklungen in den 2005 aufgedeckten Wettskandal um den früheren Schiedsrichter Robert Hoyzer kritisiert.

          „Wer einmal Geld angenommen und Hoyzers Manipulation ein halbes Jahr verschwiegen hat, sollte keinen Profifußball pfeifen“, hatte Gräfe vor Monaten im „Zeit Magazin“ gesagt. Aus Haases Sicht habe Bellingham seine Äußerung aus Lebenserfahrung nicht getan haben können. 2004 hatte Zwayer den Akten zufolge als Assistent Geld vom Drahtzieher Robert Hoyzer angenommen. Später deckte er den Skandal mit auf, eine Manipulation wurde ihm trotz Sperre nie nachgewiesen. 

          Die ehemaligen Fußball-Weltmeister Lothar Matthäus und Kevin Großkreutz plädierten im Fall von Bellingham und seiner Verbalattacke gegen Zwayer für Milde. Dessen Worte seien zwar in der Form unangebracht gewesen, befand Rekordnationalspieler Matthäus. Aber man müsse es jetzt auch nicht übertreiben. „Von mir aus soll er für einen karitativen Zweck eine Geldstrafe spenden und dann ist gut“, empfahl der 60-jährige Weltmeister von 1990 und Experte des TV-Senders Sky in seiner wöchentlichen Kolumne.

          Ähnlich urteilte der frühere BVB-Spieler Großkreutz. Über die Aussage könne man sicher streiten, vielleicht tue es ihm im Nachhinein auch leid, befand der Weltmeister von 2014 in der „ran Bundesliga Webshow“ von Sat.1. Der Fußball brauche aber Spieler, die ihre Meinung sagten und Typen seien. „Da sollte der DFB dann auch mal wegschauen. Alles andere führt dazu, dass irgendwann niemand mehr etwas sagt. Das tut dem Fußball nicht gut“, argumentierte der 33-Jährige.

          Der frühere Top-Referee Urs Meier kritisierte Bellingham dagegen scharf. Nach Ansicht des Schweizers war die Schiedsrichter-Schelte „fies“ und „perfide“. „Auch wenn ich kein großer Freund von Felix Zwayer bin – das war ein dickes Brett“, sagte Meier in seinem Podcast: „Das war unter der Gürtellinie. Es suggeriert den Fans, dass Zwayer bestechlich ist.“

          Meier sieht mit Blick auf Zwayer den DFB gefordert. „Ich habe immer gesagt, dass mit mir als Schirichef so ein Schiedsrichter nicht mehr in der Spitze gepfiffen hätte. Aber man kann das anders sehen, der DFB hat anders entschieden“, äußerte Meier: „Er hatte seine Strafe. Jetzt müsste sich jemand von der Schiedsrichter-Spitze des DFB vor Zwayer stellen. Er ist schließlich der verlängerte Arm des DFB auf dem Platz.“

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