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Ärger beim 1. FC Köln : Wutrede von Baumgart wegen Modeste-Transfer

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Köln-Trainer Steffen Baumgart (links) ist nicht begeistert von den Umständen des Wechsels von Anthony Modeste. Bild: picture alliance / SvenSimon

Der nahende Wechsel von Anthony Modeste nach Dortmund sorgt für Ärger in Köln. Von den Fans gibt es viel Kritik und Wut. Trainer Steffen Baumgart schimpft nach dem Auftaktsieg über Schalke.

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          Zum zweiten Mal war er kurz vor dem Legendenstatus, zum zweiten Mal verlässt Anthony Modeste den 1. FC Köln von lauten Misstönen begleitet. Und eine Rückkehr zum FC nach seinem zunächst auf ein Jahr befristeten Wechsel zu Borussia Dortmund ist zumindest nicht sicher – obwohl sie allgemein als vertraglich gesichert galt.

          Denn bisher hatten Medien immer unwidersprochen berichtet, der 34 Jahre alte Franzose habe für die Zeit nach seinem eigentlichen Vertragsende Mitte 2023 einen fünf Jahre laufenden Anschlussvertrag als Jugendtrainer. „Ich habe auch viel von dem Anschlussvertrag gehört“, sagte Christian Keller, seit April Geschäftsführer des FC. „Das sieht nachher ein bisschen anders aus, wenn man gelesen hat, was da drinsteht.“

          Bundesliga

          Möglicherweise gilt die Anschlussvereinbarung nur bei einem durchgängigen Verbleib bis dahin. Grundsätzlich sei Modeste „eine Identitätsfigur für den 1. FC Köln, und wenn er irgendwann zum FC zurückkommen möchte, dann denken wir sicher darüber nach“.

          Doch das wird schwierig zu vermitteln sein, denn die Geschichte um Anthony Modeste und den FC ist eine emotionale. 2017 hatte er die Kölner mit 25 Toren in die Europa League geschossen und war danach nach China gewechselt, was ihm viele übel nahmen. Nach seiner Rückkehr und besonders nach seiner sportlichen Wiedergeburt in der vergangenen Saison wurde er trotzdem wieder zum Fan-Liebling.

          Nachdem er den FC mit 20 Toren abermals in den Europacup schoss und immer wieder seine Liebe zum Klub und zur Stadt beteuerte, stürmten die Fans das Spielfeld und trugen ihn auf Händen. Auch wenn er im Winter eigentlich schon nach Saudi-Arabien wollte. Und auch wenn er seine Berater stets nach Alternativen Ausschau halten ließ und daraus kein Geheimnis machte. „Ich hoffe, dass mein Berater aktiv ist. Wenn ich 20 Tore mache und er nicht aktiv ist, muss ich mit ihm reden“, hatte Modeste noch im Trainingslager erklärt. Trotzdem wurde er bei der Saisoneröffnung vor zwei Wochen bejubelt.

          „Klare Zusage an Modeste“

          Nun geht er wieder, obwohl der BVB ihm wohl auch nur ein Jahr Vertrag gibt. „Man muss ihn fragen, warum er das unbedingt machen will“, sagte Keller nach dem 3:1 zum Bundesliga-Auftakt gegen den FC Schalke 04, bei dem Modeste kurzfristig schon nicht mehr zum Kader gehörte: „Aber er kann Champions League spielen. Und er verdient sicherlich zumindest nicht weniger als beim FC.“

          Dort unternahm man trotz der überragenden Vorsaison offenbar wenig, um den sensiblen Stürmer zu halten. „Wir haben die Hand drauf. Er hat Vertrag, und wenn wir nicht zustimmen, gibt es keinen Transfer“, sagte Keller. Dennoch schlug man beim FC für angeblich rund fünf Millionen Ablöse plus die Gehaltsersparnis ein. Wahrscheinlich, weil man Modeste nicht mehr mit dem Herzen in Köln wähnte. Sicher auch, weil der Klub auf Transfereinnahmen angewiesen ist. Offiziell aber vor allem wegen der Vorgeschichte nach dem vom Klub abgelehnten Angebot aus Saudi-Arabien im Winter.

          „Kurz nachdem ich kam, habe ich erfahren, dass es eine klare Zusage gab: Wenn nochmal was kommt, ist man gesprächsbereit“, sagte Keller. „Die Aussage kam nicht von mir, aber sie gilt für mich natürlich auch.“ Alles in allem gab es laut des Geschäftsführers „relativ viele Gründe, die dafür gesprochen haben, dem Transfer zuzustimmen. Und relativ wenige, die dagegen gesprochen haben.“

          Trainer Steffen Baumgart will bei seinem Team nun eine Trotzreaktion erzeugen. „Es hat mich im vergangenen Jahr oft geärgert, dass es nur um ihn ging“, sagte er. „Wir werden nicht wegdiskutieren, dass er uns sicher in der ein oder anderen Situation fehlen wird, nur weil wir ohne ihn gewonnen haben. Aber wir gehen den Weg jetzt mit Leuten, die ihn zu 100 Prozent mitgehen wollen. Wir sind letztes Jahr übers Kollektiv gekommen, und das werden wir dieses Jahr auch.“ Gegen Schalke schoss der FC insgesamt 30 Mal aufs Tor – mehr als in jedem Spiel der Vorsaison mit Modeste.

          Zunächst hatte der Jubel über den Auftaktsieg den Ärger über den Wechsel von Modeste in den Hintergrund gedrängt. Doch rund eine Stunde nach dem Schlusspfiff ließ Baumgart seinen Emotionen trotzdem freien Lauf. In einer kleinen Wutrede schimpfte der Kölner Trainer über den Zeitpunkt, an dem der Modeste-Wechsel nach Dortmund durchsickerte – und nutzte dabei auch den ein oder anderen Kraftausdruck.

          „Dass es heute am Spieltag rauskommt, das ist es, was mich ankotzt“, sagte Baumgart auf der Pressekonferenz. „Es hat auch mit Fairplay zu tun, dass man das unter dem Deckel hält und nicht großkotzig daherredet. Das ist das, was mir auf die Eier geht“, erklärte er. „So sind wir vier Stunden vor dem Spiel in eine schwierige Situation gekommen, und ich habe die Arschkarte, weil ich zu Tony persönlich ein gutes Verhältnis habe und die Entscheidung treffen muss, den Jungen, der gerne gespielt hätte, rauszunehmen.“

          Er wolle nicht beurteilen, durch wen der bevorstehende Transfer, der am Montag finalisiert werden soll, rausgekommen ist. „Es ist egal, ob es aus Tonys Umfeld kam, von uns oder von Dortmund“, sagte Baumgart: „Aber ich bin mir relativ sicher, dass es von uns nicht gekommen ist, weil wir uns nicht selbst schaden.“

          Er wolle niemanden beschuldigen, „aber es war ja nie einer. Trotzdem kommt es raus. Und irgendwer wird es schon gewesen sein.“ Am Morgen des Spieltags war durchgesickert, dass Modestes Wechsel zum BVB quasi fix ist. Um 16.30 Uhr bestätigten die Kölner eine „grundsätzliche mündliche Einigung“ mit dem BVB gibt. Modeste habe spielen wollen, durfte aber nicht.

          In den sozialen Medien gab es viel Kritik und Wut unter den Kölner Fans. Wobei es im Stadion eher Missachtung war: Es gab kein vernehmenswertes Plakat und auch keinen Gesang in Richtung des 34 Jahre alten Franzosen, der in der Vorsaison 20 Bundesliga-Tore erzielt hatte. Auch Modeste hielt sich in den sozialen Medien zurück.

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