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BVB-Sportdirektor Zorc : Stößt Klopps Vollgas-Fußball an Grenzen?

  • Aktualisiert am

Zwei, die sich verstehen: BVB-Trainer Klopp (im Foto links) und Sportdirektor Zorc Bild: dpa

Michael Zorc hat Borussia Dortmund zu alter Klasse zurückgeführt. In der F.A.Z. spricht der Sportdirektor über den neuen Anlauf in der Champions League, den ganz besonderen BVB-Stil und darüber, „dass Jürgen (Klopp) für andere Vereine sehr interessant ist“.

          Der BVB hat die schwerste Gruppe erwischt mit Real Madrid und Manchester City. Am Dienstag geht es mit Ajax Amsterdam los. Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke sagt, in dieser Gruppe würden Helden geboren. Werden auch Dortmunder Helden darunter sein?

          Die anderen Klubs in unserer Gruppe sind auch nicht froh darüber, gegen Borussia Dortmund spielen zu müssen. Sie hätten sich bestimmt erhofft, aus Topf vier eine andere Mannschaft zu bekommen. Bei Spielen gegen Real Madrid oder Manchester City ist die individuelle Qualität des Gegners extrem hoch, das heißt, Fehler werden vielleicht schneller bestraft, aber die Fehler, die wir vor einem Jahr in der Champions League gemacht haben, wären auch in der Bundesliga bestraft worden.

          Und was ist mit den Helden? Könnte Mario Götze einer werden?

          Es ist nicht unser Ansatz, jetzt auf einzelne Spieler abzuheben. Da könnten wir genauso Marco Reus nennen, Robert Lewandowski, Mats Hummels oder andere. Die Champions League ist nicht dafür da, dass sich Einzelne dort darstellen dürfen. Für Mario Götze ging es zuletzt darum, in die Verfassung zu kommen, um wieder neunzig Minuten lang unseren Fußball mit seiner individuellen Klasse zu verbinden.

          Dortmund ist den Beweis schuldig geblieben, mehr als ein halbes Jahr lang den Parallelschwung Bundesliga und Champions League zu beherrschen. Stößt der Vollgas-Fußball à la Jürgen Klopp nach zwei Jahren voller Tempo, Biss und Hunger an Grenzen?

          Wir waren national in den vergangenen zwei Jahren klar die beste Mannschaft. Das war aber eine Herkulesarbeit, die unsere Spieler erbracht haben. Wir müssen uns immer wieder vergegenwärtigen, mit welcher Art Fußball wir so erfolgreich geworden sind. In der vergangenen Saison haben wir ja gerade in jener Phase gegenüber den Bayern aufgeholt, in der beide Mannschaften exakt die gleiche Belastung hatten. Aber der Erfolg kann einiges verändern, gerade bei einer so jungen Mannschaft wie unserer. Dann muss man darauf hinweisen, dass wir einen ganz besonderen Stil haben, Fußball zu spielen - und nur diesen. Hauptaufgabe ist es, unseren Fußball durchzusetzen. Das ist uns in der vergangenen Saison international nicht gelungen. Da war von allem etwas dabei: Mal waren wir vom Gegner beeindruckt, mal wollten wir zu sehr zeigen, wie Fußball gespielt wird, und haben dabei mehr Fehler gemacht als in der Bundesliga.

          Braucht man in der Champions League taktisch nicht auch einen Plan B und die Fähigkeit, ökonomischer zu spielen?

          Die Frage ist in der Tat, ob du einen starken Gegner mit einem guten Pressing genauso unter Druck setzen kannst wie in der nationalen Liga. Barca schafft es jedenfalls wettbewerbsübergreifend. Ob uns das auch gelingt gegen Madrid oder Manchester, werden wir sehen. Je länger die Saison dauert, desto schwerer kann es werden, aber das ist eben unser Auftrag, mit dem wir umgehen müssen. Wenn ich in der Nationalmannschaft und in der Champions League spielen will, muss ich mental bereit sein, alle drei Tage meine Höchstleistung abzurufen. Wir haben den Kader so breit aufgestellt, dass man auch mal rotieren lassen kann. In Ausnahmefällen kann es nötig sein, ein 1:0 schmucklos über die Zeit zu bringen wie in der vergangenen Saison zu Hause gegen Piräus. Das müssen wir lernen. Solche Spiele gehören auch einmal dazu, aber sie sind nicht unser Stil.

          An Substanz hat die Dortmunder Mannschaft aber nur dank Marco Reus gewonnen.

          Das mag Ihre Einschätzung sein.

          Wie lautet Ihre?

          Mario Götze hat ein halbes Jahr nicht gespielt, er greift jetzt wieder voll an. Vor einem Jahr haben wir in Sebastian Kehl auch einen wichtigen Mann dazubekommen, der in der Saison davor so gut wie gar nicht hatte spielen können. Darüber hinaus entwickeln wir uns als Mannschaft weiter. Insgesamt sind wir reifer als im letzten Jahr.

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