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Beleidigung und wüste Gesten : Haaland-Provokationen sorgen für Ärger

Keine Zurückhaltung: Dortmunds Erling Haaland (Mitte) und Frankfurts Martin Hinteregger im Wortgefecht Bild: Reuters

Der BVB gewinnt durch zwei ganz späte Tore doch noch bei Eintracht Frankfurt. In dieser emotionalen Schlussphase lässt sich Erling Haaland zu zwei umstrittenen Szenen hinreißen. Der Trainer versucht zu beruhigen.

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          Es ist nicht so, dass Emre Can beständig Leistungen zeigen würde, durch die er über jeden Zweifel an seiner sportlichen Schaffenskraft erhaben wäre. Die fehlende Konstanz macht ihm auch in dieser Saison zu schaffen. Was Can freilich nicht davon abhält, seine Rolle in der Defensive mit breiter Brust und demonstrativem Selbstbewusstsein zu interpretieren. Auch in Frankfurt, zum Auftakt in die Rückrunde, war der 27-Jährige an mehreren Szenen beteiligt, in denen er keine gute Figur abgab.

          Bundesliga
          Marc Heinrich
          Sportredakteur.

          So zum Beispiel vor dem Führungstreffer der Eintracht durch Rafael Borré (15. Minute), den Can durch ein unnötiges Foul unweit der Mittellinie an Martin Hinteregger, das einen Freistoß durch Filip Kostic in den Strafraum zur Folge hatte, begünstigte. Kurz nach dem Wiederanpfiff, als die Hessen durch einen weiteren Treffer des kolumbianischen Stürmers 2:0 (24.) in Führung lagen, konnte Can von Glück sagen, dass dem Frankfurter Mittelfeldflitzer Jesper Lindstrøm die Nerven einen Streich spielten und er frei vor BVB-Torwart Gregor Kobel den Abschluss verschluderte.

          Sonst hätte es 3:0 gestanden, die Dortmunder wären mutmaßlich nicht mehr in der Lage gewesen, dem Geschehen eine Wende zu geben, und Can hätte sich auch in der eigenen Kabine einiges anhören müssen, wie plump er sich vom kleinen Lindstrøm bei dessen Sololauf die Kugel durch die Beine hatte schieben lassen.

          Can noch mit wichtigem Beitrag

          Der „Tunnler“ war aber folgenlos geblieben, die Borussia raffte sich zu einem physischen und psychischen Kraftakt in der Schlussphase auf, was ihr mit dem 3:2 einen Last-Minute-Erfolg ermöglichte – und Can leistete noch einen wichtigen Beitrag für das Gemeinwohl, als er sich als Prellbock zwischen die Hitzköpfe beider Lager stellte und dafür sorgte, dass es bei verbalen Scharmützeln blieb. „Diese Siege schmecken besonders“, sagte der gebürtige Frankfurter mit türkischen Wurzeln, „nach der ersten Halbzeit weiß ich nicht, wer noch daran geglaubt hat, aber wir als Mannschaft haben daran geglaubt. Wir haben es dann nach der Pause super gemacht. Am Ende haben wir verdient gewonnen.“

          Die dafür nötigen Treffer erzielten Thorgan Hazard (71.), Jude Bellingham (87.) und Mahmoud Dahoud (89.), die zuschlugen, als die Eintracht glaubte, im Verwaltungsmodus den Vorsprung über die Zeit retten zu können, und aufhörte, engagiert und konzentriert Lösungen in der gegnerischen Hälfte zu suchen, sondern stattdessen vermehrt Rückpässe wählte. „Dafür sind wir bestraft worden“, konstatierte der Frankfurter Trainer Oliver Glasner, der seinen Spielern den Vorwurf machte, wie das „Kaninchen vor der Schlange“ gebannt darauf gewartet zu haben, was der BVB als Nächstes anstellt, anstatt selbst aktiv zu bleiben. Er sprach davon, dass die Mannschaft eine „harte Lektion“ erteilt bekommen habe, die „bitter“ sei, weil er zuvor „viele gute Sachen von uns gesehen“ habe.

          Die Eintracht versäumte es durch die erste Niederlage nach drei Siegen in Serie, ihre Position in der oberen Tabellenhälfte zu festigen. Dem BVB gelang es dagegen erstmals, von einem Patzer des Titelverteidigers aus München zu profitieren und den Rückstand auf den Spitzenreiter auf sechs Punkte zu verkürzen.

          Wichtiger als das erfreuliche Resultat war dem Dortmunder Trainer Marco Rose die Feststellung, dass sein Team Haltung bewiesen habe, so wie er es zuletzt nach den immer wiederkehrenden Aussetzern eingefordert hatte: „So ein Spiel komplett zu drehen, sollte den Jungs nun zeigen, dass sich das Thema Haltung sehr lohnt“, sagte der 45-Jährige. „Das heutige Spiel war ein Beispiel dafür, wie es aussehen kann und soll.“

          Rose, der die eigenen Leute dafür kritisiert hatte, dass sie zu wenig Siegermentalität ausstrahlten, lobte nun, dass er viele Momentaufnahmen in der Geisterspiel-Atmosphäre in der Frankfurter Arena registriert habe, in denen die Männer in Schwarz-Gelb vorbildlich seine Vorstellungen umgesetzt hätten: „Bei uns zu bleiben, weiter an uns zu glauben, den Fokus auf jede Aktion hochzuhalten, nicht zu resignieren“, zählte er als Grundvoraussetzungen auf, die es brauche, um sich hohe Ziele setzen zu dürfen.

          „Dieses Spiel kann viel Energie bringen“, schaute er voraus auf das kommende Programm mit der Dreifachbelastung in Liga, Pokal und Europa League. Keine (mentale) Kraft will er dagegen für Hochrechnungen verschwenden, ob und wie der Rekordmeister aus München noch eingeholt werden kann. „Wir würden gerne die Bundesliga spannend machen, wissen aber auch, was die Bayern zu leisten imstande sind“, sagte Rose, „wir müssen unsere Hausaufgaben machen.“

          Haaland mit viel Adrenalin

          Für Mats Hummels, der als Abwehrorganisator auf den Platz zurückgekehrt war, sind Gegentore „aus dem Nichts“ das „große Thema“ der Borussia: „Wir müssen es schaffen, das Spiel dominant zu gestalten und nicht offen und Wildwest-Fußball hin und her spielen“, sagte er im Blick auf die starke Anfangsphase, den Einbruch vor der Pause und das Aufbäumen vor dem Abpfiff. Dass bei allen Beteiligten viel Adrenalin durch die Blutbahnen rauschte, das sich bis zum Abgang in die Kabinen nicht verflüchtigt hatte, hätte beinahe für Raufereien gesorgt.

          Im Mittelpunkt der Auseinandersetzungen stand dabei Erling Haaland, der seine Klasse zuvor nur andeuten konnte, durch sein Verhalten aber zum Frankfurter Reizobjekt wurde. Als er sich in der Nachspielzeit mit Borré an der Eckfahne anlegte, griff er sich wütend in den Schritt und provozierte den Kolumbianer auf Spanisch.

          Zuvor, nach dem Ausgleich von Bellingham, hatte Haaland den Ball schnell aus dem Netz holen wollen. Dabei wurde er von Gegenspieler Hinteregger geschubst. Daraufhin schimpfte der Norweger unflätig los, wie über die Außenmikrofone zu hören war. Beide Streithähne wurden mit Gelb verwarnt, was Rose erleichterte: „Keiner hat eine Rote Karte bekommen. Das freut mich besonders für Erling.“ Es sei ja auch nicht nur Haaland beteiligt gewesen. „Da standen viele Menschen, die sich was zu sagen hatten. Wir sind alle unversehrt davongekommen.“

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