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Coup mit Philippe Coutinho : Selbst Dortmund schwärmt von Bayern do Brasil

Herzlich Willkommen in München: Sportdirektor Hasan Salihamidzic (links) und Neuzugang Philippe Coutinho. Bild: dpa

Die Bundesliga freut sich auf „Weltstar“ Philippe Coutinho. Er ist nicht der erste Brasilianer in München. Den Anfang machte Bernardo, der prompt in der Isar landete. Jetzt setzen die Bayern die Linie fort mit einem ganz besonderen Künstler.

          Selbst beim großen Titelkonkurrenten geriet man ins Schwärmen. „Philippe Coutinho ist ein geiler Spieler. Ich bin ein absoluter Fan von ihm“, sagte Julian Brandt, der Top-Transfer von Borussia Dortmund, über den von Bayern München. „Eine absolute Bereicherung“ nannte der deutsche Nationalspieler am Samstag die Verpflichtung des 27 Jahre alten Brasilianers, den die Bayern zunächst für ein Jahr vom FC Barcelona ausleihen, ehe sie eine Kaufoption haben. Deren Höhe liegt laut spanischen Medien über 100 Millionen Euro. „Ich freue mich, dass sich so ein Spieler entscheidet, in die Bundesliga zu kommen“, sagte Brandt. Auch Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke schwärmte: „Kompliment! Man kann die Bayern nur beglückwünschen. Es ist gut, wenn ein solcher Name in der Bundesliga spielt“, sagte er der „Bild“-Zeitung.

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          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Der Meister hatte den Transfer am Freitagabend verkündet, unmittelbar nach dem 2:2 gegen Hertha BSC, das den Bedarf nach einem wie Coutinho verdeutlicht hatte. Auch da schwärmte schon ein Bayern-Gegner von dem spektakulären Zugang, der am Sonntag in München ankam – zu Medizincheck und Vertragsabschluss, der am Montag offiziell verkündet wurde. „Für mich bedeutet dieser Wechsel eine neue Herausforderung in einem neuen Land bei einem der besten Klubs Europas. Darauf freue ich mich sehr“, sagte Coutinho. „Ich habe große Ziele wie der FC Bayern, und ich bin überzeugt, dass ich diese zusammen mit meinen neuen Mannschaftskollegen erreichen kann.“

          „Das ist eine große Sache für die ganze Bundesliga, dass wir jetzt die Möglichkeit haben, Coutinho zu sehen. Er ist ein besonderer, ein aufregender Spieler“, sagte Marko Grujic, der Mann des Spiels, der die 2:1-Führung der Hertha erzielt, dann aber als Verursacher eines Foulelfmeters wieder hergeschenkt hatte. Ehe er nach Berlin verliehen wurde, hatte Grujic mit Coutinho beim FC Liverpool gespielt. „Er hat unglaubliche Tricks und Fertigkeiten drauf“, sagte er und prophezeite: „Er wird bei Weitem der beste Fußballer Deutschlands sein.“

          Bayern do Brasil, das ist eine Kombination mit gutem Klang, wenngleich die Anfänge eher holprig gerieten. Der erste Brasilianer im Bayern-Trikot war am 3. August 1991 ein gewisser Bernardo, für zwei Millionen Mark aus São Paulo geholt. Er kehrte nach nur vier Einsätzen und 172 Spielminuten wieder heim. Das einzige, was von Bernardo in München in Erinnerung blieb, ist die Floßfahrt mit dem Team, bei der ihn Klaus Augenthaler in die Isar schubste. Der ruppige Kapitän schickte die Warnung „Krokodile!“ hinterher und beschrieb den Lerneffekt so: „Da ist er geschwommen wie Mark Spitz.“

          Etwas weniger ins Schwimmen geriet der Landsmann Mazinho, der elf Tage nach Bernardo debütierte und gleich das Siegtor in Düsseldorf schoss. Doch in den dreieinhalb Jahren, bis man ihn Richtung Japan entließ, mussten sich die Bayern fragen, ob sie vielleicht den falschen Mazinho verpflichtet hatten, also nicht den gleichnamigen Landsmann, der 1994 mit Brasilien Weltmeister wurde und Vater des heutigen Bayern-Stars Thiago ist. Derartige Verwechslungen sind bei Coutinho nicht zu befürchten. Er ist ein Künstler, der anders als die meisten Landsleute im Fußball keinen Künstlernamen braucht.

          Besser fuhren die Bayern dann damit, Brasilianer nicht aus Brasilien zu holen, sondern von dort, wo sie sich schon an deutsche Winter gewöhnen konnten. Vor allem bei Bayer Leverkusen, damals eine Art deutscher General-Importeur für gute Brasilianer, bediente man sich erfolgreich, mit Spielern wie Jorginho, Paulo Sergio, Lucio und Zé Roberto. Ebenso in Stuttgart, wo Giovane Elber sich im „magischen Dreieck“ mit Fredi Bobic und Krassimir Balakow etabliert hatte, ehe er mit 140 Bayern-Toren einer der besten Einkäufe der Klub-Geschichte wurde. Und auch später noch profitierten die Bayern von bereits bundesligaerprobten Brasilianern wie Luiz Gustavo, Dante und Rafinha, die allesamt nicht dem Klischee des Samba-Kickers entsprachen, sondern als verlässliche Arbeiter deutsche Fußballtugenden verkörperten.

          Als vorerst Letzter kam 2015 Douglas Costa von Schachtar Donezk und führte sich mit dynamischen Dribblings als möglicher Nachfolger von Robben und Ribéry ein, auch wenn dieser Schwung die erste Saison nicht recht überstand. Und nur einmal nach den Anfängen mit Bernardo und Mazinho entschied man beim Rekordmeister, nochmals direkt in Brasilien einzukaufen, was furchtbar scheiterte. Breno, 2008 geholt und mit 18 schon als kommender Weltklasse-Verteidiger gefeiert, kam in München nie zurecht und landete in Haft, nachdem er, verletzt und vereinsamt, seine Villa in Grünwald in Brand gesetzt hatte. Nach der Entlassung ging er nach Brasilien zurück.

          Von diesem bisherigen Dutzend bayrischer Brasilianer dürfte keiner solch hohe Erwartungen ausgelöst haben, wie sie nun Coutinho begleiten werden. Er bringt jedoch alles mit, sie zu erfüllen und mit den Besonderheiten der Bundesliga zurechtzukommen. Seine Anpassungsfähigkeit hat er vielfach bewiesen. Mit dem Wechsel nach München komplettiert er in seiner Karriere das Quartett der vier größten Fußballligen Europas. Schon mit 18 wechselte er aus seiner Heimatstadt Rio zu Inter Mailand, dann mit 21 weiter zum FC Liverpool. Dort wurde er in fünf Jahren zum Publikumsliebling, ehe ihn der FC Barcelona nach dem Weggang Neymars für 145 Millionen Euro holte. Nun bemüht sich Barca um Neymars Rückkehr und war auch deshalb bereit, Coutinho abzugeben, der den übersteigerten Erwartungen, ein neuer Iniesta zu werden, neben dem alles überstrahlenden Lionel Messi nicht standhalten konnte.

          Einen „Weltstar“ nennt ihn Bayern-Trainer Niko Kovac. „Jetzt ist unser Kader so komplett und so gut aufgestellt, wie wir uns das vorgestellt haben“, sagte Präsident Uli Hoeneß gegenüber „Sky Sport“. Nun könne „der Trainer in aller Ruhe mit diesem Kader bis Weihnachten arbeiten und dann sieht man weiter“. Das Weihnachtsgeschenk ist schon da.

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