https://www.faz.net/-gtm-8yhv8

Tuchel gegen Watzke : Der Scheidungskrieg wird zur Schlammschlacht

Wie alles begann: Hans-Joachim Watzke, Thomas Tuchel und Michael Zorc bei der Vorstellung des Trainers im Juni 2015. Bild: dpa

Tuchel gegen Watzke – auch nach der Trennung geht es weiter. Es ist auch ein Kampf, der über die Medien geführt wird und der nur Verlierer produziert, nicht nur den Trainer und den Geschäftsführer.

          8 Min.

          Thomas Tuchel macht jetzt Urlaub. Alte SIM-Karte raus, neue rein – und dann drei Wochen weg. Das ist der Plan. Ursprünglich waren es nur vierzehn Tage, aber die vergangenen Wochen haben Spuren hinterlassen. In den Sommerferien will der innerhalb von 48 Stunden erst auf dem Siegerbus gefeierte und dann gefeuerte Trainer seine zwei Jahre in Dortmund und die Trennung aufarbeiten. Und über seine Zukunft nachdenken. Der letzte Tag beim BVB, die Entlassung, war noch einmal hart für ihn. Nicht nur die Entlassung an sich, aber auch die, obwohl er das mögliche Ende schon länger kommen sah. Aber zwei Tage vorher war Tuchel noch mit dem DFB-Pokal durch ein jubelndes Dortmund gefahren. Und nun war er weg, rausgeworfen. Ein Trainer, der sich für einen der besten im Land hält und der gewohnt ist, dass die Spieler und die Dinge so laufen, wie er sich das vorstellt. „Entlassen – das musst du dir mal vorstellen“, hat er danach zu seinem Berater gesagt.

          Michael Horeni
          Fußballkorrespondent Europa in Berlin.

          Aber es war nicht nur die Entlassung, die Tuchels Ego zusetzte. Es war auch die Schlussszene, die ihm der Klub bereitete. Der unwürdige Rahmen. Die Stillosigkeit. Es waren auch die Unwahrheiten. So erzählt es Olaf Meinking, der Berater des Trainers. Genau so hätten sie den letzten Tag empfunden, nachdem sie am Dienstag vom BVB aufgefordert worden waren, zum Mannschaftshotel zu fahren, zum Hotel L’Arrivée. Dort, wo im April das wirkliche Drama in Dortmund stattgefunden hatte. Wo es um Leben und Tod ging. Nicht um Egos und Eitelkeiten.

          Als Tuchel mit Meinking am Hotel eintrifft, in dessen unmittelbarer Nähe die Sprengsätze vor dem Spiel gegen Monaco hochgegangen waren, stehen schon Ordnungskräfte des BVB davor. Auch ein Fotograf wartet. Den Hamburger Anwalt, der ansonsten Künstler berät und vertritt, erinnerten die vergangenen Wochen beim BVB immer wieder an Szenen aus „House of Cards“, der amerikanischen Fernsehserie um Macht, Verrat und Intrigen in Washington. Aus diesem Blickwinkel war das dann so etwas wie die letzte Inszenierung des gerissenen Präsidenten Frank Underwood, aber eben nur im Dortmunder Format. „Da wirst du für den Rauswurf genau in das Hotel einbestellt, vor dem der Bus fast explodiert ist“, sagt Meinking kopfschüttelnd. „Gibt es da überhaupt ein Feingefühl für die Situation? Aber vielleicht ist das die Welt des Profifußballs.“

          Borussia Dortmund : BVB und Tuchel trennen sich

          Es ist zumindest das schräge Bild, das Borussia Dortmund abgibt. Ein Verein, der „echte Liebe“ predigt und vermarktet – und bei dem sich die Hauptdarsteller gegenseitig bis zuletzt nur Böses unterstellen. Keine Intrige, die das Tuchel-Lager im Watzke-Lager für unmöglich hält. Kein Satz, den das Watzke-Lager dem Tuchel-Lager noch abnimmt. Und umgekehrt gilt das Gleiche. Bei der Borussia wird in dem beschämenden Scheidungskrieg auch ein Sittengemälde des Profifußballs im Duell zwischen alter und neuer Fußballwelt ansichtig, zwischen einem Patriarchen und einem Nerd, das die Dortmunder Fans kaum ertragen können.

          Und das dem Image des Vereins schweren Schaden zugefügt hat, dem Trainer ebenso wie dem Geschäftsführer. Die Anhängerschaft ist geteilt, durch BVB-Familien geht ein Riss, die Fanforen flippen aus. You’ll never walk alone? Das ist seit dem Anschlag und dem, was der Klub daraus gemacht hat, nur noch ein von der Südtribüne gesungener Witz. Selbst beim Pokalsieg in Berlin sah Watzke mitunter wie versteinert aus. Und Tuchel verrutscht die Körpersprache ohnehin öfter.

          Weitere Themen

          WTA setzt Turniere in China aus Video-Seite öffnen

          Peng Shuai : WTA setzt Turniere in China aus

          Die ehemalige Doppel-Weltranglistenerste hatte einem führenden chinesischen Funktionär sexuelle Nötigung vorgeworfen. Nachdem sie drei Wochen als verschwunden galt, taucht sie latu Videos staatlicher Medien wieder auf Veranstaltungen auf.

          Topmeldungen

          Währungskrise in der Türkei : Inflation frisst Mindestlohn

          Wieder negative Überraschungen aus der Türkei: Die Inflation übersteigt die Erwartungen, Ratingagenturen verlieren das Vertrauen in die Kreditwürdigkeit des Landes, Gewerkschaften klagen über schrumpfende Löhne.