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Sorge um BVB-Profi : Mats Hummels im Vorwärtsdrang

  • -Aktualisiert am

Erst Tore, dann verletzt raus: Mats Hummels in Bielefeld Bild: dpa

Mats Hummels trifft gegen die Arminia doppelt – zieht sich aber eine Verletzung zu. Jetzt bangt Dortmund um den Einsatz des Abwehrchefs im Bundesliga-Gipfel gegen den FC Bayern.

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          Julian Brandt traut Mats Hummels alles zu. „Dem geht’s gut“, sagte er über den zweimaligen Torschützen (53./71. Minute) nach dem Dortmunder 2:0-Sieg über Aufsteiger Arminia Bielefeld am Samstag, „der kriegt das schon hin, der hat gutes Heilfleisch.“ Das einzige Problem: Der stürmische Kollege Brandt ist kein Wunderdoktor, dafür aber ein notorischer Optimist.

          Bundesliga

          Weil der Tabellenzweite der Bundesliga im Champions-League-Auswärtsspiel beim FC Brügge am Mittwoch und mehr noch beim Bundesliga-Gipfel am Samstag daheim gegen den Tabellenführer und Meister FC Bayern München seinen besten Abwehrspieler und bisher zweitbesten Saisontorschützen (drei Treffer) dringend braucht, versuchte sich der in dieser Ligarunde noch torlose Angreifer in der aufbauenden Rolle des Gesundbeters. Bei Hummels, dessen rechter Oberschenkel auf der Bielefelder „Alm“ eine Hauptrolle spielte, stieß er damit auf offene Ohren.

          Wie ein geübter Mediziner beschrieb er seinen einzig schmerzlichen Moment in diesem einseitigen Spiel (86.). „Es hat zugezogen im Oberschenkel. Ich habe zum Glück keinen Stich gespürt, was schon mal ein gutes Zeichen ist“, sagte er in der Vermutung, keinen Muskelfaserriss erlitten zu haben. So ganz ohne war die Szene aber auch nicht, in der Hummels nach einer Abwehraktion mit gestrecktem rechten Bein den Schmerz im hinteren Oberschenkel verspürte. Und deshalb fuhr er in seiner Selbstdiagnose unaufgeregt, wie er zuvor das Spiel an sich gerissen hatte, fort: „Der Oberschenkel ist fest. Da wird man ein paar Tage ranmüssen. Ich hoffe aber, dass ich den Wettlauf gegen die Zeit bis Mittwoch gewinne.“

          Bester Spieler in Bielefeld

          Als Realist und Optimist in einem strahlte der Abwehrchef des BVB auch in den Momenten, da alle Dortmunder etwas erschrocken waren, dass ihr bester Spieler in Bielefeld den Platz verlassen musste; so sieht die Souveränität eines erwachsenen Anführers aus, der mit Blessuren umzugehen weiß und dabei die Hoffnung auf ein rasches Comeback nicht aufgibt. Zumal er sich bei seinem ersten Tor auf seinen rechten Oberschenkel noch verlassen konnte, wo der Ball in einem Augenblick der Bielefelder Desorientierung nach einem Eckstoß von Sancho landete und von dort ins Arminen-Tor weiterbefördert wurde. „Das war Zufall“, beschrieb Hummels seinen ersten Glücksmoment in diesem Spiel, in dem er immerhin die Gabe besessen hatte, zur richtigen Zeit am rechten Ort zu sein. Bei seinem zweiten Treffer bewies der 31 Jahre alte Weltmeister von 2014 wieder einmal die ihm seit langem nachgerühmte Kopfballqualität nach einer Flanke von Reus, die die seit vier Spielen sieg- und punktlosen Bielefelder auf dem falschen Fuß erwischte.

          Hummels, der Unterschiedsspieler an diesem Tag, erledigte an diesem Nachmittag als Abwehrchef den Job des Torschützen gleich auch noch mit. Das traf sich gut, da diesmal der wuchtige Mittelstürmer Erling Haaland mit Knieproblemen passen musste. Also schob sich eben Hummels, der erstmals nach seinen zwei Toren im Januar 2010 beim 3:2 der Dortmunder über den 1. FC Köln wieder zweimal traf, mit der ihm eigenen Selbstverständlichkeit des Handelns auf Platz zwei der vereinsinternen Schützenliste.

          „Es war eine sehr erwachsene Leistung von uns“, lobte er den abgeklärten, wenn auch nicht gerade spektakulären Auftritt seines Teams, das in dieser Saison, von den Ausrutschern in Augsburg (0:2) und bei Lazio Rom (1:3) abgesehen, für Solidität und Verlässlichkeit steht. Lucien Favres aufregendes Künstlerkollektiv von früher scheint mehr und mehr den Gefallen an kreuzsoliden, abgeklärten Auftritten zu finden, bei denen der BVB in dieser eng getakteten Saison seine Abwehrkraft auf ein vorher nicht gekanntes Niveau angehoben hat. Mit gerade mal zwei Gegentoren, weniger als jede andere Bundesliga-Mannschaft, hat es die Borussia vorläufig zu neuer Meisterschaft in der Kunst der Selbstverteidigung gebracht.

          Von den dreizehn bisher zu Buche stehenden Toren entfielen nur sieben auf die Stürmer Haaland (fünf), Reyna und Reus; sechs Treffer wurden den Abwehrkräften Hummels, Passlack, Can und Akanji gutgeschrieben. Das deutet auf den Reifeprozess innerhalb eines Kaders, der ausbalanciert wie lange nicht wirkt und mittlerweile auch den Faktor Geduld in seine Angriffszüge integriert hat. So kam die Borussia in der zurückliegenden Woche gleich zu drei gegentorlosen Arbeitssiegen mit dem 3:0-Erfolg über den FC Schalke 04 im Revierderby, dem 2:0 in der Champions League über die spät weichgeklopften russischen Meister von Zenit St. Petersburg und beim 2:0 in Bielefeld. In diesen Spielen spielten die Dortmunder ihre Gegner jeweils in der ersten Halbzeit müde, ehe sie danach zuschlugen.

          Trainer Lucien Favre, der seinen Spielern seit langem zur Geduld im Spiel rät, ist mit dem innerbetrieblichen Reifeprozess seines Ensembles aus erfahrenen Größen und jugendlichen Aufsteigern sichtlich zufrieden. „Wir haben drei Punkte geholt und gut gespielt“, lobte er den kräfteschonenden, handwerklich überzeugenden Auftritt seiner Profis. Beim Blick auf die anspruchsvolle kommende englische Woche hofft Favre auf Hummels’ Mitwirken, da der BVB in der Innenverteidigung derzeit nicht gerade üppig besetzt ist.

          Akanji ist zwar nach längerer Verletzungspause genesen, doch Can fehlt noch wegen einer Covid-19-Infektion wie auch der langzeitverletzte Zagadou. Notfalls müsste Piszczek an der Seite von Akanji die Abwehrkraft der Borussia stabil halten. Noch aber baut der Trainer auf seinen derzeit besten Mann. „Hummels ist in Topform“, sagte er über den Innenverteidiger und Gelegenheitsangreifer am Samstag, „er ist sehr wichtig für die Mannschaft und trifft jetzt auch noch. Er spielt momentan super.“ Fortsetzung folgt? Aber nur, wenn ihn sein rechter Oberschenkel nicht weiter aufhält in seinem Vorwärtsdrang, der wie beim Münchner Kollegen Thomas Müller auch in Richtung Nationalmannschafts-Comeback deutet.

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