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Borussia Dortmund : Mario Götzes befreiender Abschied

  • -Aktualisiert am

Vor dem Abschied aus Dortmund: Mario Götze spielt wohl nur noch selten wie am Dienstag im Testspiel gegen Lüttich im BVB-Trikot. Bild: dpa

Auf Mario Götze lasten seit jeher hohe Erwartungen. Nun steht er vor dem Abschied vom BVB, der abermals eine Rückholaktion im Rückblick als misslungen bewerten muss. Die Trennung kann für beide Seiten eine Befreiung sein.

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          Gewiss hatte niemand böse Absichten, aber es ist schon eine kleine Grausamkeit, die die Bundesligaprofis Mario Götze angetan haben. Zweimal im Jahr befragt das Magazin „Kicker“ die Fußballspieler der 18 Klubs zu allerlei Themen, und bereits zum dritten Mal wählten sie Götze zum „Absteiger“ einer Saisonhälfte. Einerseits heißt das, der Schöpfer dieses zuckersüßen WM-Momentes im Finale 2014 ist in den Köpfen der Kollegen immer noch ein Spieler, dem große Taten zugetraut werden. Andererseits: Wenn er in den vergangenen Jahren spielen durfte, waren seine Leistungen selten besser als ordentlich.

          Zuletzt wurde Götze vom Dortmunder Trainer Lucien Favre kaum noch eingesetzt, am Dienstag beim Testspiel-0:0 gegen Standard Lüttich stand er in den ersten 45 Minuten auf dem Platz. Da im Sommer mit Thorgan Hazard und Julian Brandt sowie jetzt mit Erling Haaland drei neue Konkurrenten für Götzes Positionen da sind, wird der gestürzte Held seine zweite und eher unglückliche Anstellung beim BVB beenden. Unwidersprochenen Medienberichten zufolge hat der 27 Jahre alte Profi beschlossen, seinen im Sommer endenden Vertrag nicht zu verlängern. Es hatte zwar Gespräche über eine Verlängerung gegeben, aber Götze wäre aus dem Kreis der Topverdiener herausgefallen. Und wahrscheinlich haben alle gespürt, dass es irgendwie nicht mehr richtig passt. Damit endet ein großes Missverständnis.

          Rückholaktionen ohne Erfolg

          Die Dortmunder sind ja getrieben von einer seltsamen Sehnsucht, den Zauber der goldenen Jahre mit Trainer Jürgen Klopp und seinen jungen Helden Götze, Mats Hummels, Lewandowski oder Shinji Kagawa zwischen 2009 und 2013 wiederzubeleben. Jedenfalls folgten sie gleich viermal dem Reflex, Spieler dieser Zeit zurückzuholen, die dann zu groß für den BVB geworden waren: Götze, Nuri Sahin, Kagawa und zuletzt Hummels. Ein echter Erfolg ist keiner dieser Retro-Transfers geworden, nur im Fall von Hummels ist das noch möglich. Rückblickend deutet vieles darauf hin, dass dieser Aspekt der ansonsten brillanten Transferpolitik nicht besonders gut funktionierte. Weil die Helden von einst bei der Entwicklung von etwas Neuem im Weg stehen. Weil sie stets an dieser besonderen Zeit mit den beiden Meistertiteln und dem Double gemessen wurden. Und weil sie sich selbst nach diesen Zuständen zurücksehnten und damit nicht frei für Neues waren.

          Götze ist das beste Beispiel. Seit Jahren scheitert er am Versuch, wieder dieser leichtfüßige Fußballer zu werden, der er als Teenager war. Nun wäre sein Abschied nicht nur für ihn eine Chance für einen Neubeginn auf einem anderen Niveau: Hertha BSC und Inter Mailand sollen interessiert sein. Wichtiger für Borussia Dortmund wäre jedoch, dass ein Frustrierter, der allein aufgrund seiner Prominenz Raum in Anspruch nimmt, der Einfluss auf die Stimmung hat, Platz für neue Impulse freimachte. Es wäre klug, einen Wechsel noch im Winter zu forcieren. Denn die Chancen, dass die im Herbst so schwermütige Atmosphäre beim BVB einer freudvollen Zuversicht weicht, würde deutlich steigen, sollten nach Julian Weigl mit Götze und vielleicht Paco Alcácer weitere Unzufriedene den Klub noch im Winter verlassen.

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