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Fußball-Bundesliga : Dortmunder Frust in Wolfsburg – Sorge um Reus

  • -Aktualisiert am

Diesmal traf er nicht: BVB-Youngster Youssoufa Moukoko in Wolfsburg Bild: EPA

Dreimal in Serie gewann der BVB zuletzt in der Liga, beim VfL gibt es nun allerdings eine Niederlage – es ist schon die fünfte in dieser Saison. Kapitän Marco Reus ist gar nicht erst mit dabei.

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          Mit dem Schlusspfiff sank Jude Bellingham zu Boden. Seine Hände schlug er vor das Gesicht. Der Ausnahmekönner im Team von Borussia Dortmund war bestimmt ein wenig entkräftet, vor allem aber sehr enttäuscht. Nach guten Auftritten in Serie mussten sich Bellingham und seine Teamkollegen mit 0:2 beim starken VfL Wolfsburg geschlagen geben. Dem frühen Rückstand durch ein Kopfballtor von Micky van de Ven, das Dortmunds Verteidiger Nico Schlotterbeck nach sechs Minuten unfreiwillig begünstigt hatte, war der Gast fast das gesamte Spiel über hinterhergelaufen. Die Dortmunder zeigten an diesem 14. Spieltag der Bundesliga lange Zeit den schöneren Fußball. Doch der Sieg ging an den willensstarken VfL Wolfsburg, für den Lukas Nmecha in der Nachspielzeit das 2:0 erzielte.

          Bundesliga

          Die Partie in Wolfsburg diente als finales Schaulaufen mit Blick auf die Weltmeisterschaft in Qatar. Wenn Bundestrainer Hansi Flick an diesem Donnerstag seinen WM-Kader bekanntgibt, hoffen unter anderem Akteure wie die Wolfsburger Maximilian Arnold, Ridle Baku und Lukas Nmecha auf einen Platz in der Nationalmannschaft. Vor allem VfL-Kapitän Arnold leidet seit Jahren darunter, im DFB-Team nicht zur ersten Wahl zu gehören.

          Entsprechend groß war das Bedürfnis, sich im Duell mit den Dortmundern und deren potenziellen WM-Teilnehmer noch einmal von einer guten Seite zu zeigen. Das gelang in Halbzeit eins auch. Denn die Wolfsburger gaben lange Zeit den Ton an und hatten eine Vielzahl an Torchancen. Erst nach rund 30 Minuten waren die favorisierten Dortmunder in Schwung gekommen und nahmen die Herausforderung mit Elan an.

          BVB lieber vor als zurück

          Das Kräftemessen zwischen dem VfL Wolfsburg und Borussia Dortmund machte vor allem deshalb großen Spaß, weil die Spielstrategien der beiden Mannschaften sehr unterschiedlich sind. Unter der Anleitung von Cheftrainer Niko Kovac werden in Wolfsburg viel Ballbesitz, ein kontrollierter Spielaufbau und beherzte Zweikämpfe bevorzugt. Die Dortmunder setzten diesem Ansatz nach einem leicht lethargischen Beginn ihr gewohnt schwungvolles Anrennen und Kombinieren entgegen.

          Lieber vor als zurück: Was der früh in Rückstand geratene BVB zeigte, war schön anzusehen. Es fehlte lediglich an der nötigen Konsequenz und konkreten Torgefahr. „Wir haben eigentlich ein gutes Spiel gemacht. Aber es lag an der Chancenauswertung“, meinte Dortmunds Torhüter Gregor Kobel. Vor ihm war vor allem eines misslungen. Einen lauernden Mittelstürmer wie Youssoufa Moukoko in Szene zu setzen, ist gar nicht so einfach. Der 17 Jahre alte Profi, für den sich Bundestrainer Flick interessiert, nimmt nicht immer aktiv am Spielgeschehen teil. In Wolfsburg wartete Moukoko viel ab, agierte wenig, kam trotzdem zu Torschüssen und blieb ohne krönenden Abschluss.

          Wolfsburgs Torschütze Micky van de Ven (l.) jubelt über sein 1:0 gegen den BVB.
          Wolfsburgs Torschütze Micky van de Ven (l.) jubelt über sein 1:0 gegen den BVB. : Bild: EPA

          Falls der Bundestrainer Zeit hatte, sich das Duell zwischen Grün und Gelb vor 28.675 Zuschauern genau anzusehen: Ein Dortmunder Spieler schaffte es auf besondere Art, sich in Szene zu setzen. Niklas Süle ist eigentlich mit seiner Übersicht und Körperwucht für den Job des Innenverteidigers prädestiniert. Aber auf Wunsch von BVB-Trainer Edin Terzic darf sich Süle zuweilen als rechter Außenverteidiger beweisen. Diesen Part spielt er richtig gut. Mit Blick auf gehobene Aufgaben zum Beispiel in der Nationalmannschaft bleibt allerdings offen, ob Süle genügend Tempo für ein flottes Anrennen über den Flügel mitbringt. Dem stürmischen Verteidiger gelang kurz vor der Halbzeitpause immerhin ein Pfostentreffer. Auch das war einer der vielen Momente, in denen die Dortmunder ihre Dominanz nicht in etwas Zählbares umwandeln konnten.

          Dem Dortmunder Anrennen in der Schlussphase, bei dem Moukoko im Angriff vom eingewechselten Anthony Modeste assistiert wurde, fehlte ein zwingender Moment im Abschluss. Es wurde viel versucht und getrickst. Der geniale Passgeber fehlte. Und das hatte nicht nur damit zu tun, dass der am Sprunggelenk verletzte Marco Reus nach seinem zwischenzeitlichen Comeback am vergangenen Wochenende erst gar nicht mit nach Wolfsburg gereist war. Der Borussia mangelte es an einem Häuptling, der die entscheidende Richtung vorgab und das letzte Worte vor dem gegnerischen Tor hätte sprechen können.

          Er habe „natürlich“ das Gefühl, dass Reus unbedingt mit zur WM in Qatar wolle, hatte BVB-Trainer Terzic vor dem Spiel gesagt. „Wir sehen, wie hart er arbeitet, wie er für sein Comeback hart gearbeitet und geschuftet hat. Leider wurde er jetzt immer wieder zurückgeworfen und die Schmerzen wurden immer wieder größer.“

          Was auch immer die Dortmunder anstellten: Ihnen stellte sich auf den letzten Metern ein Bein in den Weg. Der VfL Wolfsburg brachte seinen Vorsprung mit Willen und Leidenschaft sowie ein wenig Zeitschinderei des starken Torhüters Koen Casteels über die Runden. Acht Pflichtspiele nacheinander haben die Wolfsburger nicht mehr verloren. Sie wurden am Ende dafür belohnt, sich nicht nur einzuigeln, sondern immer wieder gezielt vorzustoßen. Der Treffer in der Nachspielzeit, den Nmecha zum entscheidenden 2:0 erzielte, war der verdiente Lohn für einen mutigen Auftritt.

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