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BVB-Rückkehrer Kagawa : Schmale Schultern, schwere Last

  • -Aktualisiert am

Nichts für die lange Bank: Shinji Kagawa wird sofort im Dortmunder Mittelfeld gebraucht. Bild: Reuters

Die Dortmunder Verletztenliste wird länger und länger - da kommt Shinji Kagawa gerade zur rechten Zeit. Der Verein und die Fans zählen darauf dass er an alte Zeiten anknüpft.

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          Zur Abwechslung hatte Borussia Dortmund am Dienstag mal wieder etwas Positives zu vermelden. Der Fußball-Bundesligaklub gab bekannt, dass alle Aktien der beiden jüngst beschlossenen Kapitalerhöhungen plaziert sind. Dem BVB fließt also ein Brutto-Emissionserlös von insgesamt 140,7 Millionen Euro zu. Hans-Joachim Watzke, der Vorsitzende der Geschäftsführung, sieht darin ein „langfristig stabiles Fundament“ für die Wachstumspolitik des Vereins.

          Allerdings wird den Borussen in diesen Tagen auch wieder bewusst, dass Geld allein nicht glücklich macht, vor allem, wenn es um die Gesundheit nicht gut bestellt ist. Die Dortmunder Liste von Verletzten hat sich in der Länderspielwoche abermals verlängert. Zuletzt kam auch noch Ciro Immobile hinzu. Der neue Stürmer, für 18 Millionen Euro Ablöse aus Turin gekommen, erlitt bei der Partie zwischen Italien und Norwegen eine Hüftprellung und konnte sich zunächst kaum bewegen. Dennoch scheint die Blessur nicht allzu schwerwiegend zu sein, wie am Tag darauf zu hören war.

          Schlimmer traf es Marco Reus. Der deutsche Nationalspieler hatte sich in der EM-Qualifikation gegen Schottland an seinem vorgeschädigten linken Knöchel verletzt und fällt mindestens vier Wochen aus. In dieser Zeit verpasst Reus fünf Begegnungen in der Bundesliga sowie die Champions-League-Spiele gegen Arsenal London und den RSC Anderlecht.

          Shinji Kagawa spielt auf Reuß' Position

          Auch andere Stammkräfte wie Mats Hummels, Ilkay Gündogan, Nuri Sahin, Oliver Kirch und Jakub Blaszczykowski, die schon länger ausfallen, stehen bis auf weiteres nicht zur Verfügung - am Mittwoch ließ Blaszczykowski wissen, dass er wegen einer Muskelverletzung im Oberschenkel vier weitere Wochen pausieren muss. „Unsere Personalsituation ist angespannt“, sagt Sportdirektor Michael Zorc.

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          Marco Reus, erst seit kurzem von einer anderen Verletzung am Sprunggelenk genesen, hatte gerade begonnen, sich auf der Position im zentralen offensiven Mittelfeld wieder neu einzuarbeiten. Die ersten Eindrücke waren zum Teil vielversprechend. Doch nun muss Trainer Jürgen Klopp abermals umstellen. Der Ausfall von Reus trifft die Mannschaft hart, aber nicht ganz so schwer, wie es noch vor einigen Wochen oder Monaten der Fall gewesen wäre.

          Kurz vor dem Ende der Transferperiode ist es Borussia Dortmund gelungen, Shinji Kagawa von Manchester United zurück ins Ruhrgebiet zu lotsen, gegen eine Ablöse von etwa acht Millionen Euro, wie es heißt. Der japanische Mittelfeldstratege kennt sich aus, im Verein wie auf der vakanten Position. „Gut, dass Shinji Kagawa auf der Position von Marco schon gespielt hat“, sagt Zorc.

          Hat der BVB das stärkste Mittelfeld der Liga?

          Die Rückkehr des technisch und taktisch versierten Asiaten hat in Dortmund vom ersten Tag an Hoffnung und Phantasie geweckt. Schon am ersten Tag, während der medizinischen Untersuchung, belagerten viele Fans das Knappschaftskrankenhaus, um einen Blick auf den neuen und alten Publikumsliebling zu erhaschen. Die Zuversicht, ja Begeisterung, gründet sich auch auf Zahlen wie diese: In seinen ersten zwei Dortmunder Jahren hatte Kagawa in 71 Pflichtspielen 29 Tore erzielt und 16 vorbereitet. Und Geschäftsführer Watzke ist sich sicher, dass er „nichts verlernt hat“.

          Falls es noch eines Grundes für den Rückkauf Kagawas bedurft hätte, hat die Verletzung von Marco Reus ihn geliefert. Mancher mag sich gefragt haben, ob Dortmund eine weitere Fachkraft für das zentrale Mittelfeld benötigt - neben Reus und Henrich Mchitarjan, der auf die rechte Seite verschoben wurde und dort gut zurechtkommt. „Wir sind jetzt doppelt froh, dass wir uns für diesen Transfer entschieden haben“, sagt Zorc.

          Die Verpflichtung Kagawas sei nicht darauf ausgerichtet gewesen, auf Verletzungen reagieren zu können. „Wir wollten Qualität hinzugewinnen und nicht etwas anderes ausgleichen.“ Mit anderen Worten: Es war geplant, dass Reus, Kagawa und Mchitarjan ihre Kreativität gemeinsam bündeln und im Idealfall das stärkste offensive Mittelfeld der Liga bilden sollten.

          Nach 13 Minuten das erste Tor

          Irgendwann könnte dann auch noch Gündogan hinzukommen, der wegen eines komplizierten Rückenleidens seit mehr als einem Jahr ausfällt, inzwischen aber wieder mit der Mannschaft trainiert und einem Comeback ein wenig näher zu kommen scheint; bei einem gemischten Trainingsspiel mit der eigenen U 23 reichte es jüngst immerhin für siebzig Minuten. Vorerst bleibt es aber bei einem japanisch-armenischen Zusammenwirken.

          Kagawa hat nicht viel Zeit, die Updates zu verarbeiten, die das BVB-Spiel seit seinem Weggang erhalten hat. Andererseits kommt es ihm zugute, dass er den Verein und manche seiner Kollegen noch kennt. Mit einigen war er auch während seiner Zeit in England in Kontakt geblieben. Der Japaner scheint gerüstet für seinen Dortmunder Neustart. Bei Manchester United hatte er die komplette Saisonvorbereitung absolviert, im Training hinterließ er zuletzt einen guten Eindruck, und bei jenem internen Testspiel trat er nach dreizehn Minuten auch schon als Torschütze in Erscheinung.

          Der Treffer hat ihn offenbar ermutigt. Routinier Sebastian Kehl jedenfalls hat Kagawa eine gewisse „Erleichterung angesehen“. Auch Zorc ist mit den ersten Eindrücken zufrieden. „Shinji wirkt so quirlig und wendig, wie wir ihn kennen“, sagt er. Der Sportdirektor warnt aber auch davor, die schmalen Schultern des Neuankömmlings zu früh mit allzu schwerer Last zu beladen. „Er kann nicht sofort der Heilsbringer sein.“

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