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BVB-Geschäftsführer Watzke im Gespräch : „Unser Werk wird nie vollbracht sein“

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Das wäre für die Kultur von Borussia Dortmund eher ungewöhnlich. Wenn unzufriedene Spieler in einem Klub aber merken, dass es zwischen den entscheidenden Leuten einen Haarriss gibt, dann schaffen auch sie es, mit Hilfe von Beratern und Medien aus dem Haarriss in kurzer Zeit eine Schlucht zu machen.

Wie viele Schluchten sehen Sie in der Bundesliga?

Jede Menge. Unsere Branche ist sehr von Eitelkeiten geprägt. Ich erlebe unsere Situation mit Jürgen Klopp, Michael Zorc und Reinhard Rauball daher als großes Privileg und als Ausnahme. Ich habe es auch bei Borussia Dortmund schon anders erlebt.

Klingt, als hätten Sie den einfachsten Job der Welt.

Ich habe den besten Job der Welt - aber nur, wenn man es sportlich und wirtschaftlich hinkriegt. Aber wenn das mal nicht so ist, habe ich das Gefühl, es ist der Job mit dem größten Druck der Welt. Vor dem Saisonauftakt gegen Bremen bin ich nachmittags nach Hause, habe mich ein paar Stunden hingelegt und die Anstoßzeit herbeigesehnt. Wenn man sich emotional nicht total reinbegibt in so eine Sache, dann kann man sie auch nicht gut machen. Der Druck, den wir uns selbst machen, ist natürlich der größte - und wir drei haben alle die gleiche Schwäche: Wir können nicht verlieren. Ich bin derjenige, der es im Gegensatz zum Trainer aber nicht so rauslassen kann. Da baut sich bei mir ein Überdruck auf der Tribüne auf, der schwer auszuhalten ist.

Gegenseitiges Vertrauen: Watzke erwartet eine lange Zusammenarbeit mit Trainer Klopp (Foto)

Klopp versteht es, sich seit Jahren weiterzuentwickeln und auch zu vermarkten. Haben Sie den kommenden Bundestrainer in Ihren Reihen - oder doch eher einen Typus wie Ferguson, Rehhagel oder Schaaf?

Jürgen kann genau dann seine ganze Kraft entfalten, wenn er totales Vertrauen spürt - und das gelingt auch ihm nicht überall. Jürgen ist es wichtig, dass er Teil einer Entwicklung ist, die er selbst mitgeschaffen hat. Da geht es auch, aber nicht nur um Titel. Er will in den gesamten Verein eingebunden sein und an der Prozesssteuerung teilnehmen. Deshalb fühlt er sich immer nur in langfristigen Prozessen wohl. Das hat auch etwas mit Lebensqualität zu tun, wenn man in einer positiven Gemeinschaft versucht, seine Ziele zu erreichen - und man nicht zusätzlich zwanzig Prozent seiner Energie reinstecken muss, weil man sich ständig in Konflikten befindet. Er hat beim BVB mehr erreicht, als man sich vorstellen kann. Es gibt doch in Deutschland keine zehn Leute, die bekannter und beliebter sind als Jürgen. Das ist vielleicht noch nicht ganz auf dem Niveau von Angela Merkel, aber der Hype ist nicht mehr weit davon entfernt. Wäre er aber vor vier Jahren zu Bayern gegangen, wäre er dort der vierzigste Trainer gewesen, der einen Titel holt. Das hat ja jeder geschafft, der sich zwei, drei Jahre bei Bayern gehalten hat. Bei uns ist das schon eine ganz andere Sache. Und es gilt: Jürgen bestimmt die Länge seiner Tätigkeit in Dortmund nahezu selbst - zumindest solange Michael Zorc und ich hier etwas zu sagen haben.

Wann ist das Werk vollendet: Mit einem Sieg in der Champions League oder wenn der BVB in diesem Jahrzehnt mehr Meistertitel holt als die Bayern?

Unser Werk wird nie vollbracht sein. Es geht für uns immer weiter, weil der BVB für uns keine Attitüde ist. Wenn wir drei irgendwann nicht mehr in Amt und Würden sind, dann wird die Borussia weiter ein zentraler Bestandteil in unserem Leben sein. Die BVB-Community auf Jahre hinaus glücklich zu machen - darum geht es. Und das ist eine Aufgabe, die weit über unsere Amtszeit hinausreicht.

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