https://www.faz.net/-gtm-72l7n

BVB-Geschäftsführer Watzke im Gespräch : „Unser Werk wird nie vollbracht sein“

  • Aktualisiert am

Wir jedenfalls nicht. Von den letzten sechs Spielen haben wir fünf ohne große Worte gewonnen. Die heutige Spielergeneration belustigt sich über mediale Hahnenkämpfe. Nach Mönchengladbach in den siebziger Jahren gab es aber auch keine Mannschaft mehr, die die Qualität besaß, den Bayern sportlich über Jahre entgegenzutreten. Ich bin sicher, dass sie ihre Titel auch ohne Verbalkämpfe gewonnen hätten.

Als Meister des Understatements haben Sie trotzdem hohe Ambitionen - welche Grenzen setzen Sie sich?

Keine. Warum sollten wir? Wir haben eine realistische Erwartungshaltung - aber in der Zielerreichung setzen wir uns keine Grenzen. Ich habe gelesen, und das glaube ich auch, dass Frustration oft aus einer übersteigerten Erwartungshaltung resultiert. Die Gleichung ist ganz einfach: Frustration ist Erwartungshaltung minus Realität.

Meister des Understatements: Watzke sieht „seinen“ BVB längst nicht auf Augenhöhe mit den Bayern

Kommt jetzt die schwierigste Phase der Dortmunder Aufstiegsgeschichte: Erfolge auf internationalem und gleichzeitig nationalem Niveau?

Wir sind gerade im fünften Kapitel: Das erste hieß Überlebenskampf, das zweite Restrukturierung, das dritte Erarbeitung einer sportlichen Philosophie, das vierte praktische Umsetzung - das haben wir auch hingekriegt, theoretisch schaffen das nämlich viele. Und das fünfte Kapitel heißt: Nachhaltigkeit.

Was verstehen Sie darunter?

Nachhaltigkeit heißt nicht, dass wir jetzt noch drei Mal Meister werden müssen. Aber in den nächsten fünf bis zehn Jahren wollen wir international überwiegend vertreten sein, oft auch in der Champions League - und das alles vor dem Hintergrund einer finanziell extrem konservativen Unternehmensführung. Auf dem Weg zum Double haben wir nicht nur keinen einzigen Euro Schulden gemacht, sondern 150 Millionen Euro zurückgeführt. Das ist die eigentliche Leistung von Borussia Dortmund. Eine Meisterschaft unter dem brachialen Einsatz aller finanziellen Möglichkeiten, das geht mal. Unser Weg ist da schon etwas schwieriger, und den werden wir nicht verlassen. Denn der Weg, immer mehr auszugeben als einzunehmen, ist der Weg, der ganz Europa in dieses Desaster geführt hat. Vor fünf Jahren haben mich alle für bekloppt erklärt, als ich gesagt habe, es geht auch anders. Dieser Kreis ist nun kleiner geworden.

Ihr Konzept lautet also: Immer reicher und immer erfolgreicher?

Immer erfolgreicher ist derzeit relativ schwierig, wir haben ja nur noch in der Champions League Luft nach oben. Es geht auch nicht darum, reich oder stinkreich zu werden - wir wollen unsere wirtschaftliche Basis vergrößern und den Erfolg verstetigen. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Stört oder hilft die Champions League dabei - die Bayern hoffen ja, dass Ihnen die Puste ausgehen könnte, wenn es der BVB in die K.-o.-Runde schafft?

Weitere Themen

Emotionaler Abschied von Uli Hoeneß Video-Seite öffnen

„Ich habe fertig“ : Emotionaler Abschied von Uli Hoeneß

Seit 1970 war Hoeneß als Spieler, Manager oder Präsident beim FC Bayern tätig und wurde in dieser Zeit zu einer polarisierenden Persönlichkeit des deutschen und internationalen Fußballs. Am Freitag war es für den Weltmeister von 1974 an der Zeit, zu gehen.

Topmeldungen

Eine Demonstrantin ruht sich auf dem Campus der Hong Kong Polytechnic Universität aus.

Proteste gegen China : Eskalation an Universität in Hongkong

Nach schweren Zusammenstößen an der Polytechnischen Universität stehen Hongkong neue Auseinandersetzungen bevor. Demonstranten wird Brandstiftung vorgeworfen. Anführer Joshua Wong verteidigt die Gewalt der Demonstranten.

Formel 1 in Brasilien : Ferrari flucht

Verrücktes Finale beim Formel-1-Rennen in São Paulo: Die beiden Ferrari-Piloten schießen sich gegenseitig ab und scheiden nach der Kollision aus. Der Zoff der Stallrivalen bei der Scuderia eskaliert endgültig.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.