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Watzke über Hoeneß-Rücktritt : „Man hört viel – auch viel Blödsinn“

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„Wir versuchen es“: Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke zu den Titelambitionen Bild: EPA

Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke mag nicht so recht an einen Rückzug von Bayern-Präsident Uli Hoeneß glauben. Zudem spricht er über den Hintergrund der forschen Töne im Titelkampf und die Hierarchie mit Mats Hummels.

          Borussia Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke kann sich mit dem Gedanken an einen Rückzug des Münchner Präsidenten Uli Hoeneß noch nicht anfreunden. „Es gab ja schon über Wochen und Monate Gerüchte. Man hört viel, aber auch viel Blödsinn. Ich glaube es bis heute noch nicht“, sagte der 60 Jahre alte Chef des Tabellenführers der Fußball-Bundesliga am Montag in der Sendung „Wontorra On Tour“ im Sender Sky Sport News HD. „Meines Wissens hat der Uli Hoeneß das noch nicht gesagt.“ Auch beim Essen am Rande des Supercup-Spiels vor gut zwei Wochen habe er, „mit keiner einzigen Silbe gesagt, dass er zurücktritt“.

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          Am Rande des FC Bayern Charity Golf Cups auf Gut Rieden sagte Hoeneß am Wochenende laut „Bild“: „Ich bleibe im Aufsichtsrat. Den Vorsitz gebe ich aber mit dem Amt des Präsidenten zurück, wenn es soweit ist.“ Der 67-Jährige will damit zumindest einfaches Mitglied im Kontrollgremium bleiben. Zum möglichen Zeitpunkt äußerte er sich aber nicht. Dem „Kicker“ hatte Hoeneß zuletzt gesagt, dass er den Aufsichtsrat am 29. August über seine Pläne informieren werde.

          Watzke betonte die Dortmunder Ambitionen auf die deutsche Fußball-Meisterschaft noch einmal. „Wir versuchen es. Ich bin davon überzeugt, dass wir eine Chance haben“, sagte er und unterstrich, dass auch Trainer Lucien Favre den Angriff auf den Titel und damit auf Rekordmeister FC Bayern München will. „Ja, absolut. Lucien ist ein vorsichtiger, sachlicher, analytischer Typ. Er tut sich schwer, das mit aller Vehemenz zu sagen. Aber auch er steht voll dahinter.“

          In der vergangenen Saison hatten die Dortmunder trotz zwischenzeitlichen Vorsprungs von neun Punkten auf den Rekordmeister auf eine Meister-Ansage verzichtet. „Damals hatte ich das Gefühl, dass wir in der gesamten Entwicklung des Vereins noch nicht so weit waren, aufgrund der Saison davor“, sagte Watzke. Nach der vergangenen Saison hätten die Verantwortlichen des BVB zusammengesessen und das Thema diskutiert „und da hatte ich das Gefühl, dass alle, inklusive Trainer, das gut fanden und auch die Mannschaft das mittlerweile geschlossen gut findet.“

          Für den 61-Jährigen wäre in der vergangenen Saison nach dem Sieg zum Rückrundenauftakt in Leipzig (1:0) der passende Zeitpunkt für eine offensive Kommunikation gewesen. „Aber es nützt nichts, wenn du das von oben herab vorgibst. Ich kann mich natürlich da hinstellen und das  verkünden, aber ich mache das gerne, wenn ich das Gefühl habe, dass auch alle dazu stehen", sagte Watzke.

          Watzke weiß um die Gefahr der forschen Töne: „Ich weiß auch, dass du damit das Risiko erhöhst, was auf die Nuss zu bekommen, wenn es nicht klappt.“ Mit Blick auf die Münchner sagte der BVB-Chef: „Bayern hat eine starke Mannschaft und sie werden jetzt noch stärker. Fakt ist, dass der Transfer von Coutinho der Bundesliga gut tut. Das ist ein außergewöhnlicher Spieler. Auch Ivan Perisic, der bei uns war, ist ein sehr starker Spieler.“ Dortmund sei der Herausforderer. „Bayern München ist wie ein 8000er. Wenn du vor so einem stehst, da hoch willst und glaubst, dass beim Aufstieg alles glatt geht, dann hast du nicht alle Frühwarnsysteme an.“

          Watzke betonte: „Ich habe keine Angst vor Bayern München, aber ich habe Respekt davor, was sie dort in den letzten Jahrzehnten geleistet haben.“ Insbesondere Robert Lewandowski und Manuel Neuer hob er hervor: „Sie haben den besten Mittelstürmer der Welt und einen der besten Torhüter der Welt.“ Auch wenn er meint, dass München und Dortmund der Bundesliga-Konkurrenz ein Stück voraus sind, sieht Watzke weitere ambitionierte Klubs: „Ich denke dabei vor allem an Leipzig.“

          Nationalspieler Marco Reus bleibt auch nach der Rückkehr von Mats Hummels die Führungsfigur in Dortmund. „Der Boss der Mannschaft ist Marco Reus“, unterstrich Watzke. „Es stand außer Frage, dass Marco Kapitän bleibt.“ Für den nach drei Jahren vom FC Bayern wieder ins Ruhrgebiet gewechselte frühere Spielführer Hummels war laut Watzke „klar, dass er die Führungsrolle von Marco anerkennt“. Im Saison-Auftaktspiel gegen den FC Augsburg (5:1) hatte Hummels am Samstag die Kapitänsbinde von Reus bei dessen Auswechslung kurz vor Schluss übernommen. Eigentlich wäre Lukasz Piszczek als erster Vertreter des BVB-Spielführers an der Reihe gewesen, doch der war zu dem Zeitpunkt nicht mehr auf dem Platz.

          Über Hummels sagte Watzke: „Er wird jetzt sukzessive noch stärker. Gegen Augsburg hat man seine Stärken schon gesehen, und er hat viele davon.“ Der BVB-Chef hält auch eine Rückkehr des von Bundestrainer Joachim Löw ausgemusterten Hummels in die Nationalmannschaft für möglich: „Was Löw bewegt hat, weiß ich bis heute nicht so genau. Ich denke aber, wenn ich das richtig verfolgt habe, dass es kein endgültiger Abschied sein muss.“

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