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BVB nach Sieg gegen Frankfurt : Leise Feier mit großer Symbolkraft

Ein Sieg der Mannschaft: Borussia Dortmund demonstriert Einigkeit. Bild: AFP

Borussia Dortmund stimmt sich ein auf die entscheidenden Wochen der Saison: Gegen Eintracht Frankfurt findet das Team endlich zu mehr Stabilität nach Wochen mit großen Schwankungen. Die Fans quittieren die Verbesserungen mit Zurückhaltung.

  • -Aktualisiert am
          3 Min.

          Die Dortmunder Südtribüne hat schon häufig ihr feines Gespür für die wichtigen Momente einer Fußballsaison unter Beweis gestellt, und so stimmte sie nach dem beeindruckenden 4:0 gegen Eintracht Frankfurt kein euphorisches Lied der ausgelassenen Freude an. Gesungen wurde der BVB-Walzer. Statt wie nach den meisten Siegen fröhlich durch den Strafraum zu hüpfen, stand das Team Arm in Arm als Einheit vor der gelben Wand und schunkelte. Roman Bürki räumte etwas später ein, dass diese Performance „nicht so harmonisch“ gewesen sei, wie die Mannschaftsleistung zuvor, aber dafür besaß die kleine Feier eine große Symbolkraft.

          Die Mannschaft hatte zuvor kein Feuerwerk der individuellen Fußballkunst abgebrannt, das große Motiv dieser Partie war die defensive Stabilität. Das Team habe „auf allen Positionen konzentriert und engagiert“ gespielt, sagte Mats Hummels. „Das war kein zu Null der der Abwehr, sondern ein zu Null der Mannschaft.“ Die Einheit der Gruppe beim Walzerfest passte also bestens, und wer wollte, konnte auch in der Melodie der Gesänge eine Botschaft sehen: Das war nur ein Spiel, mehr Euphorie gibt es erst wieder, wenn die Fortschritte in einen dauerhaften Zustand übergehen.

          Bundesliga

          Tatsächlich hatten die Dortmunder mit einer anderen Grundhaltung agiert als in den Partien der jüngeren Vergangenheit. Sie hatten keinen einzigen Schuss der Frankfurter auf ihr Tor zugelassen, lediglich einen Versuch, der weit vorbei flog, hatten die Gäste zu Stande gebracht. Das ganze Kollektiv hatte nach Ballverlusten mit hoher Intensität in den Defensivmodus umgeschaltet. „Wenn wir das als Mannschaft alle zusammen so verteidigen, dann kann das hier noch ganz groß werden“, sagte Emre Can nach seinem ersten Heimspiel als Profi von Borussia Dortmund.

          Der Winterzugang war beeindruckt von der Leistung und hatte selbst viel zur veränderten Statik des Spiels beigetragen. Can agierte sehr robust, war präsent, Trainer Lucien Favre geriet geradezu ins Schwärmen, als er auf den Mittelfeldspieler angesprochen wurde: „Er kämpft, er geht in den Zweikampf, um den Zweikampf zu gewinnen“. Entweder gelinge ihm eine „Balleroberung oder der andere kann nicht weiter. Er spricht auch mit den anderen das ist sehr, sehr wichtig.“

          Freude über Risikomanagement

          Zwar schossen die Dortmunder wieder vier teilweise wunderschön herausgespielte Tore, in den fünf Partien nach der Winterpause sind dem BVB damit bereits 22 Treffer gelungen. Aber Elemente wie Übermut, Risikofreude in Räumen, wo sich Risiko nicht lohnt, und jugendlichen Leichtsinn haben sie erfolgreich eliminiert. Als „geduldig“ beschrieb der Routinier Lukasz Piszczek den Auftritt und Hummels sagte: „Bei unserer Qualität in der Offensive müssen wir gar nicht voll ins Risiko gehen vorne, um Chancen zu haben“.

          Am Ende freuten die Dortmunder sich über einen Abend mit dem Potenzial einmal als jener Moment in die Dortmunder Saisongeschichte einzugehen, in dem die Erkenntnis reifte, dass auch sehr kontrollierte Auftritte zu hohen Siegen führen können. Wobei es noch weitere Faktoren im Optimierungsprozess gibt: Die Reife Piszczeks, der für den seit Wochen formschwachen Manuel Akanji ins Team kam, zum Beispiel. Oder die Robustheit Cans. Und die körperliche Präsenz des fleißigen Erling Haaland, der bei hohem Tempo mitunter an technische Grenzen stieß, dafür aber als körperlich präsenter Fleißarbeiter immer wieder effizient den Spielaufbau der Frankfurter erschwerte.

          Unklar ist allerdings, wie nachhaltig die Verbesserungen sind. „Letztes Wochenende, das war uns eine Lehre“, sagte Bürki in Anspielung auf das wilde 3:4 bei Bayern Leverkusen, als die Mannschaft nicht in der Lage war, das Spiel trotz zweimaliger Führung zu beruhigen und zu kontrollieren. „Der Trainer hat uns sehr gut vorbereitet, er hat uns vor dem Spiel genau gesagt, wie wir vorne anlaufen sollen, wie wir vorne pressen sollen“, berichtete Can. Womöglich war dieser Aspekt zuletzt etwas zu kurz gekommen in der Alltagsarbeit beim BVB.

          Wenn die Dortmunder sich einen idealen Prolog für das große Duell gegen Paris Saint-Germain am kommenden Dienstag hätten malen können, hätte der ziemlich genau so ausgesehen wie dieser Abend. Das Selbstvertrauen ist gestärkt, das Ensemble hat die Erfahrung gemacht, dass es auch ohne maximales Risiko zu Chancen kommt. und dass eine kollektive Defensivarbeit alles leichter macht. „Das ist wie im Leben“, sagte Piszczek, „man kann nicht aufhören, weiter zu arbeiten.“

          Zumindest für diesen Moment wirkte das in den vergangenen Monaten oftmals rätselhafte Spiel von Borussia Dortmund genauso verblüffend einfach und schlüssig, wie der Sinnspruch des polnischen Routiniers.

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