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BVB-Stürmer im Fokus : Ist Haaland sogar besser als Lewandowski?

  • Aktualisiert am

Wirbelt für Borussia Dortmund im Angriff: Erling Haaland Bild: AFP

Erling Haaland ist für Borussia Dortmund schon im Alter von erst 20 Jahren enorm wichtig geworden. Vor dem Finale um den deutschen Supercup gegen den FC Bayern München stellt sich nun eine Frage.

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          Selbst für einen so beharrlichen Selbstoptimierer wie Erling Haaland gibt es Grenzen. Bei aller Liebe: Er springe schon sehr häufig in die Eistonne, um auch noch die „letzten Prozentpunkte“ aus sich herauszukitzeln, sagt der norwegische Stürmer von Borussia Dortmund: „Aber nicht mitten in der Nacht.“ Das wäre ja vollkommen verrückt.

          Dennoch setzte der 20-Jährige, zweifellos ein enormes Talent, selbstverständlich auch in den Tagen vor dem Supercup bei Bayern München am Mittwoch (20.30 Uhr im F.A.Z.Liveticker sowie im ZDF und bei DAZN) alles daran, auf dem Platz eiskalt zu sein. Zu seinen neuen Methoden gehört auch eine Spezialbrille, die das blaue Licht elektronischer Geräte herausfiltert – für besseren Schlaf. Das beste Vorbild in professioneller Einstellung und Lebensweise findet er beim Gegner: Robert Lewandowski (32).

          Noch keine „Maschine“

          Der Pole hat mit eiserner Disziplin, Lernwillen und ebenfalls der einen oder anderen skurrilen Angewohnheit (beim Essen mit dem Dessert zu beginnen, beispielsweise) vollzogen, was Haaland erst noch gelingen muss. Lewandowski ist längst ein kompletter Stürmer, gefährlich beim Kopfball, brillant im Abschluss, wendig auf engstem Raum, stark im Zusammenspiel und in der Vorlage. Der Wechsel vom BVB zum FCB war dafür ein wichtiger Schritt.

          Haaland ist noch keine „Maschine“. Das war Robert Lewandowski mit 20 allerdings auch nicht, da war er gerade als Zweitliga-Torschützenkönig von Znicz Pruszkow zu Lech Posen gewechselt. Dortmund war noch zwei Jahre und 700 Kilometer entfernt. So gesehen ist Haaland Lewandowski sogar voraus. „Er verkörpert die absolute Sucht nach Toren“, lobte Bayern-Trainer Hansi Flick am Dienstag.

          Weltstar: Robert Lewandowski zählt zu den besten Stürmern überhaupt.
          Weltstar: Robert Lewandowski zählt zu den besten Stürmern überhaupt. : Bild: EPA

          Doch der Weg zum kompletten Stürmer ist weit. Erling Haaland arbeitet hart an sich, er malochte (sein deutsches Lieblingswort) im Sommer auf dem Bauernhof und spurtet Berge hoch. „Für mich dreht sich alles um kleine Details, um jeden Tag besser zu werden“, sagt er. Bei seinem raketenhaften 100-Meter-Sprint vor seinem Tor gegen Borussia Mönchengladbach (3:0) war das Ergebnis zu sehen.

          Noch braucht Haaland die „Tiefe des Raumes“, um erfolgreich zu sein. Ein Brecher, ein Kopfballgigant, ein zynischer Fußreinhalter, all dies ist er nicht. Aber er will sich dazu entwickeln. „Ich muss noch ein viel besserer Fußballer werden. Das treibt mich täglich an“, betonte er im Interview mit den Ruhr Nachrichten. Um nicht an Grenzen zu stoßen, müsse sein Abschluss „noch besser werden, klinischer, kompromissloser. Auch im Kombinationsspiel mit den Teamkollegen muss ich noch zulegen.“

          Seine nächste Entwicklungsstufe könnte durchaus in die Richtung Lewandowskis gehen. Er muss es wohl sogar. Derzeit lebe der Norweger „stark von seinem Tempo“, analysierte der WM-Rekordtorschütze und Bayern-Assistenztrainer Miroslav Klose im kicker: „Nach zwei, drei Jahren aber haben dich die Gegner analysiert, dann musst du dich verändern und umstellen.“

          In Augsburg, wo Haaland im Januar mit drei Toren krachend debütiert hatte, fiel er am Wochenende beim 0:2 nur durch eine Rangelei mit FCA-Profi Jeffrey Gouweleeuw auf. Dabei trug er eine kleine Wangenwunde davon – die Gewöhnung an (Über-)Härte gehört schließlich auch zur Entwicklung. Kratzer für sein Selbstbewusstsein sind allerdings vorerst nicht zu erwarten. „Ich hoffe, der beste Erling Haaland kommt noch“, sagt er. Vielleicht ja auch mit 32.

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