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4:2 gegen Mainz 05 : BVB dreht Spiel gegen Klopps alte Liebe

Dortmund siegt gegen Klopps ehemalige Klub Mainz05, Subotic (r.) trifft gegen seinen ehemaligen Verein Bild: dpa

Nach wenigen Sekunden ärgert  Elkin Soto Borussia Dortmund: Am Ende aber gewinnt der BVB und verlässt die Abstiegsränge. Mainz 05 steckt nun noch mehr in der Bredouille als zuvor.

          3 Min.

          Monatelang hatten sie es immer gehört – dass der Knoten irgendwann platzen würde. Stattdessen war Borussia Dortmund immer tiefer in die Krise gerutscht. Nun aber scheint die Wende doch Formen anzunehmen. Beim 4:2-Sieg gegen den FSV Mainz 05 konnte der BVB erstmals in dieser Saison nach einem Rückstand noch ein Spiel gewinnen. Dem 0:1-Pausenstand folgten vier Dortmunder Treffer in der zweiten Halbzeit, die allerdings unübersehbare Probleme in der Defensive übertünchten.

          Peter Penders

          Stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Ob er was geahnt hatte? Zumindest hatte Jürgen Klopp vor der Partie recht eindringlich an die Begegnung in der Hinrunde erinnert. Dort hatte der Dortmunder Absturz begonnen, und nichts hatte darauf hingedeutet, weil seine Mannschaft damals die erste Halbzeit überlegen gestaltet hatte, dann aber „zwei dumme Tore“ hinnehmen musste. Das Gedächtnis der BVB-Spieler war also aufgefrischt – zumindest hätte es das sein müssen. Es geht aber, wie sich nach noch nicht einmal einer Minute zeigen sollte, auch immer noch etwas dümmer.

          Schmelzer kam zu spät

          Irgendwie war der Ball in den Dortmunder Strafraum gelangt, wo sich Innenverteidiger Subotic etwas hüftsteif gegen den anstürmenden Mainzer Torjäger Okazaki anstellte. Roman Weidenfeller eilte aus seinem Tor und schien mit einer Faustabwehr die Angelegenheit geklärt zu haben – was sich aber als Irrtum herausstellte, denn Elkin Soto - der letzte aus Klopps Mainzer Tagen verbliebene 05er - nahm den Ball aus 18 Metern von der linken Seite volley und beförderte ihn im hohen Bogen ins Dortmunder Tor. Der Rettungsversuch von Nationalverteidiger Schmelzer auf der Linie kam zu spät, um das Unheil zu verhindern.

          Dahin war sie also erst einmal, die vermeintliche Aufbruchstimmung, die der überzeugende 3:0-Sieg in Freuiburg und die überraschende Vertragsverlängerung von Marco Reus während der Woche erzeugt hatte. Statt also den Aufwärtstrend nach dem zweiten Auswärtssieg der Saison zu bestätigen, stand die Borussia gleich wieder vor dem nächsten Problem, kaum dass die Partie überhaupt begonnen hatte. Nach einem Rückstand hatte sie in dieser Saison noch kein Spiel gewonnen, allein gegen den VfB Stuttgart war nach einem 0:2 noch ein Pünktchen herausgesprungen. Nun also stand die Nagelprobe bevor, ob der BVB tatsächlich schon wieder so gefestigt ist, wie viele glaubten.

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          Ausgerechnet Marco Reus hätte beinahe postwendend die Antwort gegeben, aber sein Schuss aus fünf, sechs Metern krachte gegen das Lattenkreuz, und den Nachschuss parierte Stefanos Kapino. Manchmal sind es eben nicht die großen Stars, die plötzlich im Mittelpunkt stehen, sondern die Nebendarsteller, die kaum jemand kennt. Kapino hatte in der vergangenen Woche bei der 0:2-Niederlage gegen die Hertha wegen der Roten Karte für Stammtorhüter Karius sein Debüt gegeben.

          Sein erstes Bundesligaspiel von Beginn an stand nun also ausgerechnet im stimmungsvollsten und größten deutschen Stadion an, aber den Zwanzigjährigen schien das nicht weiter zu beeindrucken, wie er in der achten Minute zeigte. Reus, der agilste Dortmunder, hatte Aubameyang den Ball sehenswert in den Lauf gespielt, aber den durchaus gekonnten Schuss des Gabuners wehrte Kapino noch gekonnter ab.

          Der BVB mühte sich gegen die nun meistens tief stehenden Mainzer nach Kräften, nicht wieder einen so gelähmten Eindruck wie zuletzt bei der Heimniederlage gegen Augsburg zu hinterlassen. Zur Halbzeit standen 10:2 Torschüsse in der Statistik, aber entweder war Kapino im Weg gewesen oder der Ball war am Tor vorbei geflogen. Mainz wiederum verteidigte geschickt, spielte gefällige Konter, mit denen – wie die bisherige Saison gezeigt hat – die Dortmunder Abwehr ja durchaus in Verlegenheit zu bringen ist.

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          Dem BVB blieb noch eine Halbzeit, die zarte Pflanze des Aufschwungs wieder zum Erblühen zu bringen – und Subotic besorgte nach der Pause schnell den nötigen Dünger. In Abwesenheit des erkrankten Kapitäns Mats Hummels, der eigentlich für solche Szenen vorgesehen ist, traf er nach einem Eckball per Kopf zum 1:1 (48.). Damit schien der zweite, stimmungsvolle Teil des Abends eingeläutet – erst recht, als Kampl die Lücke in der Mainzer Abwehr fand und Reus frei spielte. Der Mann der Woche umspielte Kapino und schob zum 2:1 ein (54.).

          Es schien ein Beispiel für die lange verschüttete Dortmunder Spielkunst zu sein, die schon in Freiburg aufgeleuchtet hatte. Allerdings sind auch die Probleme noch nicht verschwunden, wie sich schnell zeigte. Mitten im allgemeinen Freudentaumel wurde Malli zum Stimmungstöter, als er zum 2:2 (57.) traf, nachdem die BVB-Abwehr inklusive Torwart Weidenfeller bei einem Mainzer Angriff den Überblick verloren hatte – vielleicht auch, weil das defensive BVB-Mittelfeld mit Sahin und Gündogan seine Stärken vornehmlich im Spielaufbau hat.

          In einer Woche, in der nach vielen bitteren Monaten aber alles klappte, zeigte die Borussia aber auch, dass sie hier und da mitreißend Fußball spielen kann – und warum sie Reus unbedingt halten wollte. Seinen sehenswerten Außenristpass in den Lauf von Aubameyang zeigte all seine Qualitäten der Marke Weltklasse und sein Kollege veredelte die Vorarbeit mit dem Treffer zum 3:2 (71.). Diesmal schien Klopp der Angelegenheit nicht zu trauen, brachte für Kagawa den defensiven Ginter zur Stabilisierung des Mittelfeldes. Bevor der Jung-Nationalspieler dieser Aufgabe nachgehen konnte, stand es aber 4:2. Kapino hatte einen Freistoß von Aubameyang zwar noch pariert, war aber gegen den Nachschuss von Sahin machtlos gewesen. Der BVB scheint wieder in die Spur zu kommen – zumindest in der Offensive.

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