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Nach Patzer des FC Bayern : Der BVB siegt und hadert doch

  • -Aktualisiert am

Spitzenfußball sieht anders aus: der BVB mit Jude Bellingham beim Spiel gegen Stuttgart Bild: Reuters

Borussia Dortmund gewinnt spät gegen den VfB Stuttgart, der Jubel auf den Rängen kennt kaum Grenzen: In der Tabelle steht der BVB nur noch einen Punkt hinter den Münchnern. Doch zufrieden sind längst nicht alle.

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          Ein tiefes Gefühl der Erleichterung lag in dem inbrünstigen „Jaaaaa“, das den rund 60.000 Dortmundern entfuhr, als sie diesen kostbaren Erfolg ins Ziel gebracht hatten. Der BVB gewann durch einen späten Siegtreffer von Marco Reus mit 2:1 (0:0) gegen den VfB Stuttgart, verkürzte den Abstand auf den Tabellenführer Bayern München auf einen Punkt und baute den Vorsprung auf Konkurrenten wie RB Leipzig oder den VfL Wolfsburg aus. Kurz nach dem Abpfiff sang die Südtribüne den Klassiker „Zieht den Bayern die Lederhosen aus“, denn im nächsten Heimspiel in zwei Wochen steht in Dortmund das direkte Duell gegen München an. Aber die Leistung, mit der der BVB diese Partie gewonnen hat, dürfte den Bayern keine große Furcht einflößen. Fußballerisch geht es nur langsam voran bei den Dortmundern.

          Bundesliga

          „Wir haben nicht groß geglänzt“ räumte auch Mats Hummels ein, zugleich hob der Abwehrchef allerdings hervor: „Wir haben es angenommen.“ Es sind kleine Fortschritte, mit denen die Dortmunder sich in diesem Herbst zufriedengeben müssen. Erfreulich war beispielsweise der starke Auftritt von Donyell Malen, der nicht nur sein erstes Bundesligator schoss. Der Niederländer war engagiert und präsent wie in kaum einem Spiel bisher, gewann Zweikämpfe, kam zu Abschlüssen. „Das war heute eine Benchmark für Donny in vielen Bereichen“, sagte Trainer Marco Rose. „Er hat heute nicht auf Momente gewartet, sondern er hat sie sich erarbeitet.“

          Im ersten Saisondrittel hatte Malen die an ihn gestellten Erwartungen eher nicht erfüllen können. Er wirkte fahrig und körperlich mitunter überfordert. Als Ersatz für den weiterhin verletzten Erling Haaland war er meist eine Enttäuschung. Nun hatte Malen endlich einmal etwas Glück, dass sein Schuss vom Stuttgarter Hiroki Ito so abgefälscht wurde, dass er für den Stuttgarter Torhüter Florian Müller nicht mehr zu halten war (55.).

          In der 80. Minute hätte Malen dann sogar zum Helden des Tages werden können, als er einen Ball knapp neben den Pfosten setzte. Da stand das Spiel nämlich auf der Kippe. Roberto Massimo hatte nach einem Ballverlust des ansonsten starken Manuel Akanji Hummels mit einem schönen Haken ins Leere laufen lassen und den Ball zum 1:1 in die lange Torecke geschoben (63.). Solche Momente meinte Hummels, als er sagte: „Wir hatten zwischendurch wieder diese Phase, wo wir zu viele leichte Ballverluste hatten.“

          Insgesamt war es ein extrem mühsames Spiel für die Dortmunder, die engagiert arbeiteten, aber derzeit einfach nicht die Qualität haben, gegen ein fußballerisch prinzipiell unterlegenes Team viele klare Torchancen herauszuspielen. Julian Brand und Marco Reus spielten ordentlich, häufiger als zuletzt kombinierte der BVB durch die engen Räume des Mittelfeldes. Gerade in der ersten Hälfte gingen hier aber auch zu viele Bälle verloren. Rose lobte sein Team dennoch für eine insgesamt „gute Leistung gegen einen schwierigen Gegner.“

          Brachte Dortmund auf Kurs: Donyell Malen traf zum 1:0.
          Brachte Dortmund auf Kurs: Donyell Malen traf zum 1:0. : Bild: EPA

          72 Prozent Ballbesitz hatte der BVB in der ersten Hälfte, am Ende waren es noch 64 Prozent. Aber eine längere Phase der Dominanz brachte das Spitzenteam aus dem Revier nicht zu Stande, und Chancen blieben selten. Ein Reus-Freistoß (7.) und ein Schuss von Thorgan Hazard (38.) flogen knapp am Tor vorbei, und Malen köpfte schon früh aus guter Position daneben (13.). Zudem lenkte der Stuttgarter Torhüter Florian Müller einen Fernschuss Akanjis an die Latte (67.). Da drohte die Partie zugunsten der Stuttgarter zu kippen, denn auch der VfB erspielte sich immer wieder Momente, in denen Treffer möglich waren. „Ich bin der klaren Überzeugung, dass wir mindestens einen Punkt verdient gehabt hätten.“, sagte Sportchef Sven Mislintat.

          Die Stuttgarter mussten sich allerdings vorwerfen lassen, in der Schlussphase womöglich etwas zu sorglos agiert zu haben. In der 85. Minute konnte der BVB nach einer Ecke der Schwaben kontern, den ersten Abschlussversuch von Hazard wehrte Müller noch ab, den Nachschuss versenkte Reus im Tor. Das Stadion tobte, aber Borussia Dortmund bleibt ein seltsamer Klub: Das Punktekonto ist voll, vor heimischem Publikum haben sie alle Bundesligapartien gewonnen, der Erlebniswert dieser Schlussphase mit dem späten Erlösungstor war enorm für das Dortmunder Publikum. Hummels sprach schließlich von „viele Schritten in die richtige Richtung“, und zog eine Zwischenbilanz der bisherigen Saison: „Weil wir schon viele personelle Probleme hatten, ist das bisher ganz okay.“ Aber Spitzenfußball sieht anders aus.

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