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3:0-Sieg im Revier-Derby : BVB spielt Schalke an die gelbe Wand

  • -Aktualisiert am

Maskenball in Dortmund: „Batman“ Aubameyang und „Robin“ Reus finden sich furchtbar lustig Bild: Getty

Dortmund macht im Revier-Derby das beste Spiel der Saison. Bis zum ersten Tor von Aubameyang dauert es aber lange. Mit dem 3:0-Sieg über Schalke nähert sich Dortmund nun den Europapokal-Plätzen.

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          Horst Heldt hätte am liebsten selbst mitgespielt. So groß war seine Vorfreude auf das 146. Ruhrgebietsderby gewesen. Doch nach den neunzig Minuten wird der Manager des FC Schalke 04 froh gewesen sein, an dieser Partie nicht teilgenommen zu haben. Der Revierrivale Borussia Dortmund ließ dem ungeliebten Nachbarn aus Gelsenkirchen nicht den Hauch einer Chance.

          Der BVB spielte durchweg hoch überlegen und zeigte gegen das diesmal brüchige Abwehrbollwerk auch die nötige Geduld. Die Tore von Pierre-Emerick Aubameyang (78. Minute), Henrich Mchitarjan (80.) und Marco Reus (86.) fielen erst in der Schlussphase. „Ein schöneres Gefühl kann es nicht geben. Es war schließlich das wichtigste Spiel des Jahres“, sagte Reus.

          Während die Dortmunder beim 3:0 im Derby die Mehrheit der knapp achtzigtausend Zuschauer im Stadion mit ihrem vierten Bundesligasieg nacheinander begeisterten, lieferte der FC Schalke eine seiner schwächsten Saisonleistungen ab. Die Dortmunder Fans jubilierten nach dem Schlusspfiff: „Die Nummer eins im Pott sind wir!“ Das ist von der Tabelle zwar noch nicht wieder gedeckt, wohl aber vom sportlichen Eindruck, den dieser Fußball-Nachmittag hinterlassen hat.

          Roberto Di Matteo hatte vor seiner Revierderby-Premiere gesagt, Spiele dieser Art seien stark von Emotionen geprägt und es gehe auch darum, diese Emotionen zu kontrollieren. Seine Spieler nahmen das sehr wörtlich. Sie spulten ihr Pensum in der ersten Hälfte emotionslos ab und beschränkten sich darauf zu verteidigen. Dabei gelang es ihnen aber nicht, den Gegner von ihrem Tor fernzuhalten.

          Die Dortmunder Farben leuchten wieder in der Bundesliga Bilderstrecke

          Es war allein dem Unvermögen der Dortmunder im Abschluss zu verdanken, dass der BVB nicht schon zur Pause mit drei oder vier Toren Vorsprung führte. Allein Marco Reus und Pierre-Emerick Aubameyang hätten frühzeitig eindeutige Verhältnisse schaffen können, wenn sie bei ihren Torschüssen mehr Sorgfalt hätten walten lassen. Aubameyang hatte schon in der vierten Minute freie Bahn, scheiterte aber an Timon Wellenreuther, dem jungen Schalker Ersatztorwart, der danach allerdings nicht frei von Unsicherheiten war.

          Später hatte Wellenreuther keine Abwehrchance mehr gegen Aubameyang, doch diesmal stellte sich anstelle des Keepers Verteidiger Nastasic dem Schuss des Stürmers in den Weg. Reus boten sich im ersten Durchgang sogar vier Chancen, den Führungstreffer zu erzielen. Die spektakulärste davon war ein fulminanter Volleyschuss, der mit einer Geschwindigkeit von 113 Kilometern pro Stunde gegen die Latte prallte. BVB-Trainer Jürgen Klopp hatte sich geirrt, als er vor dem Anpfiff die Annahme geäußert hatte, gegen „die Ergebnismaschine Schalke“ sei für seine Elf „nicht mit Chancen im Minutentakt zu rechnen“. Zeitweise war diese Taktung nicht weit von der Wirklichkeit entfernt.

          Unterbrochen wurde das Dortmunder Feuerwerk nur durch wenige harmlose Vorstöße des Gegners, die meist schon im Ansatz scheiterten. Die einzige Ausnahme bildete eine Chance für Kevin-Prince Boateng, der in der Anfangsphase mit einem Volleyschuss ein einziges Mal Gefahr erzeugte. Sonst aber konnte man den Schalkern nicht einmal bescheinigen, sie hätten sich bemüht, nach vorn zu spielen. So bekam die ersatzgeschwächte Dortmunder Abwehr, in der Piszczek und Sokratis fehlten, gar keine Gelegenheit, ihre fast schon obligatorischen (und zuletzt gegen Juventus Turin folgenschweren) Fehler zu machen.

          Während Schalke seltsam apathisch wirkte, genossen die Dortmunder den Nachmittag. Was ihnen zu ihrem Glück fehlte, war nur ein Tor. Auch nach dem Seitenwechsel konnten die Schalker sich nicht dazu durchringen, dem Gegner mehr entgegenzusetzen als Abwehrarbeit. So kam Klaas-Jan Huntelaar, der wochenlang schmerzlich vermisste Torjäger, überhaupt nicht zur Geltung.

          Boateng, diesmal auf seiner Lieblingsposition hinter den Spitzen aufgeboten, enttäuschte auf der ganzen Linie. Er zeigte sich außerstande, die Richtung des Spiels zu ändern und fiel hauptsächlich durch Alibi-Aktionen und Fehlpässe auf. Nach gut einer Stunde machte Di Matteo zumindest dieser Quälerei ein Ende, nahm ihn vom Feld und schickte Tranquillo Barnetta, der vor einer Woche noch als linker Verteidiger ausgeholfen hatte, ins Mittelfeld.

          Nachdem die Dortmunder sich ausgiebig warm geschossen hatten, setzten sie ihren Sturmlauf in der zweiten Halbzeit fort. Zunächst führten Reus und Mchitarjan ihre Serie von Fehlschüssen fort. Auch wenn die Borussen das Tempo der ersten Stunde nicht mehr halten konnten, gelang es ihnen, in der Schlussphase mit einem Doppelschlag Aufwand und Ertrag doch noch in ein angemessenes Verhältnis zu setzen. Und kurz vor Ultimo war es dann dem starken, bis dahin aber glücklosen Reus vergönnt, mit Hilfe des Schalker Torhüters das letzte Ausrufezeichen der Partie zu setzen. „Es ist ein schwerer Tag für uns. Wir müssen uns bei den Fans entschuldigen und grundsätzlich überlegen, wie es in Zukunft weitergeht“, sagte Schalke-Trainer Di Matteo.

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