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Fußball-Bundesliga : Der BVB mit kleinem Vorteil und großer Hoffnung

  • -Aktualisiert am

Einer der Dortmunder Matchwinner: Marco Reus Bild: AFP

„Wir haben uns gefunden“: Borussia Dortmund besiegt RB Leipzig und sieht sich bestens gerüstet für das nun bevorstehende Duell im DFB-Pokal. Auch in der Bundesliga ist alles bereit für ein großes Finale

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          Erwünscht oder gar geplant war diese finale halbe Stunde der Partie gegen RB Leipzig sicher nicht, doch am Ende war es gerade diese besondere Dramaturgie, die den Ertrag des Arbeitstages für den BVB weit über die drei erspielten Punkte anwachsen ließ. Jadon Sancho hatte einen hinreißend schönen Spielzug mit einem späten Siegtreffer zum 3:2 abgeschlossen und so einen Moment ausgelöst, der enorme Energien freisetzte. Auf der Bank wurden Fäuste geballt, schrille Jubelschreie hallten durch das leere Stadion. Sportdirektor Michael Zorc freute sich über „ein turbulentes Spiel“, das durch „ein überragendes Tor“ und „Fußball vom Feinsten“ entschieden worden war. Die Südtribüne wäre vor Glück außer Rand und Band gewesen, wenn sie voll gewesen wäre.

          Bundesliga

          Aber die Dortmunder haben ja noch den Alleskönner Erling Haaland. Der norwegische Stürmer musste aufgrund seiner zwei Wochen zuvor erlittenen Oberschenkelprellung pausieren, in deren Folge sich Wasser im Muskel angesammelt hatte. Dafür lieferte er die emotionale Untermalung für dieses spannende Spiel. Freudvoll und anerkennend bejubelte er die Tore zum 1:0 (Reus, 7.) und zum 2:0 (Sancho, 54.). Er verzweifelte an den Leipziger Treffern durch Lukas Klostermann (63.) und Dani Olmo (77.) und freute sich wild mit Jude Bellingham, als Sancho noch der Siegtreffer gelungen war (87.). Dieser Moment wird die Dortmunder genauso durch die kommenden Tage tragen wie das Gefühl, sich mit der vorhandenen fußballerischen Klasse aus schwierigen Situationen befreien zu können. Und sie haben eindrucksvoll gezeigt, dass sie ein Team sind, jetzt, wo es darauf ankommt.

          Ein entscheidender Unterschied

          An den Reaktionen von Haaland und Bellingham sei erkennbar, dass der BVB sich „als Gruppe sehr gut gefunden“ habe, erklärte Trainer Edin Terzic, es sei „etwas entstanden“. Womöglich liegt genau ein entscheidender Unterschied gegenüber Leipzig, wo eher etwas zu Ende geht mit dem Wechsel von Trainer Julian Nagelsmann und Abwehrchef Dayot Upamecano nach München und möglicherweise weiteren Abgängen. Solche Details können wichtig werden am Donnerstag im Pokalfinale. An diesem Tag war der BVB bis auf 20 Minuten in der zweiten Halbzeit die Mannschaft, die geschlossener arbeitete, die mit mehr Hingabe spielte und die immer besser in Form kommt.

          Fünf Bundesligaspiele nacheinander hat der BVB nun gewonnen und damit den Grundstein für ein großes Finale in der Bundesliga gelegt. Der Dreikampf zwischen Wolfsburg, Dortmund und Frankfurt um zwei freie Champions-League-Plätze ist hoch spannend. Selbst die Leipziger konnten (zumindest vor dem Sonntagsspiel von Frankfurt gegen Mainz) theoretisch noch auf Rang fünf abstürzen. Wie ein Team, das unbedingt Punkte braucht, hatten sie dennoch nicht gespielt, aber sie hätten gewiss gerne verhindert, dass der BVB derart gestärkt ins Pokalfinale gehen kann. Das „schweißt zusammen, da können wir ganz viel Selbstvertrauen und ganz viel Mut mitnehmen“, sagte Terzic.

          Sein Kollege Nagelsmann hatte schon vor dem Anpfiff erklärt, dass dieses Duell in der Bundesliga „das Gefühl für den Donnerstag“ beeinflussen könne. Der Leipziger Trainer wirkte genervt, nicht zuletzt, weil seine Mannschaft in mehreren Situationen zu lässig verteidigt hatte. „Am Ende des Tages wird es Zeit, dass wir mal so ein Spiel gewinnen“ sagte der künftige Bayern-Trainer, nachdem RB keines der jüngsten sieben Duelle gegen den BVB gewinnen konnte und zuletzt grundsätzlich ziemlich erfolglos gegen die anderen Spitzenteams blieb. Als er auf dieses Problem angesprochen wurde, erklärte Nagelsmann: „Ich glaube, dass man weniger über die psychologische Seite sprechen muss als über Inhaltliches. Heute hat vieles gestimmt, aber nicht alles, und am Donnerstag wird dann ganz offensichtlich alles stimmen müssen.“

          Die aktuelle Form spricht jedoch für den BVB. Reus und Sancho spielen großartig auf, auch weil beide wieder einmal sehr aufmerksam und engagiert „gegen den Ball gearbeitet“ haben, wie Emre Can anmerkte. Nicht einmal die Knieverletzung von Torhüter Marwin Hitz, in deren Folge ein Einsatz im Pokalfinale ungewiss ist, schwächte das Team; in der zweiten Halbzeit spielte eben die langjährige Nummer eins Roman Bürki. Und die Flüssigkeit in Haalands Oberschenkel werde „immer weniger“, berichtete Terzic, wahrscheinlich wird der Stürmer ebenso zurückkommen wie der formstarke Bellingham. Nur die Tagesform von Mats Hummels war auffallend schwach.

          Gleich in der vierten Minute wirkte der Abwehrchef vor der besten RB-Chance der ersten Halbzeit ähnlich wie vor dem 2:2 ungewohnt instabil in einem Zweikampf mit Hee-Chan Hwang. Und beim 1:2 nach einer Ecke nahm er zu spät Kontakt zum Torschützen Klostermann auf, der Can entkommen war. Das dürfte dem Bundestrainer auf der Tribüne genauso aufgefallen sein wie die hervorragende Leistung des Kapitäns Reus, der in den jüngsten acht Pflichtspielen sechs Tore schoss, ein weiteres vorbereitete und als Anführer großen Anteil an der guten Entwicklung dieses Frühjahrs hat. „Ein bisschen weniger dramatisch hätte es schon sein können“, sagte Reus noch. Aber dann wäre der emotionale Ertrag für den BVB nicht so groß gewesen wie nach dieser aufregenden Darbietung, die ein wunderbarer Prolog war für den Showdown in Berlin und in den beiden letzten Bundesliga-Spieltagen.

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