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Wichtiges Duell in Bremen : Zieht Mainz den Gegner mit in den Strudel?

  • -Aktualisiert am

Was zum Himmel ist hier los? Mainz-Coach Bo Svensson wundert sich über die Fußball-Welt. Bild: dpa

Der Mainzer Trainer Bo Svensson übt sich in einer aus den Fugen geratenen Welt in Ironie – und konzentriert sich mit seinem Team aufs Sportliche. Das Duell mit Bremen ist richtungsweisend.

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          Eigentlich befasst sich Bo Svensson in Pressekonferenzen vor Spielen des FSV Mainz 05 nicht mit Themen, die außerhalb seines Tagesgeschäfts liegen, wie er selbst sagt. Das gilt zum Beispiel für die Frage, ob er eine Hotelquarantäne für alle Bundesligamannschaften in den letzten Wochen der Saison für sinnvoll erachte, um zu verhindern, dass nach Hertha BSC weitere Klubs zwei Wochen aussetzen müssen und der Spielplan aus den Fugen gerät. „Das liegt in der Verantwortung der DFL oder der Vereinsführung“, sagte der Däne in der Medienrunde vor der Partie bei Werder Bremen. „Mein Fokus liegt auf dem Fußballspielen.“

          Bundesliga

          Von der Regel aber wich er wenige Minuten später ab. Zwar gehört auch die von zwölf englischen, spanischen und italienischen Klubs geplante (und wenig später schon wieder beerdigte) Super League nur bedingt zum Tagesgeschäft eines Mainzer Trainers – auch wenn die 05er unter Svensson bislang eine europareife Rückrunde spielen. Doch dieses Projekt beschäftigt den 41-Jährigen offensichtlich. „Es gibt im Fußball einige Entwicklungen, die mir nicht gefallen“, sagte er. „Aber wenn diese Liga käme, das wäre der Hammer. Das wäre nicht gut für den Fußball.“

          Überrascht sei er nicht von dem angekündigten Schritt, aber davon „dass einige da mitmachen, die eigentlich für etwas ganz anderes stehen“ – wie der FC Liverpool, dessen Vereinshymne das auch in vielen deutschen Stadien intonierte „You’ll never walk alone“ ist. „Das“, sagt Svensson, „ist ziemlich doppelmoralisch.“

          Ob und inwieweit das wegen der Berliner Isolation am Sonntag ausgefallene Spiel den Rhythmus seiner Mannschaft beeinflusst habe, ist hingegen eine Frage, die Bo Svensson zumindest vorab nicht beantworten kann. In den Trainingseinheiten nach einem kurzfristig genehmigten freien Samstag habe er keine negativen Tendenzen wahrgenommen. Am Mittwochabend werde sich zeigen, ob dieser Eindruck richtig war. „Wir wissen, dass wir zurzeit in keiner normalen Welt leben, und wir haben gelernt, uns auf die Sachen zu konzentrieren, die in unserer eigenen Hand liegen. Deshalb versuchen wir uns bestmöglich auf Werder vorzubereiten.“

          Noch kein Endspiel

          Unter dem Aspekt der körperlichen Belastung könnte den 05ern die Spielabsage sogar zum Vorteil gereichen. Sie treten ausgeruht im Weserstadion an, derweil die Norddeutschen nicht nur das zweite Spiel einer englischen Woche bestreiten, sondern auch noch die 1:4-Niederlage bei Borussia Dortmund aus den Köpfen bekommen müssen. Wähnten die Bremer sich noch vor nicht allzu langer Zeit bereits dem Nichtabstiegskampf entronnen, müssen sie jetzt erkennen, dass die Rettung nicht vollzogen ist. Nur noch zwei Punkte sind die 05er zurück, trotz einer ausstehenden Partie. Mit einem Erfolg in Bremen kämen sie einer weiteren Erstligasaison wiederum einen Schritt näher – und den Gegner zögen sie wieder mitten hinein in den Strudel.

          Dieses Szenario in Verbindung mit der 0:5-Heimniederlage in der vorigen Saison scheint im Norden leichte Panik auszulösen; dass Trainer Florian Kohfeldt und einige Spieler das Duell mit den Mainzern bereits zum Endspiel stilisierten, deutet darauf hin. Bo Svensson liegt es allerdings fern, die Bremer zu unterschätzen. Der SV Werder habe zwar zuletzt „eine negative Phase gehabt, aber auch nur gegen Topmannschaften gespielt“, sagt er. Im Laufe der Runde habe Kohfeldts Team jedoch seine Qualitäten bewiesen. Und auch in Dortmund hätten die Bremer stark begonnen, seien dann jedoch an den individuellen Fähigkeiten des BVB gescheitert.

          Für seine Gegneranalyse sei dieses Spiel ohne Bedeutung gewesen, sagt Svensson. In ihrem eigenen Stadion gegen einen Tabellennachbarn erwartet er die Bremer deutlich offensiver. „Deshalb konnten wir am Sonntag nicht so viele neue Erkenntnisse gewinnen.Eine klare Antwort gab’s von Svensson übrigens auf die Frage, ob die Mainzer zwecks Minimierung des Infektionsrisikos mit mehreren Bussen anreisten. „Wir fliegen nach Bremen“, sagte er. „Und ich glaube, es ist nur ein Flugzeug.“

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