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Fußball-Bundesliga : Wie sich der BVB gegen die Widrigkeiten stemmt

Alles im Griff: Borussia Dortmund will wie Axel Witsel die Lockerheit bewahren. Bild: dpa

Ausfälle, Aufbau und ein Angebot: Die Vorbereitung auf die Rückrunde hat bei Borussia Dortmund nicht ohne Hindernisse begonnen: Im Trainingslager in Marbella blickt der Tabellenführer der Fußball-Bundesliga aber nach vorne.

  • -Aktualisiert am

          Torhüter Roman Bürki war nicht dabei, die Abwehrspieler Manuel Akanji, Abdou Diallo und Dan-Axel Zagadou fehlten ebenfalls, aus dem defensiven Mittelfeld musste Thomas Delaney passen, und auch Offensivstars wie Kapitän Marco Reus und der Toptorschütze Paco Alcácer konnten nicht mitmachen beim ersten Test im neuen Jahr. Stammspieler des Bundesliga-Tabellenführers Borussia Dortmund, die am Dienstag verletzt, angeschlagen oder, wie Reus, kurzfristig erkrankt im Duell mit Fortuna Düsseldorf nicht zur Verfügung standen.

          Roland Zorn

          Sportredakteur.

          Im Marbella Football Center reichte es für den Klassenprimus trotzdem zu einem 3:2-Erfolg gegen die Rheinländer, die es in der Bundesliga-Hinrunde am 19. Dezember als einzige Mannschaft geschafft hatten, den BVB zu besiegen. Der westfälische Ausrutscher bei der 1:2-Niederlage aber dürfte keine tieferen Spuren hinterlassen haben. Der kollegiale Probelauf unter der andalusischen Sonne, in seiner Bedeutung viel zu profan, um mit einem Etikett wie „Revanche“ aufgewertet zu werden, bestärkte auf beiden Seiten die längst gewachsene Zuversicht, sich den Herausforderungen der Rückrunde stellen zu können.

          Verstärkung in Sicht

          Die Dortmunder, mit einem qualitativ reichhaltigen Kader auch unter personell erschwerten Bedingungen in der Lage, auf Spitzenniveau Spiele zu gewinnen, bewegen rund eine Woche vor dem Start in den zweiten Saisonteil vor allem zwei Fragen: wie sie den möglicherweise für längere Zeit drohenden Ausfall ihres nicht nach Spanien mitgereisten Abwehrchefs Manuel Akanji wegen dessen „Problemen im Hüft- und Kniebereich“, so Sportdirektor Michael Zorc, kompensieren sollen und wie sie in Zukunft ihre tendenziell immer tiefer gestaffelten Gegner mit deutlich verbessertem, zügigerem Spiel in engen Räumen aushebeln können.

          Gut möglich, dass sich der für sein Scouting europaweit gerühmte Spitzenreiter in dieser Transferperiode mit dem 19 Jahre alten argentinischen Innenverteidiger Leonardo Balerdi von den Boca Juniors aus Buenos Aires noch einen jungen Mann mit Perspektive dazuholt. Von Boca war zu hören, dass man sich das Dortmunder Angebot anhören werde. Eine längst erprobte Defensivgröße wie der Franzose Diallo wird nach einer Muskelzerrung noch in dieser Woche in den Trainingsbetrieb zurückkehren, während sich sein Landsmann und Abwehrkollege Zagadou, der seit Anfang Dezember an einer Mittelfußstauchung leidet, wohl noch etwas gedulden muss. Er wird Schritt für Schritt auf sein Comeback vorbereitet. So wie die Kollegen Delaney, den die Wade zwickt, und Bürki, den muskuläre Beschwerden, ausgehend von den Adduktoren, zur Vorsicht rieten, oder Alcácer, der einen Muskelfaserriss ausheilt.

          Sieg bei der „Revanche“: Dortmund schlägt mit Lukasz Piszczek Fortuna Düsseldorf.

          Der mit 30 Jahren erfahrene Fußballprofi Marcel Schmelzer, den in dieser Saison ein Knochenödem wochenlang plagte, sagte zum Thema behutsamer Wiederaufbau nach dem mit einem Treffer von ihm in letzter Minute herbeigeführten 3:2-Erfolg gegen die Fortuna: „Es ist gut, dass wir einen so großen Kader haben und die Jungs ein bisschen Zeit dafür haben, ihre Verletzungen auskurieren zu können.“ Eine reife Sichtweise, die sich auch dessen drei Jahre jüngerer Mitstreiter Delaney zu eigen gemacht hat. Er „möchte jetzt einfach nicht zu früh mit dem Training beginnen, gerade nach einem Urlaub – wie dem über Weihnachten – ist das eine Vorsichtsmaßnahme“.

          Auch der 28 Jahre alte Torwart Bürki weiß inzwischen den Wert prophylaktisch eingelegter Spielpausen gut einzuschätzen. Der in der vorigen Saison manchmal noch überehrgeizige Schweizer meldete sich für dieses Jahr von den Länderspielen seiner Nati ab mit der Begründung: „Ich habe gemerkt, dass es für mich wichtig ist, durchzuschnaufen und ein, zwei Tage freizuhaben.“ Stünde dieser Tage ein Bundesligaspiel oder ChampionsLeague-Match bevor, Bürki hätte vermutlich spielen können. So aber war es ihm auch recht, mit Hilfe der von Andreas Beck angeführten Athletiktrainer und der Physiotherapeuten des BVB seine Muskulatur lockern und sich peu à peu dem Spielbetrieb wieder annähern zu können.

          Die sportwissenschaftlich geschulten Leistungsdiagnostiker und Fitnesscoaches des Klubs stützen sich auf eine Fülle digital erfasster Daten, die die Athleten am Ball ausleuchten und Aufschlüsse auch gegenüber sich womöglich andeutenden Verletzungen geben. Sie haben einen Verbündeten im Mannschaftsarzt Dr. Markus Braun, der als feinfühliger Mediziner mit einem Sensorium für Präventivmaßnahmen gilt. Und natürlich in Lucien Favre, dem schweizerischen Cheftrainer mit dem Gespür für den richtigen Aufbau von Spielern nach kleineren und größeren Verletzungen. Favres Leitmotiv lautet „Balance“, und derart sorgsam und ausgewogen ist auch sein Umgang mit Spielern, denen noch ein paar Kleinigkeiten zur Rückkehr auf den Platz fehlen.

          Leistungsdiagnostik stand zum Rückrundenstart des BVB am 3. Januar auf dem Tagesprogramm ganz oben. Sie war auch am Tag nach dem Sieg über Düsseldorf, den Maximilian Philipp mit zwei sehenswerten Treffern einleitete, ein beherrschendes Thema. Wenn es auf die erste Bundesliga-Bewährungsprobe dieses Jahres am 19. Januar in Leipzig zugeht, werden Bürki, Diallo, Delaney und in Maßen wohl auch Zagadou und Alcácer wieder belastbar und spielfähig sein. Wer es in Deutschland und Europa demnächst mit Borussia Dortmund zu tun bekommt, steht einem Widersacher gegenüber, der für die Strapazen des spektakulären Profialltags gerüstet sein dürfte – wie mutmaßlich auch das Gros der künftigen Gegenspieler des BVB.

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