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Frankfurter Nachwuchsprobleme : Wie Andreas Möller die Eintracht umbaut

Blick in die Zukunft: Andreas Möller hat viel vor in Frankfurt. Bild: dpa

Der Talente-Chef der Eintracht will mit eigenen Ideen wieder mehr junge Spieler zu den Profis bringen. Sein letzter Coup ist Jürgen Kramny. Dahinter steckt eine klare Strategie.

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          Was ist beim Frankfurter Fußballnachwuchs in den vergangenen Jahren falsch gelaufen? Auf diese Frage lässt sich Andreas Möller lieber nicht ein. Er sagt der F.A.S.: „Darüber spreche ich nicht. Das liegt mir fern, die Vergangenheit zu beurteilen.“ Der Weltmeister von 1990, der seit Anfang Oktober 2019 Leiter des Nachwuchsleistungszentrums (NLZ) der Eintracht ist, hat am Riederwald in der Rolle des Strategen und Oberaufsehers fest die Zukunft im Blick. Und als derjenige, der die Restrukturierung mit Leben füllen muss, hat Möller schon ordentlich Macherqualitäten gezeigt. Er holte viele neue Nachwuchstrainer mit bekannten Namen ins Boot: Die ehemaligen Profis Thomas Broich und Jerome Polenz trainieren fortan die U 15, der frühere Eintracht-Torjäger Alex Meier ist nun Assistenztrainer der U 16, und Ervin Skela übt die gleiche Funktion bei der U 17 aus.

          Jörg Daniels
          Redakteur in der Sportredaktion

          Die Königslösung präsentierte Möller in dieser Woche mit Jürgen Kramny. Der 48 Jahre alte ehemalige Stuttgarter Bundesliga-Trainer, der bei Arminia Bielefeld auch in der zweiten Liga tätig war, bestimmt in den kommenden beiden Jahren den Kurs der U 19, die als zweite Vereinsmannschaft hinter den Profis ohne eine U 23 das Flaggschiff der Frankfurter Nachwuchsabteilung in der Junioren-Bundesliga ist. „Wenn man die Trainerlaufbahn von Jürgen Kramny sieht, ist es für mich klar, dass er die richtige Wahl ist“, sagt Möller. In Stuttgart und Mainz förderte der prominente Neue jahrelang die Jugend auf verschiedenen Positionen. In dieser Zeit bildete er Toptalente wie Antonio Rüdiger (heute Chelsea) oder Daniel Didavi (VfB Stuttgart) aus.

          Breite Zustimmung bei Bobic

          Die von Möller innerhalb von ein paar Monaten gesetzten Eckpfeiler beim Neuaufbau stoßen bei Fredi Bobic auf breite Zustimmung. Endlich steht aus Eintracht-Sicht das Fundament, das reichlich Wachstumsmöglichkeiten biete. Der Sportvorstand erkennt eine „klare Handschrift“. Die neuen Trainer würden für „Qualität“ stehen. Seit mehr als vier Jahren hat es sich Bobic zu seiner Aufgabe gemacht, auch die eingefahrenen Strukturen am Riederwald aufzubrechen und im Osten Frankfurts für frischen Wind zu sorgen. Es war ein langer Umwälzungsprozess, der trotz durchgeführter Veränderungen manchen Rückschlag beinhaltete. Marco Pezzaiuoli zum Beispiel ist jetzt nicht mehr als Technischer Direktor und U-19-Trainer am Riederwald tätig.

          Doch in Möller scheint Bobic nun seinen Talente-Meister gefunden zu haben. Die aktuelle Aufstellung und Ausrichtung des NLZ lassen den Sportvorstand zu dem Schluss kommen, dass das „die Zukunft von Eintracht Frankfurt“ sei. Möller wiederum ist dankbar für „die sehr große Unterstützung“ durch die Fußball-AG: „Wir haben da jetzt sicherlich mehr Gestaltungsmöglichkeiten.“ Zu Zahlen möchte sich Möller nicht äußern. Das Budget für das NLZ soll unter dem Förderer Bobic, dem die bestmögliche „Vernetzung“ zwischen der Profi-AG und dem Nachwuchs ein großes Bedürfnis ist, in den zurückliegenden Jahren aber von rund drei Millionen auf gut vier Millionen Euro gestiegen sein. „Der Etat orientiert sich sicherlich an einigen anderen Nachwuchsleistungszentren in der Bundesliga. Das war in der Vergangenheit nicht immer so“, sagt Möller.

          Faust drauf: Andreas Möller, Leiter des Nachwuchsleistungszentrums, und Jürgen Kramny, neuer U-19-Trainer, besiegeln die Zusammenarbeit.
          Faust drauf: Andreas Möller, Leiter des Nachwuchsleistungszentrums, und Jürgen Kramny, neuer U-19-Trainer, besiegeln die Zusammenarbeit. : Bild: Jan Huebner

          Beim Frankfurter Nachwuchs musste sich etwas tun, weil es an starken Nachrückern von unten für das Bundesliga-Team fehlt. Der Entwicklungsstau ist groß geworden. Vielversprechende Talente sind von der Eintracht zuletzt ausschließlich im Ausland gefunden worden. Marc Stendera war das bis dato letzte Talent aus den eigenen Reihen, das 2012 bei den Profis mehr oder weniger Fuß fasste. Nach seinem Wechsel 2019 zu Hannover 96 ist der Mittelfeldspieler heute arbeitslos. Stammspieler aus dem Eintracht-Talentschuppen wurde nur Sebastian Jung, der sich 2014 dem VfL Wolfsburg anschloss. Heute werden junge Spieler aus der eigenen Kaderschmiede vor allem deshalb mit Profiverträgen ausgestattet, damit die Eintracht den Statuten der Deutschen Fußball Liga im Hinblick auf die Anzahl der Local Player gerecht wird. Oder sie dienen als Sparringspartner im Training.

          Keine weitere Verwendung hatten die Frankfurter jüngst für ihre Talente Sahverdi Cetin (19 Jahre), Patrick Finger (19) und Torhüter Max Hinke (19). Sie müssen sich woanders durchsetzen. Aber Möller sagt: „In den kommenden Jahren wird die Jugendarbeit noch mehr an Bedeutung gewinnen. Es ist sehr wichtig, ein gutes Jugendkonzept zu haben, um möglichst viele Spieler hochzuziehen.“ Es war seine Idee, auf den jeweiligen Trainerpositionen bei den U-Mannschaften eine „gute Mischung zwischen Theorie und Praxis“ herzustellen. Auf der einen Seite mit Trainern, die seit Jahren Jugendarbeit betreiben würden und die dementsprechend „viel Fachkompetenz“ besäßen. Und mit Neueinsteigern auf der Trainerbank, die als ehemalige Profis viel Erfahrung hätten und die dadurch „vielleicht noch einmal den entscheidenden Input geben“ könnten. Der Möller-Mix soll es machen: „Diese Kombination entspricht meinem Denken. Das ist unser Weg. Ich kann mich damit zu hundert Prozent identifizieren“, sagt der Nachwuchschef.

          Beim Scouten von Talenten, findet Möller, seien die Frankfurter „in allen Altersklassen sehr gut aufgestellt“. Gleichwohl würde er gerne noch „die Rhein-Main-Region stärker ins Visier nehmen“ lassen. Und europaweit? Wer wirft für die Eintracht einen Blick auf den Nachwuchs bei internationalen Turnieren? „Je höher es geht Richtung Leistungsbereich, desto mehr profitieren wir von der Scouting-Abteilung der Profi-AG“, sagt Möller. Das Eintracht-Internat bietet Platz für 20 Fußballtalente. Von ihnen kommen aktuell einige aus Schweden, Finnland, Zypern, Österreich und den Vereinigten Staaten. 14 Spieler sind am Riederwald untergebracht. Die anderen sechs, die bereits volljährig sind, leben in Wohngemeinschaften, auch für sie hat die Eintracht ein Betreuungskonzept erstellt.

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