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Fußball-Bundesliga : Darum hat Bremen einen Vorteil im Abstiegskampf

  • -Aktualisiert am

Leonardo Bittencourt ist bei Werder Bremen derzeit in Form. Bild: Picture-Alliance

Werder steckte tief im Schlamassel im Tabellenkeller der Bundesliga. Nun aber darf der Klub wieder hoffen, dem Abstieg noch zu entgehen. Das liegt auch an den besonderen Leistungen eines Spielers.

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          Es geht gerade ziemlich schnell mit den Zuschreibungen. Vor zwei Wochen beim 1:4 gegen Bayer 04 Leverkusen hatte Leonardo Bittencourt zwar auch einen Punkt für seine persönliche Statistik gesammelt, indem er den Eckball vor Theodor Gebre Selassies Tor zum 1:1 ausgeführt hatte. Das ging aber unter, weil Werder eben verloren hatte – und weil Bittencourt in diesem ersten Bremer Spiel im Zeichen der Pandemie eine große Möglichkeit vergab, als er in der 39. Minute beim Stande von 1:2 über das Leverkusener Tor schoss. Plötzlich stand der kleine Mittelfeldspieler stellvertretend für die Bremer Harmlosigkeit.

          Bundesliga

          Gut vierzehn Tage später liegt es an Bittencourt, dass der SVW mit jetzt 25 Punkten wieder Hoffnung schöpft. Zweimal ist Bittencourt der Siegtreffer gelungen: beim SC Freiburg flach mit rechts, auf Schalke eine Woche später hoch mit links. Zweimal 1:0 macht sechs Punkte, dazu das 0:0 gegen Gladbach dazwischen – Werder hat den Abstand zu den sicheren Plätzen in der Englischen Woche wiederhergestellt, und das hätte nach Leverkusen niemand für möglich gehalten. An diesem Mittwoch (20.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Fußball-Bundesliga und bei Sky) steht das Nachholspiel gegen Eintracht Frankfurt an. Bittencourt wird höchstwahrscheinlich trotz seiner Beckenverletzung dabei sein können.

          Es ist typisch für den Bremer Trainer Florian Kohfeldt, dass er nicht nur die Schussfertigkeit Bittencourts lobte. Sondern vor allem seine Charaktereigenschaften. Denn Kohfeldt hatte ihn trotz des Tores in Freiburg auf der Bank gelassen, als drei Tage später Gladbach kam. Yuya Osako spielte. Bittencourt kam erst in der 62. Minute. „Leo stellt seine persönlichen Interessen hintenan“, sagte Kohfeldt nach dem Sieg in Gelsenkirchen. „Wenn er mal ein Spiel nicht spielt, setzt er es im nächsten Spiel in positive Energie um. Wir brauchen diese Mentalität, die Leo vorlebt.“

          Bittencourt ist als Leihspieler der TSG 1899 Hoffenheim seit Saisonbeginn in Bremen. Was ordentlich begann, wurde in den schlimmen Werder-Wochen vor der Corona-Pause auch bei ihm immer unansehnlicher – und ineffektiv erst recht. Zwischen Dezember und März kamen weder Tore noch Vorlagen von ihm. An Fleiß und Einsatz fehlte es hingegen selten; auch in den Gesprächen danach wirkt Bittencourt immer wie jemand, der den Ernst der Lage verstanden hat. Mehr Leistung, weniger Worte kündigte er in der Interviewzone im Februar einmal an, als er trotz der Niederlagenserie im Weserstadion leidenschaftlich für den Trainer Kohfeldt plädierte.

          Leonardo Bittencourt hat nun endlich Taten folgen lassen, jetzt, wo das Wasser den Bremern bis zum Hals steht. 30 Tore hat Werder erzielt. Das sind die wenigsten der Liga. Weil weder Josh Sargent noch Davie Selke oder Milot Rashica gerade besonders treffsicher sind, müssen die offensiven Mittelfeldspieler einspringen. Und das ist, aus der defensiven Bremer Grundordnung kommend, nicht gerade einfach. Es hat sich ausgezahlt, dass sich Bittencourt nach vielen Trainingseinheiten noch Bälle hingelegt oder hat zuspielen lassen, um mit beiden Füßen Schüsse aus der Distanz zu üben.

          An der kompakten Anordnung wird sich gegen die Eintracht voraussichtlich nichts ändern. Kevin Vogt auf der „Sechs“, davor Davy Klaassen und Maximilian Eggestein, also Spieler, die sich eher nach hinten als nach vorn orientieren. Dreimal nacheinander hat Werder zu null gespielt – es gibt keinen Grund, den Mittelfeldverbund zu lösen und offensiver aufzustellen.

          Es ist kurios, wie gern der SV Werder diese am 1. März ausgefallene Partie nun wahrnimmt. Damals hatte es wie Wettbewerbsverzerrung gewirkt, dass die DFL der Eintracht kein Spiel an der Weser 48 Stunden nach dem Europa-League-Einsatz in Salzburg zumuten wollte. Im Lichte der sieben Punkte wirkt das Heimspiel am Mittwochabend nun plötzlich wie ein Geschenk, um in der Tabelle aufzuschließen. Es ist die nächste Bremer Chance, die gruselige Heimbilanz aus einem Sieg, neun Toren und neun Niederlagen zu verbessern – gegen das auswärtsschwächste Team der Liga, im Übrigen.

          Warum erst jetzt? Darüber hat sich auch Kohfeldt viele Gedanken gemacht. „Die Mentalität, wirklich alles reinzuwerfen, hat sich bei uns verändert“, sagt er. Noch gegen Leverkusen lief sein Team vor allem hinterher, „kam nicht in die Zweikämpfe“, wie die Spieler gern sagen. In Freiburg, und dann erst recht gegen Gladbach und in Gelsenkirchen, gab es einen Mentalitätsumschwung hin zu wilder Entschlossenheit. Das, gepaart mit Leonardo Bittencourts Aktionen zum Zungeschnalzen, wirkt vor dem 29. Bremer Spiel dieser merkwürdigen Saison wie ein erheblicher Vorteil im Abstiegskampf.

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