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Fußball-Bundesliga : Was der Eintracht vom Bayern-Coup bleibt

Oliver Glasner jubelt über den Sieg in München. Bild: Picture-Alliance

Beim überraschenden Erfolg in München ist der Trainer der Eintracht auch von seiner Abwehrreihe angetan. Während die Nationalspieler schon auf Reisen sind, kehrt Glasner kurz nach Österreich zurück.

          3 Min.

          Oliver Glasner ist bald seit zwei Jahrzehnten im Geschäft. Er verfüge daher über gewisse Erfahrung und könne die Dinge ganz gut „einordnen“, wie er betonte. Fußball, diese Erkenntnis wurde ihm jedoch an diesem erinnerungswürdigen Abend in München aufs Neue bewusst gemacht, „ist manchmal verrückt“. Zu Beginn der Woche, nach dem 1:1 zu Hause gegen den 1. FC Köln, wurde der Trainer der Eintracht noch mit der Feststellung konfrontiert, dass sechs Bundesligapartien ohne Sieg aus Frankfurter Sicht einen negativen Rekord bedeuten.

          Bundesliga
          Marc Heinrich
          Sportredakteur.

          „Da waren wir unten.“ Davon war sieben Tage und zwei Erfolge später keine Rede mehr. Dem 1:0 in der Europa League beim FC Royal Antwerpen ließ seine Mannschaft ein 2:1 beim FC Bayern folgen. Ein Resultat, das Glasner „wahnsinnig happy“ machte, weil ihm eine „Top-Mannschaftsleistung“ von der Nummer eins bis zwanzig zugrunde liege.

          „Wir gehen sehr glücklich in die Länderspielpause“, sagte der 47-Jährige, der die Bemerkung ergänzte, dass er das bislang Erreichte seit seinem Einstieg am Main mit Augenmaß betrachtet habe und daran nach dem Coup in der Allianz-Arena nichts ändern werde: Es sei vorher nicht so gewesen, dass die Gefahr bestanden hätte, dass er wegen der fehlenden Erfolgserlebnisse „vom Balkon gesprungen wäre“, schilderte er plakativ, und nun müsse keiner glauben, „dass ich mich 14 Tage in Frankfurt feiern lasse“. Ganz im Gegenteil, die Arbeit gehe normal weiter – und das wird schwer genug.

          Internationale Reisen quer über den Globus

          13 Profis aus seinem Kader sind bis auf Weiteres international auf Reisen. Quer über den Globus kommen Eintracht-Akteure mit ihren Nationalteams in der WM-Qualifikation zum Einsatz. So muss der Japaner Daichi Kamada beispielsweise an diesem Donnerstag gegen Saudi-Arabien antreten, ehe es für ihn am Dienstag kommender Woche zum Duell mit seinem Frankfurter Kollegen Ajdin Hrustic kommt, der das australische Trikot trägt.

          Auch Rafael Borré steht ein Trip bevor, bei dem er viele Flugmeilen wird sammeln können. Der Stürmer, der gegen die Bayern einiges zum gemeinschaftlichen Wohlergehen beitrug, weil er als Sturmspitze immer wieder Verteidiger Dayot Upamecano im Pressing anlief und unter Druck setzte, ist mit der Auswahl Kolumbiens dreimal intensiv gefordert: Erst gegen Uruguay, dann gegen Brasilien und auch Ecuador.

          Wobei die Begegnung zum Abschluss seiner Tour erst in der Nacht auf übernächsten Freitag angepfiffen wird, sodass er frühestens am Samstag, den 16. Oktober, wieder in Frankfurt wird landen können. Glasner hat ihn vorsichtshalber komplett aus seinen Planungen rausgenommen, was das nächste Heimspiel gegen Hertha BSC angeht. Der Trainer, der den wenigen Profis, die nicht für einen Einsatz in einer Nationalmannschaft nominiert wurden, ein paar Tage freigibt, wird selbst kurz nach Österreich zur Familie zurückkehren, wo er Pläne für die nahe Zukunft entwerfen möchte.

          „Ich kann mich nur bei der Mannschaft bedanken“

          Es bleibt stressig. Bis Weihnachten warten noch 14 Einsätze in neun Wochen in Liga und Europapokal. Er sei „froh“, sagte Glasner, dass zumindest für einige in seinem Kreis nun eine Unterbrechung zum Luftholen anstehe, weil sich die Mannschaft, so sein Eindruck, „am Anschlag“ befindet, was ihre Belastbarkeit angehe.

          Auch weil sie sich trotzdem bravourös gegen den Favoriten behauptete, war der Coach nach dem ersten Bundesligasieg der Eintracht unter seiner Regie voll des Lobes. „Wir wussten vor dem Spiel, dass wir einen überragenden Torwart brauchen. Und genau den hatten wir heute“, sagte er zur erstklassigen Vorstellung von Kevin Trapp (siehe auch Seite 27.). Aber auch vor dem Rest der Truppe zog er verbal den Hut. „Ich kann mich nur bei der Mannschaft bedanken für diesen Spirit, für diese Leistung – insbesondere in der Defensive.“

          Einen großen Teil dazu trug das Duo Stefan Ilsanker und Tuta bei. Der Österreicher sammelte bis dahin nur als Ergänzungskraft zusammengenommen 58 Einsatzminuten, der Brasilianer war nach seinem Blackout beim Pokal-Aus in Mannheim vollständig außen vor. Gegen Antwerpen war er in der Schlussphase reingekommen und half sogleich mit, drei hohe Bälle in Kürze aus der Gefahrenzone zu befördern. In München ergänzte er sich mit dem erst vor Kurzem genesenen Almamy Touré als aufmerksames Wächter-Duo auf der rechten Seite; zusammen hielten sie auch Leroy Sané in Schach. „Es freut mich für ihn, es freut mich für uns“, sagte Glasner über die tadellose Darbietung des Rückkehrers.

          Beim morgendlichen Spaziergang habe er Tuta informiert, dass er ihm das Vertrauen von Beginn an schenken werde, berichtete Glasner, und dass der 22-Jährige die Botschaft zunächst kaum glauben wollte. Er habe dem Youngster aber Rückendeckung zugesichert und für den Fall der Fälle, falls es schiefgehen sollte, dafür geradezustehen.

          Denn Tuta habe es ja an Spielpraxis gemangelt, was er zu verantworten habe, berichtete Glasner aus dem Vieraugengespräch, in dessen Verlauf sie an einem schmucken Biergarten vorbeigekommen sind, in den viele von ihnen wegen des schönen Herbstwetters am liebsten eingekehrt wären. Aber erst die Arbeit, dann das Vergnügen: Am Ende eines rundum gelungenen Ausflugs nach München ließ sich weitaus besser auf die zweite Energieleistung binnen nicht einmal 72 Stunden anstoßen.

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