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In Kurzarbeit : Herthas Zeefuik und der blitzschnelle Platzverweis

  • -Aktualisiert am

Unrühmlicher Auftritt: Geld-Rot für Zeefuik Bild: Picture-Alliance

Am Wochenende erhielt Deyovaisio Zeefuik den drittschnellsten Platzverweis der Liga-Geschichte. Auch sonst blieb der Niederländer bei Hertha BSC bislang hinter den Erwartungen zurück. Dabei hatten beide Seiten viel vor.

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          Hertha BSC befindet sich gerade nicht in der Verfassung, um rekordverdächtige Marken aufstellen zu können. Und wenn doch, handelt es sich um solche, die niemand braucht. So geschehen beim Spiel in Leipzig. Vier Minuten und wenige Sekunden benötigte Deyovaisio Zeefuik, um nach seiner Einwechselung zur zweiten Halbzeit schon wieder des Feldes verwiesen zu werden. Es war der drittschnellste Platzverweis in der Geschichte der Bundesliga. Schiedsrichter Tobias Stieler zeigte nach zwei Fouls des Niederländers jeweils die Gelbe Karte. Machte in der Summe Gelb-Rot.

          Bundesliga

          Dabei hatte Bruno Labbadia, Herthas Trainer, den Wechsel in der Hoffnung vollzogen, das bis dahin ausgeglichene Spiel beim Tabellenführer für sich zu entscheiden. Zeefuik sollte mit seiner Dynamik und Schnelligkeit die rechte Außenbahn beleben und die nach dem kräftezehrenden Auftritt in der Champions League auf vielen Positionen umgestellte Leipziger Mannschaft stärker unter Druck setzen. Daraus wurde nichts. Sehr zum Ärger von Herthas Manager Michael Preetz, der den Schuldigen in Schiedsrichter Stieler ausgemacht hatte. „Dieses sehr intensive Spiel hätte einen guten Schiedsrichter verdient gehabt – und das war heute nicht der Fall“, sagte Preetz. „Ich sage es ganz offen: Wir fühlen uns von vielen kleinen, engen Entscheidungen benachteiligt. Der Schiedsrichter hat sich über das Spiel gestellt. Das ist bitter. Wir sind für eine gute Leistung nicht belohnt worden.“

          Der Frust des Managers war bei der Mitgliederversammlung, die am Sonntag im Olympiastadion abgehalten wurde, noch nicht verflogen. Er wiederholte seine Kritik am Schiedsrichter, warb aber auch um Geduld. „Wir sind überzeugt, dass der Kader mittelfristig das Zeug hat, dahin zu kommen, wo wir uns alle sehen: ins internationale Geschäft“, sagte Preetz. Danach sieht es allerdings gerade nicht aus. Das 1:2 in Leipzig war die vierte Berliner Niederlage im fünften Saisonspiel, Platz 15 entspricht nicht den Erwartungen, mit denen der Verein in diese Spielzeit gegangen ist.

          Lockruf aus Berlin

          International zu spielen war auch das erklärte Ziel von Deyovaisio Zeefuik, als dieser im Sommer nach Berlin kam. Der 22-Jährige hatte Hertha ganz bewusst gewählt, sehr zum Missfallen seines damaligen Klubs FC Groningen. Der hätte Zeefuik lieber an den FC Southampton in die englische Premier League verkauft und eine höhere Ablöse kassiert, aber der Verteidiger wollte unbedingt zur Hertha, die nur vier statt der von Southampton gebotenen sechs Millionen Euro zahlte.

          Nach Berlin lockten Zeefuik die alten Kumpels Javairo Dilrosun und Daishawn Redan, mit denen er schon zu Kinderzeiten in Amsterdam zusammen spielte. Aber wie seine Freunde erlebt Zeefuik einen ungemütlichen Herbst in der deutschen Hauptstadt. Als die erhoffte Verstärkung konnte er sich noch nicht herausstellen, meist muss er wie in Leipzig dem elf Jahre älteren Slowaken Peter Pekarik den Vorzug auf der Position des Rechtsverteidigers lassen.

          Vor allem was die Genauigkeit seiner Flanken und Zuspiele angeht, besitzt Zeefuik noch Steigerungspotential. Vergangene Woche gegen Stuttgart wurde er ein- und später wieder ausgewechselt. In Fußballkreisen gilt das in der Regel als Höchststrafe. Im Vergleich zu seinen Freunden Redan und Dilrosun, die von Labbadia bisher kaum Spielzeit erhalten, darf Zeefuik aber wenigstens regelmäßig mitwirken. In allen fünf Bundesligaspielen stand er auf dem Feld.

          Auf der Suche nach der richtigen Formation

          Trainer Labbadia ist noch auf der Suche nach der richtigen Formation, vieles passt nicht in der neu formierten Mannschaft von Hertha BSC, das wurde in Leipzig abermals deutlich. Bei beiden Gegentoren halfen die Berliner kräftig mit. Dayot Upamecano durfte sich gleich mehrmals am Torschuss versuchen, ehe er den Ball dann endlich im Hertha-Tor untergebracht hatte, und dem verwandelten Elfmeter von Marcel Sabitzer ging ein extrem ungeschicktes Foul des Berliner Torschützen Jhon Córdoba an Willi Orban voraus.

          Trotz Eigenverschuldens interpretierten die meisten Berliner Spieler wie zuvor schon Manager Preetz den Platzverweis gegen Zeefuik als entscheidende Situation. „Das tut schon sehr weh und ist eine klare Fehlentscheidung. Wir haben einen super Fight hingelegt“, sagte Torwart Alexander Schwolow – auch er ein Neuer, der wie Zeefuik keinen leichten Start in Berlin erlebt.

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