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Trotz Erfolg in Bundesliga : Warum für den BVB große Gefahren lauern

  • -Aktualisiert am

Will sein Team zu Erfolgen führen: Lucien Favre, Trainer in Dortmund Bild: Reuters

Der zarte Dortmunder Aufschwung ist auch nach dem jüngsten Sieg Bedrohungen ausgesetzt. Das liegt vor allem daran, dass dem ganzen Verein eine wichtige Eigenschaft abhanden gekommen ist.

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          Es wird ja immer wieder gerne und intensiv diskutiert über das Wesen des Lucien Favre, dessen Leidenschaft sich nur selten in großen Gesten und mitreißenden Reden zeigt. Weil der Trainer von Borussia Dortmund darüber hinaus den Ruf genießt, ein großer Fußballästhet zu sein, bewegten sich im Auditorium des Presseraumes viele Augenbrauen erstaunt nach oben, als der 61 Jahre alte Schweizer nach dem eher erkämpften als erspielten Sieg über Borussia Mönchengladbach voller Begeisterung erklärte: „Insgesamt bin ich sehr, sehr zufrieden. Das gefällt mir total, mit 1:0 zu gewinnen.“

          Bundesliga

          Mehrfach verwendete er den Begriff „Arbeitssieg“ zur Beschreibung eines Fußballspiels, das allenfalls in Teilen zum vor der Saison gemalten Selbstbild des Revierklubs passte, der ja eigentlich mit fußballerischer Überlegenheit und viel Souveränität deutscher Meister werden will. Stattdessen war diese Partie ein Statement von hoher Aussagekraft angesichts der vielen Diskussionen, die Borussia Dortmund derzeit beschäftigen.

          Nach zuletzt drei Spielen, die jeweils 2:2 endeten, weil der BVB in der Schlussphase Führungen aus der Hand gab, hat die Mannschaft sich diesmal mit letzter Kraft und viel Hingabe ohne Gegentor durch die Schlussphase geschleppt. „So einem Sieg brauchst du auch mal, um wieder in die Spur zu kommen“, sagte Kapitän Marco Reus, dem endlich ein ganz entscheidendes Tor gelungen war (57. Minute). Zwar waren auch diesmal höhere Kräfte im Spiel, ähnlich wie bei den späten Gegentreffern in den vergangenen Wochen, bei denen es sich in zwei Fällen um Eigentore handelte – jetzt allerdings zum Vorteil des BVB.

          Gegenargument an die Kritiker

          Nach einem deutlich erkennbaren Foul von Mats Hummels an Patrick Herrmann im Strafraum verzichtete Videoschiedsrichter Harm Osmers aus schwer nachvollziehbaren Gründen auf einen korrigierenden Eingriff (72.). „Ein klarer Elfmeter, Hummels trifft den Fuß von Patrick“, sagte Marco Rose, der Mönchengladbacher Trainer. „Schade, dass das heute mit dem Videobeweis nicht funktioniert hat.“ Reus räumte ebenfalls selbstkritisch ein, „dass das Spiel in die andere Richtung hätte kippen können“.

          Es gibt wohl kaum einen anderen Sport und kaum eine andere Branche, wo kleinste Zufälle derart große Auswirkungen haben können. Ein 1:1 hätte schwer kalkulierbare Folgen gehabt, so konnten die Dortmunder sich über einen verdienten Sieg über den Tabellenführer freuen, der ebenfalls stark gespielt hatte. Und weil sie diesmal kein spätes Gegentor zugelassen hatten, taugte der Abend sogar als Gegenargument in den ganzen Kritikerdebatten der vergangenen Wochen. Statt sich Mentalitätsprobleme vorwerfen lassen zu müssen, konnte Torhüter Roman Bürki nach 90 Minuten Hochintensitäts-Fußball zufrieden erklären, der BVB habe „nicht das perfekte Spiel gemacht, aber wir haben gekämpft und alles reingehauen“.

          Reus, dem vorgehalten worden war, im Gegensatz zur Vorsaison nicht mehr diese besonders kostbaren Siegtore zu schießen, hatte sich grippegeschwächt durchgebissen und den Treffer des Tages erzielt. Favres Abwehrkonstrukt mit dem Innenverteidiger Manuel Akanji rechts in der Viererkette ließ zwar drei, vier große Torchancen für Mönchengladbach zu. Axel Witsel konnte vor dem Hintergrund des Zu-Null-Sieges dennoch festhalten: „Das Gute war heute, dass wir defensiv stark waren, dass wir kompakt standen.“

          Allerdings bleibt dieser zarte Aufschwung großen Gefahren ausgesetzt. Am Mittwoch folgt ein bedeutendes Auswärtsspiel in der Champions League bei Inter Mailand (21.00 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Champions League und bei Sky), und das Revierderby auf Schalke am kommenden Wochenende birgt das Potential, ganz neue emotionale Unruhen beim BVB auslösen zu können. Zumal anschließend ein schweres Heimspiel gegen den VfL Wolfsburg und die Partie beim FC Bayern folgen.

          Auch vor diesem Hintergrund wies Reus darauf hin, wie wichtig es gewesen sei, dass die Dortmunder „einen Schritt in die Richtung gemacht haben, in die wir gehen wollen“. Nun hoffen sie, dass der mit einer Knieverletzung ausgewechselte Bürki sich schnell erholt und Jadon Sancho seine Lektion gelernt hat. Der 19 Jahre alte Angreifer war vor der Partie suspendiert worden und musste am Samstagvormittag eine einsame Trainingseinheit absolvieren, statt im Topspiel aufzulaufen.

          Diese Maßnahme sei zum Erhalt der „Mannschaftshygiene“ erforderlich gewesen, erläuterte Sportdirektor Michael Zorc. Offenbar hat Sancho mit seiner Neigung zum jugendlichen Eigensinn immer mal wieder Regeln gebrochen. Die verspätete Rückkehr aus der Länderspielphase hatte das Fass zum Überlaufen gebracht. „Jadon ist eigentlich ein anständiger und guter Junge“, sagte Zorc, „aber er ist noch sehr jung, ist sehr schnell groß geworden und testet vielleicht auch Grenzen aus. Dann ist es an uns, Grenzen zu setzen.“

          In Mailand am Mittwoch soll er wieder spielen, aber der Vorgang ist ein neues Indiz für die Annahme, dass die Alltagsatmosphäre im Team nicht frei von Spannungen ist. Auf dieser Ebene bleibt Borussia Dortmund ein schwer durchschaubares Gefüge, auch weil sich Berichte aus gut informierten Kreisen häufen, dass Favre nicht mehr das volle Vertrauen aller Spieler und seiner Vorgesetzten genießt. „Wir führen keine Trainerdiskussion“, lautete zuletzt die Standardphrase der Verantwortlichen auf Nachfragen in diese Richtung. Aber von der Zuversicht des Sommers ist trotz dieses wichtigen Sieges über die starken Gladbacher nicht mehr viel übrig.

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