https://www.faz.net/-gtm-9q5q9

Bundesliga-Start : Fortuna Düsseldorf in der Zeitschleife

  • -Aktualisiert am

Darf er auch in dieser Saison wieder jubeln? Fortuna Düsseldorfs Trainer Friedhelm Funkel Bild: dpa

Die Sache mit dem verfrühten Abgesang kennt Friedhelm Funkel nur zu gut. Aber das zweite Jahr Bundesliga dürfte für Düsseldorf deutlich schwieriger werden – zumal es im Kader noch nicht wirklich rundläuft.

          Friedhelm Funkels Nächte waren zuletzt etwas kürzer als gewohnt. Er schlafe derzeit nicht nur unruhiger, sondern auch weniger, verriet der Trainer der Düsseldorfer Fortuna vor dem Bundesligaauftakt an diesem Samstag beim SV Werder Bremen (um 15.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Bundesliga und bei Sky). Die Woche vor dem Start sei eben immer noch etwas Besonderes, selbst für einen wie ihn, der seit mehr als 40 Jahren im Geschäft ist. „Jetzt geht’s los, jetzt geht‘s wieder rund, jetzt geht’s wieder um die Wurst, da wird die Anspannung schon größer. Wenn das nicht mehr so wäre, würde ich hier nicht mehr sitzen.“

          Bundesliga
          ANZEIGE

          Dass Funkel auch mit 65 Jahren noch für seinen Job brennt, war erst vergangene Woche zu beobachten: Seine Mannschaft hatte im DFB-Pokal gerade eine in Teilen blamable Vorstellungen beim Fünftligaklub FC 08 Villingen abgeliefert, erst in der Verlängerung hatte sich die Fortuna 3:1 durchgesetzt. Was Funkel gehörig aufs Gemüt geschlagen war: „Ich will gar nichts sagen, sonst rede ich mich in Rage“, lautete sein Kommentar, nur eins wollte er festgehalten wissen: Auf den Bundesligastart lasse der Auftritt keine Rückschlüsse zu, „das ist völlig getrennt zu bewerten“.

          Ein Déjà-vu Düsseldorfer Art?

          Zahlreiche Beobachter sehen das anders, für sie war das Pokalspiel im Schwarzwald eine Bestätigung ihrer Vorahnung, dass es für die Düsseldorfer dieses Jahr eng werden könnte mit dem Klassenverbleib. Fast könnte man denken, die Fortuna stecke in einer Zeitschleife fest, denn die Prognosen hören sich verdächtig nach denen aus der Vorsaison an. Vor einem Jahr, die Düsseldorfer waren gerade frisch in die Bundesliga aufgestiegen, gab es kaum jemanden, der ihnen den Klassenverbleib zutraute. Zu schwach besetzt, zu unerfahren, und dieser Friedhelm Funkel auf der Trainerbank – also bitte. Und so ließ es sich dann auch an, am zehnten Spieltag blickte die Fortuna auf sechs Niederlagen in Folge zurück und hatte fünf Punkte Rückstand auf einen Nichtabstiegsplatz.

          Doch nach 34 Spieltagen waren die Rheinländer punktemäßig näher an einem Champions-League-Platz als am Relegationsrang. Platz zehn mit 44 Punkten bedeutete die beste Fortuna-Saison seit 40 Jahren. Hinterher wurde Funkel in diversen Ranglisten zum Trainer des Jahres gekürt, weil er nicht nur mit einer No-Name-Truppe Dortmund, Gladbach und Schalke geschlagen und den Bayern ein 3:3 abgetrotzt hatte, sondern im Winter zudem einen öffentlich ausgetragenen Machtkampf mit dem damaligen Vorstandschef Robert Schäfer gewonnen hatte. Schäfer wollte Funkel loswerden, unterschätzte aber die Beliebtheit des Trainers und provozierte einen Volksaufstand. Am Ende musste Schäfer selbst gehen. Funkel sitzt seitdem fester im Sattel denn je.

          Trotzdem begleitet die Fortuna nun dieselbe Skepsis wie vor einem Jahr. Auch intern wird das so gesehen. Kaum ein Spieler, der glaubt, dass es nach der starken Rückrunde einfach so weitergeht. Kapitän Oliver Fink mahnt gar, man dürfe die Vorsaison „nicht überbewerten“, es gehe „nur um Platz 15“. Zwar mag es im SC Paderborn und in Union Berlin nun zwei deutlich kleinere Vereine in der Bundesliga geben, „aber ich würde mich davor hüten, die zu unterschätzen“, sagt Fink. Seine eigene Mannschaft habe im Vorjahr schließlich gezeigt, was von verfrühten Abgesängen zu halten sei.

          Wer schießt die Tore für die Fortuna?

          Dass es die nun auch wieder über sein Team gibt, stört Trainer Funkel wenig: „Viele Experten sehen uns auf Platz 16, 17 oder 18. Ja, wir können da unten landen. Aber wir können auch 15., 14. oder 13. werden“, mehr sei „Träumerei“. Funkel kennt natürlich die alte Fußballweisheit, nach der das zweite Jahr nach dem Aufstieg stets das schwerste ist. Und er weiß nur zu gut, dass kaum noch eine der Stützen aus der Vorsaison auf dem Platz steht.

          Das gilt für allem für die Abteilung, die für Tore sorgen soll. Funkel muss nun ohne „die tragenden Säulen für unser tolles Offensivspiel“ auskommen, wie er sagt. Spielmacher Kevin Stöger? Wird die komplette Hinrunde wegen eines Kreuzbandrisses fehlen. Die torgefährlichen Offensivkräfte Benito Raman und Dodi Lukebakio? Beide weg. Zudem hat sich der jahrelange Torhüter Michael Rensing verletzt. Aus dem Kreis der absoluten Stammkräfte des Vorjahrs wird in Bremen lediglich Abwehrchef Kaan Ayhan auf dem Platz stehen. Aber wie lange noch? Auch um ihn gibt es Wechselgerüchte, der türkische Nationalspieler scheut sich davor, seinen nach der Saison auslaufenden Vertrag zu verlängern. Zudem scheint er derzeit spielerisch nicht ganz auf der Höhe zu sein und agiert bisweilen unglücklich. Im Pokal verursachte er einen unnötigen Elfmeter.

          Natürlich hat Sportvorstand Lutz Pfannenstiel für Ersatz gesorgt. Aber kurzfristig werden die wenigsten Neuen helfen können: Flügelstürmer Nana Ampomah, mit vier Millionen Euro Ablösesumme der teuerste Einkauf der Vereinsgeschichte, ist verletzt. Sturmhoffnung Dawid Kownacki hat ebenfalls Probleme und ist nicht voll auf der Höhe. Der neue Innenverteidiger Kasim Adams hat noch Trainingsrückstand. Und selbst wenn sie irgendwann alle fit sind, heißt das laut Funkel nicht, dass sie sofort funktionieren: „Wir sind schon eine Einheit, aber noch keine Einheit auf dem Platz.“ Es könnte etwas dauern, ehe Funkel wieder ruhig schlafen kann.

          Weitere Themen

          Es begann auf dem Bolzplatz

          Jean Zimmer : Es begann auf dem Bolzplatz

          Er ist beliebt, ehrgeizig, enorm schnell und hat es so in die Bundesliga geschafft: Fußballer Jean Zimmer und sein Motto „Niemals aufgeben“.

          Topmeldungen

          Spaniens amtierender Ministerpräsident Pedro Sanchez nach dem Treffen mit König Felipe

          Regierungsbildung gescheitert : Stillstand in Spanien

          Pedro Sánchez hat keine Mehrheit im Parlament. Zum zweiten Mal in diesem Jahr wird im November ein neues Parlament gewählt. Doch die politische Blockade könnte andauern.
          Demnächst möglicherweise seltener zu sehen: „Zu vermieten“-Schild an einem Haus in Berlin-Schöneberg.

          F.A.Z. exklusiv : Mietendeckel schadet den Mietern

          Der Mietendeckel in Berlin soll das Wohnen bezahlbar halten. Doch die Studie eines renommierten Forschungsinstituts zeigt jetzt: Tatsächlich könnte er genau das Gegenteil bewirken.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.