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Eintracht Frankfurt : Irgendwie blockiert

  • -Aktualisiert am

Der Trainer wahrt die Ruhe: Adi Hütter hat seine Eintracht nicht verschwommen im Blick. Bild: dpa

Adi Hütter ist von der Qualität seiner Spieler überzeugt. Auf die Eintracht wartet am Dienstagabend gegen Freiburg ein „richtungsweisendes Spiel“.

          3 Min.

          Wenn Adi Hütter 31 Stunden vor dem Bundesligaspiel seiner Frankfurter Eintracht gegen den SC Freiburg (20:30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Fußball-Bundesliga und Sky) nur einen Hauch von Nervosität oder Anspannung verspürte, dann hat er das sehr gut verborgen. Eine Stärke des 50 Jahre alten österreichischen Fußball-Trainers ist es, seine Emotionen (fast immer) im Griff zu haben, so weit sogar, dass er Gefühlsäußerungen nicht nur unterdrücken kann, sondern sie auch bewusst einsetzt, wenn sie hilfreich sind.

          Bundesliga
          Peter Heß

          Sportredakteur.

          Im Moment kann seine Mannschaft keinen Trainer gebrauchen, der aufgedreht wirkt, den Ernst der Situation betont und energisch eine Leistungssteigerung fordert. Seine Spieler sind nicht unwillig, unfähig oder unkonzentriert – sie sind irgendwie blockiert. Hütter sprach davon, dass nur Nuancen zum Erfolg fehlten oder „dass irgendwann schon spielerisch der Knopf aufgehen wird“. Bis dahin versucht er die Mannschaft zu unterstützen, indem er ihr Vertrauen schenkt, indem er ihr die Qualität unterstellt, die sich während der vergangenen fünf Niederlagen in der Bundesliga nur minutenweise angedeutet hat. Besser blieb im Gedächtnis eine fatale Aneinanderreihung schwerer individueller Fehler in der Abwehr. Nach dem 2:5 gegen Bayern München formulierte es Sebastian Rode so: „Wir brechen uns immer wieder selbst das Genick.“

          „Wir haben Qualität“

          Die beiden unverhofften Tore von Martin Hinteregger, die die Eintracht beim Rekordmeister von 0:3 auf 2:3 herangebracht hatten, entfalteten eine befreiende Wirkung auf die Frankfurter Profis, aber nur neun Minuten lang. Eine Torvorlage von Fernandes für den Münchner Davies und ein Eigentor von Hinteregger glätteten dann schnell wieder das Stimmungshoch.

          Aber immerhin waren da wieder Szenen in München gewesen, die Hütters Credo, das er am Montag wiederholte, Glaubwürdigkeit verliehen: „Wir haben die nötige Qualität, um die nötigen Punkte gegen den Abstieg zu holen.“ Und mit diesem Postulat stimmt er auch sein Team auf das Bundesliga-Heimspiel an diesem Dienstag gegen den SC Freiburg ein. Obwohl die Lage durch den Auswärtssieg von Werder Bremen und das Unentschieden von Fortuna Düsseldorf am vergangenen Wochenende so bedrohlich wie noch nie in dieser Saison geworden ist (vier Punkte bis zum Relegationsplatz), widerspricht Hütter der These, dass es sich gegen Freiburg um ein vorentscheidendes Spiel handele: „Das halte ich für übertrieben, es ist richtungsweisend.“

          Er habe auch noch keinen Punkte-Plan bis zum Ende der Saison entworfen. „Ich habe mich noch nicht damit beschäftigt, wie viele Punkte wir bis zum Saisonende benötigen.“ Der Österreicher betont, dass er sich des Ernstes der Situation bewusst sei. „Wir können die Tabelle lesen und haben Realitätssinn.“ Aber ein Untergangsszenario mag er nicht mit entwerfen, das empfindet er als kontraproduktiv.

          Wobei seine persönliche Lage noch ernster geworden ist als die seiner Mannschaft. Denn die Vereinsführung könnte auch auf die Idee kommen, falls die Trendwende nicht schnell erfolgt, sie mit einem anderen Trainer herbeizuführen, bevor es zu spät werden könnte. Sein Beruhigungsargument, um seinen Spielern gegen Freiburg den Druck zu nehmen, „es sind schon noch einige Runden zu spielen“, verfängt bei ihm weniger. Aber Hütter macht ganz und gar nicht den Eindruck, dass er sein persönliches Schicksal voranstellen würde.

          Welches Personal gegen Freiburg zum Zuge kommen wird, verriet Hütter wie immer nicht. Aber er bestätigte immerhin, dass bis auf Paciência alle spielfähig seien, also auch Abraham, der gegen die Bayern noch angeschlagen fehlte. Das gibt dem Trainer ein Menge Möglichkeiten. Er kündigte an, sich bei der Startelf weniger nach dem Gegner zu richten, sondern den Freiburgern etwas zum Nachdenken zu geben. Das könnte eine Doppelspitze mit Dost und Silva sein, aber auch ein stark besetztes offensives Mittelfeld mit Gacinovic, Kamada und Kostic. Hütter scheint diese Alternative zu favorisieren, denn er sagte am Montag: „Wenn ich die Garantie hätte, dass beide Stürmer heil aus dem Spiel kommen, würde ich mit Doppelspitze spielen.“ So scheint er das Verletzungsrisiko zu scheuen, denn solange Paciência noch verletzt ist, hätte die Eintracht keinen Stürmer mehr auf der Ersatzbank, wenn Dost und Silva spielten.

          In der Defensive könnte die Rückkehr der Dreierkette anstehen. Einerseits würde so dem formschwachen N’Dicka eine Pause gegönnt werden, andererseits käme Hasebe ins Spiel, der nicht nur als Libero die Abwehr lenkt, sondern auch als Quarterback die Bälle verteilt. Und am Spielaufbau haperte es zuletzt ja bei der Eintracht. Aber die taktische Ausrichtung kann nur eine Hilfestellung sein. Auf die Spieler kommt es an, ob sie dem Druck des Abstiegskampfes gewachsen sind und ihre Fehlerquote minimieren. Hütter redet sie stark: „Wir haben genug Qualität und Erfahrung, um von unten wegzukommen.“ Man wird sehen.

          Voraussichtliche Aufstellungen Eintracht Frankfurt – SC Freiburg

          Voraussichtliche Aufstellungen Eintracht Frankfurt – SC Freiburg Frankfurt: Trapp – Chandler, Abraham, Hinteregger, Ndicka – Ilsanker, Rode – Gacinovic, Kamada, Kostic – Dost. Freiburg: Schwolow – Schmid, Koch (Lienhart), Gulde, Günter – Haberer, Höfler – Sallai, Grifo – Höler – Petersen.

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