https://www.faz.net/-gtm-a996e

Leipzigs neuer Torjäger : Alexander Sörloth und der norwegische Einfluss

  • -Aktualisiert am

Erst trifft Alexander Sörloth zum 3:2 gegen Gladbach, dann bereitet er beim 2:0 gegen Wolfsburg beide Tore vor. Bild: dpa

Für viel Geld kam Alexander Sörloth nach Leipzig. Dort folgte er auf Timo Werner. Zunächst lief es gar nicht, nun erlebt der Norweger tolle Tage. Und als Höhepunkt könnte ein besonderes Duell folgen.

          3 Min.

          Vor einigen Tagen war Alexander Sörloth in Berlin, genauer gesagt im Olympiastadion, und was er da erlebte, stand im Kontrast zu dem, was ihm seine Kollegen von diesem Ort erzählt hatten. Kalt war es, der Wind pfiff durch die zugige Arena, und die Tribünen waren verwaist. Ein normales, stimmungsloses Bundesligaspiel in Zeiten der Pandemie, das Sörloth mit seinen Leipzigern 3:0 gegen Hertha BSC gewann.

          Bundesliga

          Wenn alles gut läuft, könnte der 25-Jährige in zwei Monaten wieder in Berlin sein, und abgesehen von den fehlenden Zuschauern würde er dann auch dieses spezielle Flair erleben dürfen, von dem all jene schwärmen, die vor zwei Jahren schon einmal dabei waren, als RB Leipzig im Finale im den DFB-Pokal stand und gegen den FC Bayern verlor (0:3).

          Erfolgreiche Tage für Sörloth

          Dass die Leipziger einer zweiten Finalteilnahme ein gutes Stück näher gekommen sind, hängt auch mit Sörloth zusammen, der Angreifer gehörte zu den entscheidenden Akteuren beim 2:0 im Viertelfinale gegen den VfL Wolfsburg. Als der Angreifer am Mittwochabend nach gut einer Stunde ins Spiel kam, stand es noch 0:0, doch dann nahm sich Sörloth der Dinge an. Seinen Pass vollendete Yussuf Poulsen zum 1:0, auch das zweite Leipziger Tor durch Hwang bereitete er vor. „Alex ist wieder reingekommen und hat das top gemacht“, schwärmte Poulsen.

          Ziemlich tolle Tage sind das, die sein Mitspieler da gerade erlebt. Schon an der furiosen Aufholjagd gegen Gladbach (3:2 nach 0:2) war Sörloth maßgeblich beteiligt, indem er in der Nachspielzeit das Siegtor schoss. „Ja, ich hatte einigen Einfluss zuletzt. Ich hoffe, ich kann daran anknüpfen“, sagt er.

          Wissen war nie wertvoller

          Sichern Sie sich mit F+ 30 Tage lang kostenfreien Zugriff zu allen Artikeln auf FAZ.NET.

          JETZT F+ LESEN

          Einfluss zu haben, darauf musste Sörloth lange warten. Im Spätsommer war er aus Trabzon in der Türkei nach Leipzig gekommen, für 20 Millionen Euro. Die Summe kann sich durch entsprechende Bonuszahlungen gar noch erhöhen. Viel Geld war das, und dann war da ja auch noch der Umstand, dass Sörloth Stürmer ist und ein ebensolcher Leipzig zuvor verlassen hatte. Auch wenn es niemand aussprach, so hoffte man insgeheim doch, dass der Neue den zum FC Chelsea abgewanderten Timo Werner ersetzen könnte.

          Sörloth nutzt seine Chance

          Was nicht nur an der hohen Ablöse lag, sondern auch an Sörloths Nationalität. Der ist Norweger und von Aussehen und Körperstatur einem Landsmann nicht unähnlich, der in den Monaten zuvor die gleiche Ablöse gekostet und die Bundesliga im Sturm erobert hatte: Erling Haaland. Auch dass beide in der norwegischen Nationalmannschaft so gut harmonierten, weckte Hoffnungen.

          Doch anders als sein Freund Haaland hatte Sörloth große Probleme mit den Anforderungen bei seinem neuen Arbeitgeber. Mit türkischen Medien sprach er über die gewaltige Umstellung. Bei Trabzonspor sollte er lediglich für Tore sorgen, mehr wurde ihm vor den Spielen nicht mit auf den Weg gegeben. In Leipzig sind die Anforderungen ungleich komplexer, das Anlaufen der Gegenspieler, Lauf- und Passwege, alles soll und muss miteinander abgestimmt sein. In der von Julian Nagelsmann angeleiteten Fußball-Bildungseinrichtung fühlte sich Sörloth manchmal wie ein Hauptschüler unter Doktoranden.

          Über den Status des Einwechselspielers kam er zwar nicht hinaus, aber Nagelsmann ließ seinen Neuen nicht fallen, sondern verhalf ihm immer wieder zu Einsätzen. Auch wenn Sörloth nicht viele Minuten spielte, so stand er doch regelmäßig auf dem Feld. Anders als bei Haaland war seine Karriere weit weniger durchgeplant. Über kleinere Vereine wie Bodo/Glimt, Groningen oder Midtjylland hatte er sich in die Premier League zu Crystal Palace gespielt. Dort kam er nicht zurecht und reüssierte erst in der Türkei bei Trabzonspor als Torjäger. Die Startschwierigkeiten in Leipzig kamen also nicht von ungefähr, Wettkämpfe auf dem Niveau der Bundesliga war er nicht gewohnt.

          Dass Sörloth passend zur entscheidenden Phase der Saison immer besser in Form kommt, erhöht automatisch die Leipziger Chancen. RB möchte den ersten Titel gewinnen, und obwohl man in der Liga nur zwei Punkte hinter Tabellenführer Bayern München liegt, sagt Torwart Peter Gulacsi: „Wenn man die Wettbewerbe sieht, ist der Pokal wohl das realistischste Ziel, etwas zu gewinnen.“

          Dort sind die Leipziger neben Borussia Dortmund nun, da sonst noch Zweitligaklub Holstein Kiel (3:0 in Essen) und der Sieger des Spiels Regensburg gegen Werder Bremen im Rennen sind, klarer Favorit. Für den Fall, dass beide nicht im Halbfinale aufeinandertreffen, könnte es in Berlin zum Duell kommen. Und damit auch zum direkten Vergleich der norwegischen Torjäger Alexander Sörloth und Erling Haaland.

          Rückspiel zwischen Leipzig und Liverpool in Budapest

          Das Rückspiel im Achtelfinale der Champions League zwischen dem FC Liverpool und RB Leipzig wird ebenfalls in Budapest ausgetragen. Die Europäische Fußball-Union Uefa bestätigte am Donnerstag wie erwartet die Puskas Arena als Spielstätte für die Partie am 10. März. Die Verlegung war notwendig geworden, da die RB-Profis nach einer Rückkehr aus England aufgrund von bestehenden Corona-Vorschriften für zwei Wochen in Quarantäne gemusst hätten. Bereits das Hinspiel hatte in Budapest stattgefunden, am 16. Februar siegte der englische Meister 2:0. Sowohl Leipzig als auch Liverpool hatten sich nach dem ersten Aufeinandertreffen sehr positiv über den Spielort Budapest geäußert. Der Klub von Jürgen Klopp hatte dennoch Alternativen geprüft, aber Stadien in Rotterdam und in Udine standen letztlich nicht zur Verfügung. (dpa)

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Auf Truppenbesuch: Wolodymyr Selenskyj

          Ukraine-Konflikt : Kiews West-Offensive

          Angesichts des russischen Truppenaufmarsches sucht der ukrainische Präsident Selenskyj die Nähe zu EU und Nato. Kann er so das Blatt im Osten seines Landes wenden?
          September 2020: Ministerpräsident Markus Söder (CSU) verfolgt im Bayerischen Landtag eine Rede von Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler).

          Die K-Frage der Union : Söder muss nur noch zuschauen

          Die Unterstützung in der CDU für die Kanzlerkandidatur von Armin Laschet bröckelt Stück für Stück. Umso entschlossener wirkt die CSU. Die christsoziale Kampfmaschine funktioniert reibungslos.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.