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Fußball-Kommentar : Ausverkauf der Bundesliga

Pierre-Emerick Aubameyang ist nur eines der Talente, die von einem deutschen Team ins Ausland wechselten. Bild: Reuters

Im internationalen Vergleich verliert die deutsche Bundesliga immer weiter an Qualität. Vielversprechende Trainer und Spieler wechseln lieber ins Ausland. Ist die Liga zu einer Ausbildungsstätte verkommen?

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          Der Fußball ist zurück, und die Begeisterung für die Bundesliga scheint ungebrochen. Gleich acht Vereine meldeten, dass sie mehr Dauerkarten als in der Vorsaison unter die Fans gebracht haben, insgesamt dürften beinahe eine halbe Million Jahreskarten verkauft worden sein.

          Dabei kann von einem offenen Wettbewerb schon lange keine Rede mehr sein. In der vergangenen Saison hat der FC Bayern München schon zum sechsten Mal in Serie die deutsche Meisterschaft gewonnen, und auch nach dem 3:1 am Freitagabend gegen 1899 Hoffenheim gibt es wenige Gründe dafür, dass der kommende Meister ein anderer sein wird.

          Bei nüchterner Betrachtung ist die Bundesliga also zu einer ziemlich langweiligen Angelegenheit verkommen, subjektiv betrachtet aber reicht die Verbundenheit zu einem Verein offenbar noch immer aus, um Woche für Woche für ausverkaufte Stadien zu sorgen.

          Ausverkauf mit Qualitätsverlust

          Nach dem zurückliegenden Sommer ist das ein gutes Zeichen für die Verantwortlichen, schließlich lag schon lange nicht mehr so viel Schatten über dem Start einer neuen Bundesliga-Saison: das peinliche Vorrunden-Aus der deutschen Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft in Russland; der tölpelhafte Umgang des DFB in der Causa Özil/Gündogan/Erdogan; der zunehmende Ärger der Fans über den Eventfußball auf dem Rasen; der stete Streit darüber, wie sehr sich die Liga Investoren öffnen solle, um im Wettbewerb mit den anderen Ligen Europas nicht abgehängt zu werden.

          Dabei ist dies längst Realität. Engländer, Spanier, Italiener, ja selbst die Franzosen pumpen mit Hilfe von Oligarchen, reichen Scheichs und chinesischen Milliardären dreistellige Millionensummen auf den Transfermarkt, verpflichten Stars wie Neymar oder Ronaldo – und kaufen die Bundesliga leer. Mehrere Dutzend Profis sind in den vergangenen Jahren allein in die Premier League gewechselt, Top-Stars wie Kevin De Bruyne, Roberto Firmino und Pierre-Emerick Aubameyang, Nationalspieler wie Ilkay Gündogan und Mesut Özil, Top-Talente wie Leroy Sané und Caglar Söyüncü. Dazu: Trainer von Weltklasseformat wie Pep Guardiola und Jürgen Klopp. Ein Ausverkauf, der mit einem Qualitätsverlust einhergeht.

          Die Bundesliga? Feiert sich dafür, dass Axel Witsel den Weg zu Borussia Dortmund gefunden hat, ein 29 Jahre alter Belgier, der bisher noch für keinen europäischen Top-Klub spielte und sein Geld zuletzt bei Quanjian in China verdient hat. Immerhin traf der Neuzugang beim 4:1-Auftakterfolg des BVB am Sonntag gegen RB Leipzig.

          Sonst wechselten vor allem Talente aus Frankreich, Kanada, Uruguay oder der Schweiz in die Liga. Ihr Potential scheint derart vielversprechend, dass sie schon in ein paar Jahren reif für die Insel sein werden. Die Bundesliga ist von der Weltmeister-Liga zur Ausbildungsstätte verkommen.

          Bleiben wieder einmal nur die Bayern als Hoffnung. Klub-Präsident Uli Hoeneß hat bereits eine aggressive Transferpolitik für den kommenden Sommer angekündigt. Es wäre der einzige Weg, um doch noch einmal die Champions League zu gewinnen. Für den Reiz der Liga aber reicht der Glanz der Bayern nicht mehr aus.

          Michael Wittershagen

          Zuständig für den Sport in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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