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Frankfurts Remis in Berlin : „Das 3:3 tut uns sehr weh“

Hart bedrängt und mit dem Rücken zum Tor: Silva trifft trotzdem. Bild: Imago

Die Frankfurter liefern sich gegen Union Berlin ein mitreißendes Spiel. Doch die Mühe bleibt ohne große Belohnung. Nach dem 3:3 bleibt die Eintracht im Mittelfeld hängen.

          3 Min.

          Die Frankfurter Eintracht kommt auch nach einem mitreißenden Spiel nicht vom Fleck. Nach sechs Minuten hatte die Eintracht bei Union Berlin mit 0:2 zurückgelegen – und fühlte sich nach einem 3:3 nach neunzig Minuten trotzdem wie ein Verlierer. Nach den Toren von Andrich und Kruse (2. und 6. Minute) hatte Silva die Partie schon zur Pause mit zwei Treffern (27. und 37.) ausgeglichen.

          Bundesliga
          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Nach dieser ebenso überraschenden wie überzeugenden Leistungssteigerung kam die Eintracht in der zweiten Halbzeit dem Sieg immer näher – und der schien ihr mit dem Führungstreffer von Dost (79.) auch zu gelingen. Doch ein herrlicher Treffer von Kruse (82.) machte dieser Hoffnung umgehend ein Ende. Obwohl die Eintracht in neun Bundesligaspielen bisher nur gegen den FC Bayern verloren hat, hängt sie nach dem sechsten Unentschieden im Mittelfeld fest.

          Vor allem die erste Halbzeit hatte es in einem außergewöhnlichen Spiel in sich. Es war eine Hälfte, wie sie die Eintracht in der Bundesliga bisher nicht oft erlebt hat. Schon nach sechs Minuten lag das Team von Trainer Hütter 0:2 zurück – so schnell hatte die Eintracht seit den neunziger Jahren keine zwei Gegentore hinnehmen müssen. Um genau zu sein, geschah das zuletzt 1996 zu Hause gegen den VfB Stuttgart mit Bobic.

          Viel Druck auf Frankfurt

          Beim aktuellen Fehlstart hatte zunächst Torwart Trapp entscheidenden Anteil, dem Ingvartsens flache, aber nicht allzu harte und gefährliche Flanke von der Brust absprang, direkt vor die Füße von Andrich. Der Mittelfeldspieler hatte keine Mühe, nach nicht einmal 100 Sekunden die Berliner Führung zu erzielen. In der vierten Minute hatte die Eintracht beim zweiten Berliner Angriff wieder das Nachsehen. Nach schnellem Umschaltspiel von Union bewegte sich Hinteregger ungeschickt im Duell mit Awoiyi und brachte den Stürmer zu Fall. Kruse, der sicherste Elfmeterschütze der Bundesliga, nutzte in der sechsten Minute seine Chance. Er wartete, bis sich Trapp für die rechte Ecke entschied, und schob den Ball dann in die andere. Nach dieser 2:0-Führung fand sich der Vorjahresaufsteiger Union Berlin plötzlich auf Rang zwei der Liga wieder. Und Trapp sagte später, was wohl alle Eintracht-Spieler nach dem 0:2 fühlten: „Die ersten Minuten waren das Schlimmste, was einem passieren kann.“

          Beflügelt von der schnellen Führung, drängte die Mannschaft der Stunde gegen die Eintracht auf die Entscheidung. Und die Eintracht, zuvor in fünf Spielen sieglos, konnte tatsächlich von Glück sprechen, dass sie nach einer Viertelstunde nicht noch höher zurücklag. Dreimal hatte Union, schon in den vergangenen sieben Spielen unbesiegt, die Chance auf den dritten Treffer. Doch dreimal war Trapp zur Stelle.

          Aufholjagd

          Nach rund zwanzig Minuten nahm dann auch die Eintracht aktiv an der Partie teil. Kostic hatte zunächst Pech, dass sein Volleyschuss nach der ersten guten Frankfurter Kombination von Dost neben das Tor abgefälscht wurde. Drei Minuten später bewies Silva dann jedoch seine ausgeprägten Torjägerqualitäten. Der Portugiese schob den Ball nach einem flachen, langgezogenen Zuspiel von Kamada aus wenigen Metern clever am vergeblich herausstürzenden Union-Torwart Luthe vorbei ins Netz zum 1:2 (27.). Nur zehn Minuten später hatte die Eintracht ein Spiel in die Balance gebracht, was in Rekordzeit verloren schien. Es war wiederum Silva, der, hart bedrängt und mit dem Rücken zum Tor, mit einem gezielten Kopfball in die hintere Ecke nach gefühlvoller Freistoß-Flanke von Kostic zum 2:2 erfolgreich war. Es war sein siebtes Saisontor. Und nebenbei: Den damaligen 0:2-Rückstand nach fünf Minuten gegen Stuttgart hatte die Eintracht 1996 ebenfalls schon zur Pause zum Endstand von 2:2 aufgeholt, damals durch Tore von Ekström und Okocha.

          Knapp ein Vierteljahrhundert später hielt diese Partie in Berlin aber noch mehr Spannungsmomente bereit. In der zweiten Halbzeit entwickelte die Eintracht allmählich Überlegenheit – und stand nun auch in der Defensive solide. Sie hatte in einer sich beruhigenden Partie die besseren, wenn auch zunächst keine erstklassigen Chancen. Dosts Kopfball kurz nach der Pause lenkte Luthe mit einer Hand über die Latte. In der 68. Minute scheiterte Silva nach einem Eckball, als er mit einem flachen Volleyschuss das Tor knapp verfehlte – und eine Viertelstunde vor Schluss konnte Luthe seinen Schuss aus spitzem Winkel reaktionsschnell abwehren.

          In der 79. Minute glückte der Eintracht dann ihr bester Spielzug in der zweiten Halbzeit. Nach einem herrlichen Pass von Kamada hatte Dost dann keine Mühe, aus kurzer Entfernung das 3:2 zu erzielen – die Eintracht schien die Partie endgültig gedreht zu haben. Doch das Gefühl des Sieges hielt nicht lange, nur drei Minuten. Dann war Kruse mit einem herrlichen und unhaltbaren Schuss aus knapp zwanzig Metern in den Torwinkel zu dem zu diesem Zeitpunkt glücklichen 3:3 erfolgreich. „Wir hätten es verdient gehabt, zu gewinnen“, sagte Trapp vollkommen zu Recht. „Das 3:3 tut uns sehr weh.“ Auch damit lag er vollkommen richtig.

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