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Rückkehr der Fußballfans : Nur mit Vernunft gewinnen alle

Bad in der Menge: Fans von West Bromwich Albion feiern mit den Profis den Aufstieg in die Premier League. Bild: Reuters

Das internationale Zeugnis für die DFL und ihre erste Corona-Spielzeit fällt glänzend aus. Doch nun wachsen die Ansprüche: Fans sollen zurück in die Stadien. Doch das wird kein leichtes Spiel.

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          Es war ein erfolgreicher Sommer für Slaven Bilić. Der Coach hat seinen Klub West Bromwich Albion im Juli zurück in die Premier League geführt. Als der Aufstieg feststand, feierten Hunderte Fans vor dem Stadion der alten Industriestadt im Großraum Birmingham. Die Liebe zum Klub wird auch vom aseptischen Corona-Fußball nicht gebremst – keine Chance für das Abstandsgebot. Ähnliche Bilder gab es in der zuletzt im Londoner Südwesten, als dem FC Fulham der Aufstieg glückte. Etliche Fans lassen sich im Fall des Falles nicht von der Vernunft leiten.

          Nun sagte Bilić, einst Profi des Karlsruher SC, dann Trainer in Kroatien, Russland, der Türkei, Saudi-Arabien und England, die ganze Welt schaue auf Deutschland. Er meinte die ganze Fußball-Welt. Die Bundesliga gebe die Regeln vor bei der Frage der Rückkehr von Fans in die Stadien. „Wir warten auf die Modelle aus Deutschland, auch hier in England“, sagte Bilić gegenüber Sport 1.

          Pikiert wegen Alkoholverbot?

          So glänzend fällt es aus, das internationale Zeugnis für die DFL und ihre erste, abgelaufene Corona-Spielzeit. So wachsen aber auch die Ansprüche, vor allem mit Blick auf die zweite Runde. Die Klubs wollen die Fans zurück ins Stadion lassen. Und auch wenn sich alle 36 Vereine hinter den Leitfaden gestellt haben, der einen Verzicht auf Stehplätze, Alkoholausschank und den Verkauf von Auswärtstickets sowie die Personalisierung von Eintrittskarten vorsieht: Einigen Vereinsvertretern fällt es sehr schwer, ihren Vorwärtsdrang über die Pandemie-Beschränkungen hinaus zu zügeln. Auf die Breitbeinigkeit im Auftritt haben die Corona-Monate offenkundig keine nachhaltige Wirkung.

          Dabei ist es nicht so, dass die DFL mit ihrem Geschäftsführer Christian Seifert nicht dasselbe merkantile Interesse hat wie die Klubbosse. Allein: Was sagt es über ihr Gespür für die Lage im Spätsommer 2020, wenn sie sich nach der Mitgliederversammlung pikiert zeigen, dass der Alkohol nicht wieder fließen darf im Stadion? Dass Seifert die Ligamitglieder mahnen muss, dass der Einlass von 10.000 Fans kein „defensiver Ansatz“ sei? In jener Woche, in der über 1000 Neuinfektionen am Tag gemeldet werden und die Testpflicht für Rückkehrer aus Risikogebieten verkündet wird.

          In den vergangenen Wochen war in mehreren Klubs offen von mehr als doppelt so vielen Fans vom ersten Spieltag im September an gesprochen worden – ohne im Detail darzulegen, was die deutschen Klubs denn besser können als die französischen, die nicht mehr als 5000 Zuschauer ins Stadion lassen dürfen. Wie sollen zum Beispiel An- und Abfahrt im Detail geregelt werden, wie können sich Zuschauer vor Aerosolen schützen bei sinkenden Temperaturen im Oktober und November? Die Erfahrung aus den Schlachthöfen scheint zu zeigen: nur mit mehr und ausreichend Abstand.

          Und bei allem Lob für die abgelaufene Saison werden die kommenden Monate weit komplizierter und herausfordernder. Es stimmt: Der Fußball sendet wieder ein Signal in die Gesellschaft. Es müssten nur dringend alle verstehen, dass es auf den Inhalt der Botschaft ankommt. Nur wenn der Liga die Gestaltung eines vernünftigen Corona-Alltags mit Zuschauern gelingt, gewinnen alle. Das wird kein leichtes Spiel.

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