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Kölner Heldt kontert Söder : „Mit populistischen Scheißausdrücken zurückhalten!“

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„Meine Erwartung ist, dass die Politik führt und den Menschen einen Plan an die Hand gibt“: Horst Heldt Bild: dpa

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder fordert Fußballspieler mit „ganz großen Gehältern“ in der Coronakrise zu Solidarität auf. Nun kommt der erste Konter aus der Bundesliga – im schärfsten Ton.

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          Als Lukas Klostermann in den Sozialen Netzwerken nach Ideen für Spendenempfänger fragte, hatte der Nationalspieler des Fußball-Bundesligaverein RB Leipzig die Zeichen der Zeit noch nicht erkannt. Denn trotz der guten Absicht ist es mit Spenden von den Profis als Folge der Coronakrise eher nicht getan. Die „Millionäre in kurzen Hosen“ werden von immer mehr Seiten dazu aufgefordert, auf einen Teil ihrer üppigen Gehälter zu verzichten. Dieser „Soli“ soll den Klubs in ihrem Kampf um die Existenz helfen.

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          Besonders deutlich wurde Bayerns Ministerpräsident Markus Söder. „Ich fände es zum Beispiel in Ordnung, wenn Spieler, die ganz große Gehälter bekommen, zur Aufrechterhaltung des Spielbetriebes ihrem Arbeitgeber gegenüber ein bisschen zurückhaltender wären mit dem Geld“, sagte Söder der „Bild“-Zeitung. Laut dem CSU-Politiker ist angesichts der „vielen Millionen, die da jedes Jahr verdient werden“, vor allem „Solidarität gefragt, nicht nur von den Vereinen, sondern auch von den Spielern“.

          Horst Heldt trat diesen Aussagen mit einer drastischen Wortwahl entgegen. „Ich glaube, es wäre absolut sinnhaft, dass man sich mit populistischen Scheißausdrücken erst mal zurückhält“, polterte der Sport-Geschäftsführer des 1. FC Köln: „Ich weiß, dass Fußballprofis ein soziales Gewissen haben. Ich finde es unverschämt und anmaßend, das öffentlich infrage zu stellen.“ Und Heldt weiter: „Meine Erwartung ist, dass die Politik führt und den Menschen einen Plan an die Hand gibt und sich nicht mit Vorschlägen in Teilbereiche hineinbewegt, nur um populistisch dazustehen.“

          Wie Heldt geht die Spitze der Deutschen Fußball Liga (DFL) davon aus, dass es Solidarität vonseiten der derzeit unterbeschäftigten Profis geben wird. Laut DFL-Boss Christian Seifert, der am Montag aufgrund der Saison-Unterbrechung den Überlebenskampf des Profifußballs ausgerufen hat, sind zahlreiche Vereinsbosse bereits mit entsprechenden Anliegen an die Spieler herangetreten.

          „Gehen sie davon aus, dass es jeder Klubverantwortliche so sieht und auch viele Spieler es so sehen werden“, antwortete Seifert auf Fragen nach der Bereitschaft der Profis: „Ich gehe davon aus, dass es innerhalb der Klubs eine gewisse Solidarität geben wird, wie es uns andere Profiligen bereits vorgemacht haben.“

          Das Hoffen auf die Vernunft der Profis war auch ein Grund dafür, warum bei der Krisensitzung der Klubchefs laut Seifert „noch nicht konkret“ über staatliche Hilfen gesprochen wurde. Dass es trotz der 56.000 Arbeitsplätze bei den Vereinen in erster Linie um die kleine Kaste der Berufsfußballer geht, zeigt ein Blick in den zuletzt vorgelegten DFL-Wirtschaftsreport.

          Darin wird aufgeführt, dass die Profiklubs in der vergangenen Saison insgesamt 1,67 Milliarden Euro an Gehältern für ihre Spieler und Trainer ausgegeben haben. Mit Blick auf die Eliteklasse bedeuten die Zahlen, dass ein Bundesligist im Schnitt 80 Millionen Euro für seinen Kader berappen muss. In der zweiten Liga sind es 7,7 Millionen Euro.

          Doch nicht nur von den Profis wird Solidarität gefordert. Auch die Vereine sollen sich gegenseitig helfen. „Es schlägt die Stunde der Solidarität. Der Starke hilft dem Schwachen. Ich würde mir wünschen, dass dieser sehr naheliegende Solidaritätsgedanke bei allen Protagonisten der Bundesliga Konsens ist“, äußerte Mehrheitseigner Dietmar Hopp von der TSG Hoffenheim.

          Für die Idee eines Solidarfonds hegt der 79-Jährige deshalb „durchaus Sympathie“. Da dürfe es „keine Denkverbote“ geben, sagte Hopp. Damit schließt sich der Milliardär den Aussagen von Uli Hoeneß an. Der Ehrenpräsident des deutschen Rekordmeisters Bayern München hatte über den Sport hinaus in den aktuellen Zeiten für ein Gemeinschaftsgefühl geworben.

          Dagegen hatte sich Hans-Joachim Watzke eher ablehnend geäußert. „Am Ende können nicht die Klubs, die ein bisschen Polster angesetzt haben in den letzten Jahren, die Klubs, die das nicht getan haben, dafür auch noch belohnen“, sagte der Geschäftsführer von Borussia Dortmund zuletzt. Dafür wurde Watzke von Thomas Röttgermann heftig kritisiert. „Ich weiß nicht, was ihn dazu getrieben hat“, sagte der Vorstandsboss von Fortuna Düsseldorf der Rheinischen Post: „Ich halte das für absolut unsolidarisch. Es war weder der richtige Zeitpunkt noch der richtige Inhalt.“

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