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Bundesliga-Übersteiger : Unglaublich, einfach schlecht, es muss Bessere geben

Der FAZ.NET-Übersteiger zur Fußball-Bundesliga Bild: FAZ.NET

Am vergangenen Spieltag schossen die Spieler aus allen Rohren - auf die Schiedsrichter. Grund genug, um den Spieß umzudrehen. Was müssen wir beobachten? Fehler über Fehler. Einfach schlecht. Der FAZ.NET-Übersteiger zum Bundesliga-Spieltag.

          Erinnern Sie sich noch ans vergangene Wochenende? Natürlich tun Sie das. Die Herren Bundesligaprofis hatten vor allem den Schiedsrichtern einiges mitzuteilen. „Wenn man so viele Fehler macht, ist es erstaunlich, dass man noch als Fifa-Schiedsrichter durchgeht. Das ist unglaublich, einfach schlecht. Ich finde, es muss Bessere geben. Das kann so nicht weitergehen und ist auch traurig für die Liga.“ Das saß. Wissen Sie, wer das sagte? Pizarro? Oder Klopp? Vielleicht Kovac? Sammer? Ach nein, der hat ja inzwischen die Seiten gewechselt.

          Tobias Rabe

          Verantwortlicher Redakteur für Sport Online.

          Da kann man schon mal durcheinanderkommen inmitten all der Schimpftiraden. Also: Es war Jens Lehmann, der „Fifa-Schiedsrichter“ Babak Rafati nach dem Spiel in Frankfurt in verbalen Dauerbeschuss nahm. Aber der Torwart des VfB Stuttgart ist jüngst 39 Jahre alt geworden, da wird er in zwei Jahrzehnten Profifußball viele unfehlbare Unparteiische erlebt haben und sollte wissen, was er sagt. Es muss Bessere geben. An diesem Spieltag hätte Lehmann seinen Blick auf die lieben Kollegen richten können. Unbegreifliches hätte er dort beobachten müssen.

          Fehlerquelle Hannover

          Erst betätigt sich Bochums Torwart Daniel Fernandes als einarmiger Bandit und legte Hannovers Jan Schlaudraff den Ball einschussbereit zum 1:0 vor die Torlinie. Schlimm so was. Was der Kollege kann, kann ich aber noch viel, viel besser, dachte sich vermutlich Fernandes' Gegenüber Florian Fromlowitz - und schubste sich das Spielgerät zum Ausgleich gleich selbst ins Netz. Oh je.

          Fehlerquelle Dortmund

          Frankfurts Schlussmann Oka Nikolov hat sich bei der Spielvorbereitung wohl zu sehr an der Freitagspartie orientiert und griff bei der ersten Dortmunder Ecke gleich in den ganz freien Raum. Subotic war so frei, das Spielgerät ins Tor zu köpfen. Ähnlich frei war auch Eintrachts Fink wenig später. Nur wusste er im Mittelkreis weniger mit dem Ball anzufangen. Also überließ er ihn lieber kampflos den Borussen. Einfach schlecht. Hajnal vollendete letztlich zum 2:0.

          Fehlerquelle Leverkusen

          Schalkes Kobiaschwili und der Ball - auch keine Freundschaft fürs Leben. Als Verteidiger sollte man sich nicht auf Tändeleien einlassen, der Georgier tat es dennoch. Danach fuhr Bayers Renato Augusto einmal fußballerische Achterbahn mit dem nicht schwindelfreien Kobiaschwili. Die Kollegen Bordon und Westermann deckten sich zu allem Überfluss gegenseitig und der allzu freie Kießling traf zur Leverkusener Führung. Oh, Herr.

          Fehlerquelle Mannheim

          Im Hoffenheimer Ausweichquartier scheint 1899-Torwart Daniel Haas seine Strafraum-Radar noch nicht so ganz richtig eingestellt zu haben. Beim Wolfsburger Freistoß vor dem 2:2 segelte er mit recht unorthodoxen Bewegungen in den ballfreien Raum und prallte an den Stürmern ab. Dzeko bedankte sich mit einem humorlosen Abstauber.

          Fehlerquelle Berlin

          Der Schiedsrichter-Assistent hob nach einem Hamburger Foul die Fahne, erkannte aber sogleich, dass sich für die Herthaner ein Vorteil ergab. Also schnell wieder runter und weiter. Vorbildlich. Theoretisch. HSV-Verteidiger Bastian Reinhardt schaltete nicht so schnell und ließ seinen Berliner Gegenspieler gegenwehrlos laufen. Domowtschijski traf anschließend zum Sieg bringenden 2:1. Lernt man nicht schon in der C-Jugend, dass das Spiel erst mit dem Pfiff des Schiedsrichters unterbrochen wird?

          Fehlerquelle Mönchengladbach

          Was hat sich Borussias Steve Gohouri nur bei seinem Foul im Strafraum an Bayerns Franck Ribéry gedacht? Der hölzerne Abwehrspieler nutzte sein Bein wie eine Parkhaus-Schranke, der kleine Franzose wurde in seinem Sololauf unsanft gebremst. Ribéry verwandelte den Elfmeter zum 2:0 für die Münchner.

          Fehlerquelle Cottbus

          Und wieder sah ein Torwart nicht gerade glücklich aus. Erst faustete Karlsruhes Schlussmann Markus Miller einen Eckball in die Mitte ab, dann konnte er sich nicht zur bedingungslosen Attacke oder zur Rückkehr auf die Linie entscheiden - Branko Jelic ließ sich nicht bitten und hob den Ball gekonnt per Fallrückzieher ins Netz zum einzigen Treffer des Tages in Cottbus.

          Fehlerquelle Stuttgart

          Die anderen 212 eingesetzten Profis, die an diesem Wochenende nicht durch grobe Schnitzer vor Toren auffielen, erwähnen wir mal nicht. Hat Lehmann ja auch nicht gemacht. Deswegen taucht der Stuttgarter Schlussmann selbst auch in unserer Fehlersammlung nicht auf. Sein verheerend misslungener Abwurf auf den Bielefelder Christopher Katongo über geschätzte siebeneinhalb Meter hatte schließlich keine ergebnistechnischen Folgen, weil der Arminen-Stürmer den Ball nicht im Tor unterbrachte. Könnten doch nur alle ihre Fehler so schnell ausbügeln wie Lehmann. Fragen Sie mal Rafati.

          Und nun erinnern Sie sich an Lehmanns Aussage und ersetzen „Fifa-Schiedsrichter“ durch „Bundesliga-Profi“. „Wenn man so viele Fehler macht, ist es erstaunlich, dass man noch als Bundesliga-Profi durchgeht. Das ist unglaublich, einfach schlecht. Ich finde, es muss Bessere geben. Das kann so nicht weitergehen und ist auch traurig für die Liga.“ Lehmann kam einer DFB-Ermittlung davon, weil er „die Grenze der verfolgungswürdigen Unsportlichkeit ganz knapp unterschritten“ hatte. Damit dürften auch wir auf der sicheren Seite sein...

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