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Bundesliga-Übersteiger : Die Pfeife des Spitzenspiels

Der FAZ.NET-Übersteiger zur Fußball-Bundesliga Bild: FAZ.NET

Mindestens die halbe Fußballwelt schaute auf das Duell zwischen Bayern und Hoffenheim. Sie wurden nicht enttäuscht. Und wer war nun der Mann des Spiels? Ibisevic? Lahm? Oder Toni? Wir plädieren für einen ganz anderen. Der Bundesliga-Übersteiger.

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          Das tat gut. Nach den inzwischen gewohnt mittelmäßigen bis schlechten Leistungen der deutschen Abgesandten auf den Fußballfeldern des Kontinents unter der Woche stellte die Ouvertüre des 16. Bundesliga-Spieltags eine echte Wohltat dar. Die Spielplangestalter scheinen zu wissen, welche die beste Medizin für die geschundenen Zuschauerseelen ist. Niemand konnte freilich ahnen, dass der famose Aufsteiger aus Hoffenheim als Spitzenreiter zum aufstrebenden Meister nach München reisen würde - und ein Leckerbissen dabei herauskommt.

          Tobias Rabe
          (tora.), Sport

          Bei so vielen fußballerischen Glanzleistungen fällt es schwer, einen der Protagonisten in kurzen Hosen herauszuheben. Wer gefiel Ihnen am besten? Vedad Ibisevic, der sein sowieso schon unglaubliches Konto auf 18 Treffer aufstockte? Oder Tobias Weis, der seinem Ruf als „Mini-Gattuso“ alle Ehre machte? Oder Philipp Lahm, der sich ein Fußballerherz nahm und so die Wende ermöglichte? Oder Luca Toni, der erst nichts traf, in letzter Sekunde aber erst zum Sieg ein- und danach seine Kollegen als ungelenker Pistolero imaginär abschoss?

          Wenn der Spieler die heiße Kartoffel schnell fallen lässt

          Unser Mann des Spiels hatte keinen einzigen Ballkontakt, zeigte keinen Übersteiger, schoss nicht einmal aufs Tor - geschweige denn auf Mitmenschen - aber gewann doch alle Zweikämpfe in den fünfundneunzigeinhalb Minuten: Schiedsrichter Florian Meyer. Besonders gefiel uns eine Szene in der 72. Minute. Hoffenheims Demba Ba hatte schon Gelb gesehen und danach die ein oder andere Benimmregel verletzt. Nach einem Piff gegen ihn nahm er mit dem leidigen Reflex des Profis den Ball in die Hand, um eine rasche Fortsetzung des Spiels zu verhindern.

          Die richtige Mischung aus Distanz und Nähe: Schiedsrichter Meyer beruhigt die Streithähne
          Die richtige Mischung aus Distanz und Nähe: Schiedsrichter Meyer beruhigt die Streithähne : Bild: AP

          Meyer, der alles nur wenige Meter vom Tatort entfernt beobachtet, machte zwei schnelle Schritte auf den nicht so artigen Stürmer zu - und Ba ließ den Ball fallen, als wäre er eine heiße Kartoffel. Es war nicht die einzige Situation, die der Unparteiische ohne aufgesetzte Theatralik oder wilde Pfeifenpusterei löste. Seine vorbildhafte Vorteilsauslegung, seine klare Gestik bei strittigen Entscheidungen und seine beruhigende wie bestimmte Ansprache an die Akteure sind unstrittig nachahmenswerte Beispiele für den Lehrfilm beim nächsten Schiedsrichter-Lehrgang.

          Doppel-Gelb hätte Meyer weltweit zu Ruhm verholfen

          Moment, werden Sie nun vielleicht sagen. So fehlerfrei war Meyer doch gar nicht. Was war denn da los, als Hoffenheims Torwart Daniel Haas Bayerns Stürmer Luca Toni in die Parade fuhr und den italienischen Riesen im Strafraum zu Fall brachte? Oder als Andreas Beck Franck Ribéry den Ball einfach nicht rausrückte und dafür vom Franzosen unsanft geschubst wurde? Und vor allem: Wieso darf ein Vedad Ibisevic vor dem Einschießen zu Hoffenheims 1:0-Führung seinen Gegenspieler Massimo Oddo mit Armeinsatz aus der Schussbahn räumen?

          Meyer handelte goldrichtig. Bei Tonis Fall sah der letzte Zweifler in der Zeitlupe, dass der Italiener seine Torchance sinken sah und nur noch den letzten einfädelnden Rettungsanker sah. Und bei Beck und Ribéry muss einfach mal ein mahnendes Wort statt Doppel-Gelb reichen. Dabei wusste Meyer wohl auch, dass das Spiel in 168 Länder der Welt übertragen wurde. Eine Einlage wie seinem jungen Kollegen Thomas Metzen vor zwei Wochen in Liga zwei, als er synchron zwei Karten aus der Brusttasche zog, hätten Meyer zu veritablem Ruhm verholfen.

          Er hat alles richtig gemacht, unser Mann des Spiels

          Doch Meyer spielte den Muster-Schiedsrichter - und wandte auch die aus Kreisen von Spielern und Trainern häufig geforderte internationale Regelauslegung bei Ibisevics Tor an. Ein Stoß wie der des Bosniers gehört zum Körperkontaktsport Fußball. Gegenspieler Oddo war in diesem Fall der Leidtragende, doch auch Landsmann Toni wirft sich etwa gerne ins Getümmel. Da hat Oddo bislang nie protestiert - und innerlich wird er als Italiener wissen, dass ein wenig Protest zum Handwerk des Profis gehört, aber Meyer mit der Entscheidung richtig lag.

          Unparteiische geben gerne das Motto zum besten, dass sie am zufriedensten sind, wenn nach einem Spiel niemand über sie spricht. Denn das bedeute, dass sie gut und ohne strittige Entscheidungen geleitet haben. In München sprachen sie nach der Partie dezent über Florian Meyer, vornehmlich wegen des Zweikampfs vor Ibisevics Treffer. Doch in diesem Fall muss sich der Schiedsrichter nicht die geringsten Gedanken machen. Er hat alles richtig gesehen, unser Mann des Spitzenspiels. Das musste mal gesagt werden, Herr Meyer.

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