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Bundesliga-Transferfenster : Die Ruhe vor dem großen Sturm?

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Will auf dem Transfermarkt aktiv werden: Bayerns Sportdirektor Hasan Salihamidzic. Bild: dpa

Im Winter suchen viele Klubs nach Schnäppchen, andere wollen ihre Kader ausdünnen. Der BVB möchte sich in diesem Jahr bei Einkäufen zurückhalten. Die Bayern indes „sind an einigen Sachen dran“. Was steht an auf dem Transfermarkt?

          Der aktuelle Branchenprimus aus Dortmund will sich zurückhalten, Rekordmeister München möchte den Markt sondieren. „Wir werden schauen, ob etwas möglich ist“, kündigte Bayern-Sportdirektor Hasan Salihamidzic vor dem neuen Winter-Transferfenster an. Beim ungeschlagenen Bundesliga-Tabellenführer Borussia scheinen zwischen dem 1. und 31. Januar keine Zukäufe geplant: Der Kader von Fußball-Lehrer Lucien Favre ist mit 29 Spielern so groß, dass es eher darum gehen dürfte, ihn zu verkleinern.

          Ein klares Anforderungsprofil hat Salihamidzic bei eventuellen Verpflichtungen nicht. Aber: „Wir sind an einigen Sachen dran und werden versuchen, etwas zu machen.“ Zuletzt machten intensive Gerüchte die Runde, die Münchener wären bereit, eine festgeschriebene Ablösesumme von 80 Millionen Euro für Weltmeister Lucas Hernández von Atlético Madrid zu bezahlen. Für Salihamidzics Dortmunder Kollegen Michael Zorc gilt es indes, Abschiede vorzubereiten: Der Japaner Shinji Kagawa dürfte sich Richtung Spanien orientieren, auch der häufig verletzte Sebastian Rode ist Kandidat für einen Wechsel.

          Die Planungen sind in vollem Gang

          Vor Jahresfrist hatte der BVB mit über 74 Millionen Euro hohe Einnahmen. Für Pierre-Emerick Aubameyang überwies der FC Arsenal 63,75 Millionen Euro, Betis Sevilla ließ sich Marc Bartra 10,5 Millionen Euro kosten. Derartige Summen sind diesmal wegen der Marktwerte von Kagawa und Rode, die bei rund 14 Millionen Euro liegen, nicht zu erwarten. Der defensive Mittelfeldspieler Dzenis Burnic (20) gilt als Kandidat für eine Ausleihe.

          Andere Vereine suchen dringend nach Verstärkungen. Die Abstiegsangst wird vor allem die Aufsteiger Fortuna Düsseldorf, 1. FC Nürnberg, den VfB Stuttgart und Hannover 96 umtriebig machen. Nach neun Treffern in 14 Begegnungen haben die Schwaben Offensivbedarf. Längst kursieren Namen: Timothy Weah vom Thomas-Tuchel-Klub Paris Saint-Germain, die Dortmunder Rode, Kagawa und Maximilian Philipp, aber auch Sandro Wagner von den Bayern oder der Mönchengladbacher Patrick Herrmann werden als Zugänge gehandelt. Spätestens nach dem 0:3 in Mönchengladbach am Sonntag war für den ehemaligen Nationalspieler Mario Gomez klar: „Wir brauchen mehr Entlastung.“

          Hat Unterstützung dringend nötig: Dem VfB Stuttgart fehlt eine wirkliche Alternative zu Angreifer Mario Gomez.

          In Nürnberg wird mit Offensivmann Kingsley Schindler vom Zweitligaklub Kiel spekuliert. Sportvorstand Andreas Bornemann indes fragt sich, wie viel Risiko der „Club“ denn eingehen muss, um den Ligaverbleib garantieren zu können. „So viel Geld werden wir definitiv nicht haben“, sagte Bornemann dem „Kicker“ über mögliche Transfers, die mit Blick auf den angestrebten Klassenverbleib ein finanzielles Risiko bedeuten könnten.

          Hannover sucht drei bis vier Verstärkungen: einen Innenverteidiger, einen Flügelspieler, einen Stürmer. Lutz Pfannenstiel, der am 16. Dezember bei Fortuna Düsseldorf sein neues Amt als Sportvorstand antritt, dürfte viel Arbeit vor sich haben, um seine Ziele durchzusetzen: Er möchte „dabei helfen, dass sich Fortuna in der ersten Liga etabliert“.

          Weil der Kader von Trainer Friedhelm Funkel vor allem über die Physis um Erfolge kämpft, braucht der Aufsteiger Ergänzungsspieler wie etwa den Kieler Schindler, den linken Verteidiger Jonas Knudsen von Ipswich Town oder als zentralen Mittelfeldmann den Mönchengladbacher Lászlo Bénes. Die Pfannenstiel-Herausforderung wird dabei im finanziellen Bereich liegen: Bei einem Plus von 1,6 Millionen Euro, das die Fortuna im Aufstiegsjahr machte, wird sich Pfannenstiel hauptsächlich um Leihmaßnahmen kümmern.

          Bei RB Leipzig sind Mittelfeld und Offensive unterbesetzt. „Im Winter werden wir uns definitiv verstärken“, kündigte Vorstandschef und Geschäftsführer Oliver Mintzlaff an. 1899 Hoffenheim denkt eher daran, Spieler zu verleihen: Justin Hoogma, Felipe Pires und Robin Hack sind Kandidaten. Werder Bremen möchte Luca Caldirola und Thanos Petsos verkaufen. Der VfL Wolfsburg strebt eine Kaderverkleinerung an. Und Einkäufe? „Wenn etwas Gutes dabei ist und zur Entwicklung der Mannschaft passt, haben wir immer die Augen offen“, sagte Trainer Bruno Labbadia.

          Die Winter-Transferperiode ist klar definiert: Vom 1. bis einschließlich 31. Januar kann gewechselt werden. Anträge und Vertragsunterlagen müssen bis spätestens 18.00 Uhr des letzten Tages der Wechselphase über das Transfer-Online-Registrierungssystem (TOR) der Deutschen Fußball Liga gestellt und eingereicht werden.

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