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Bundesliga-Transfers : Beraten und verkauft

In der Bundesliga geht es um mehr als ein paar Euro - vor allem in den beiden Transferperioden Bild: Dieter Rüchel

Wie korrupt ist die Bundesliga? Es geht um Bestechung, Geldwäsche, Untreue und Steuerhinterziehung. Experten halten diffuse Transfers neben Spielabsprachen für die größte Gefahr im Fußball.

          Diese Handelswochen haben es mal wieder in sich. Ständig müssen die Transferlisten der Deutschen Fußball Liga (DFL) in Frankfurt aktualisiert werden. Vereine, die Spieler abstoßen wollen, können täglich den notwendigen Antrag stellen, um dann den Wechsel mit einem Abnehmer zu fixieren. Einen Monat lang können Kicker in diesem Winter hin- und hergeschoben werden, im Sommer sind es sogar zwei.

          Michael Ashelm

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Christoph Becker

          Auf der Suche nach schnellen Verstärkungen verhalten sich die Klubs wie Getriebene. Je näher die Schlusszeit in der Transferperiode rückt, desto hektischer wird gedealt. Wenn an diesem Dienstag um 18 Uhr in der DFL-Zentrale der Hammer fällt, werden die Bundesligavereine innerhalb von vier Wochen mehr als 50 Millionen Euro ausgegeben haben. Ein riesiges Geschäft mit neuen sportlichen Hoffnungen. Und ein Geschäft mit Schattenseiten. Schon lange ranken sich üble Gerüchte um den Handel mit Fußballprofis, und daran hat sich bis heute nichts geändert. Nur die Summen werden immer größer.

          Experten machen ein gefährliches Maß an krimineller Energie aus, halten die diffusen Deals neben Spielabsprachen für die zweite große Gefahr im Fußball. Eine Gefahr, die nicht nur von dubiosen Spielerberatern ausgeht, sondern genauso von Trainern und Vereinsmanagern. „Spielertransfers sind ein hochkorrupter Bereich - auch in der Bundesliga“, sagt Marco Balmelli. Und nicht nur er klagt an.

          Der Schweizer ist Rechtsanwalt, Richter beim Internationalen Sportgerichtshof, Mitglied des Stiftungsrates beim Basel Institute on Governance und berät Fußballspieler. Er kennt Mechanismen und Schwächen des Systems. Die finanzielle Bewertung der Profikicker ist kaum nachvollziehbar. Zudem fehlt die Transparenz beim Vermakeln der Spieler. Und es geht um Hunderttausende oder Millionen Euro. Das macht die Sache so anfällig.

          Es gibt verschiedene Spielarten der Abzocke: Transfersummen werden künstlich hochgetrieben, Gelder über verwirrende Gegengeschäfte verschoben, Beraterhonorare verdoppeln oder verdreifachen sich, weil angeblich so viele andere Vereine mitbieten, plötzlich werden zusätzliche Personen zur „Abwicklung“ des Vereinswechsels in den Transferprozess eingebunden und Scouts oder unbekannte Agenturen im Ausland präsentiert, deren Dienste unbedingt notwendig waren bei der Auswahl des Spielers. Alle verdienen mit - und so entsteht eine schöne, lange Verwertungskette.

          „Der eine legt hin, der andere nimmt“

          Je mehr Transfers ein Verein abschließt, desto misstrauischer müsste man sein. Der Betrugsklassiker sind verdeckte Provisionen - genannt Kick-back. Ein simples Geschäft in einer Branche, in der zwischen 5 und 45 Prozent Provision für Berater üblich sind. Hier teilen sich Vereinsangestellte, insbesondere Trainer oder Manager, die Beute eines Transfers mit dem Spielerberater, der eine gewisse Summe seines Honorars schwarz zurückreicht.

          Selbstbedienung als Prinzip, ein typisches Doppeltäterdelikt. „Der eine legt hin, der andere nimmt. Es gibt kein klassisches Opfer. Niemand ist wirklich an der Aufklärung interessiert“, sagt Balmelli. „Es gibt heute noch Fälle, in denen Spielerberater ohne ihren Mandanten ihre Provision mit dem Verein aushandeln“, sagt Gregor Reiter, Geschäftsführer der deutschen Vereinigung der Spielerberater. „Ich halte das für unmöglich.“

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