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Bundesliga-Trainer : Das Ende der Leitwölfe

Leitwolf-Dämmerung: Van Gaal in München Bild: dapd

Wenn aus Meistertrainern lahme Enten werden: Bayern, Schalke und der Hamburger SV scheitern nicht am falschen Coach, sondern an sich selbst. In Dortmund hingegen triumphiert hingegen ein Modell der Kooperation.

          5 Min.

          Was für eine Woche! Die Schlagzeile am Montag: van Gaal weg (siehe: FC-Bayern-Kommentar: Van Gaal muss gehen - und dann?). Am Dienstag: Veh weg (siehe: Hamburger SV: Amtsmüdigkeit bei Armin Veh). Am Mittwoch: Magath weg (siehe: Fußball-Bundesliga: Magath-Modell in Schalke zerschellt). Auch die Bundesliga hat sich während des Karnevals ihre tollsten Tage des Jahres gegönnt, und als sie am Aschermittwoch vorbei waren, hatten sich in München, Hamburg und Schalke drei Meistertrainer in lahme Enten verwandelt, nur Magath wehrt sich noch nach Kräften. Die Bundesliga-Schwergewichte suchen aber nach den angekündigten Rücktritten und Rausschmissen händeringend nach Ersatz für die neue Saison.

          Michael Horeni
          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Drei neue Trainer jedoch, das schwant den Vereinsvorständen und den Fans im tragischen Dreieck der Fußballrepublik, werden die Lösung alleine kaum bringen. Denn der Rekordmeister aus dem Süden, der Bundesliga-Dino aus dem Norden und der ewige Meister der Herzen aus dem Westen haben weit mehr verloren als nur ein paar Spiele zu viel. In dieser Saison wird angesichts des ganzheitlichen Teamspirits, der Klubs wie Dortmund, Mainz und Freiburg von ganz oben bis unten durchzieht, offensichtlich wie nie: Die Traditionsklubs FCB, HSV und S04 scheitern nicht am falschen Trainer, sondern an sich selbst. HSV-Coach Veh, der an diesem Sonntag beurlaubt wurde, hat es auf den springenden Punkt gebracht: „So kann man nicht arbeiten.“ Warum eigentlich nicht? Oder besser: Warum kann man heute nicht mehr so arbeiten? Mit dem Triumph von Borussia Dortmund ist ein Modell der Kooperation, das sich als Haltung durch einen gesamten Verein zieht, von einem Nischenprodukt zum Vorbild der gesamten Liga gereift.

          „Ohne uns die Schulter wund zu klopfen, muss man schon festhalten, dass Sportdirektor Michael Zorc, Aki Watzke und ich in einer großartigen Atmosphäre arbeiten. Der Respekt voreinander ist riesengroß. Niemand glaubt, dass ich die falschen Maßnahmen ergreife, niemand glaubt, dass unser Trainer nicht gut genug sei, niemand glaubt, dass der Umgang mit der Mannschaft zu weich wäre. Wir alle haben uns mit Haut und Haaren auf diese Situation eingelassen und wollen erfolgreich sein. Und zwar hier und jetzt und nicht erst in fünf, sechs Jahren.“ Das hat Trainer Jürgen Klopp gesagt. Aber nicht von oben herab als weit enteilter Tabellenführer. Sondern im Januar 2010, als Tabellenfünfter hinter Bayern, Schalke und dem HSV.

          Kämpfendes Schwergewicht: Felix Magath auf Schalke
          Kämpfendes Schwergewicht: Felix Magath auf Schalke : Bild: dpa

          Vorbilder Dortmund, Mainz und Freiburg

          Bis dahin hatten viele in der Branche glauben machen wollen, dass kooperatives und emotionales Führen nur in der Nische funktioniert, falls überhaupt. Bei Vereinen wie Mainz und Freiburg, die sich seit Jahren dieser Haltung verpflichtet fühlen, wurde so getan, als ob dieses Konzept nur in beschaulichen Welten auf niedrigem Niveau zwischen erster und zweiter Liga möglich wäre. In dieser Saison zeigt sich das Gegenteil: Erst Kooperation auf allen Ebenen, nicht nur auf dem Platz, macht Spitzenleistungen gegen eine finanziell übermächtige Konkurrenz möglich.

          Nun wollen auf einmal ganz viele Klubs so sein wie Dortmund, Mainz und Freiburg. Oder zumindest deren Trainer kaufen, weil sie hoffen, dann würde es bei ihnen genauso laufen. Aber das dürfte kaum funktionieren. „Wenn man die Erfolge dieser Mannschaften und Vereine sieht, muss man sich schon fragen, ob das nicht auch ein Umdenken über die Arbeitsweise auf der Vereinsebene nach sich ziehen muss“, sagt Bernhard Peters, der Sportdirektor von Hoffenheim.

          Es geht um das Ende des Leitwolf-Prinzips, auch in der Führungsetage. Auf dem Spielfeld ist das Wappentier des altdeutschen Fußballs in den vergangenen Jahren schon ausgestorben. Der Leitwolf war ein Spieler, um den sich alles drehte, der sich wichtiger nahm als den Rest des Teams und der andere für sich rackern ließ. Wenn der Leitwolf in die Jahre kam, rackerten die anderen immer noch für ihn, weil es der Leitwolf dank seines Status verlangen konnte. Die Vereine wurden genauso geführt. Das passte: Leitwolf-Kultur auf dem Platz, Leitwolf-Kultur in der Chefetage.

          Hoeneß mit veralteten Methoden

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