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3:3 gegen Leipzig : Müller rettet FC Bayern bei Topspiel-Spektakel

Treffsicher gegen Leipzig: Thomas Müller hilft dem FC Bayern mit seinen Toren. Bild: Reuters

Bayern und Leipzig liefern sich ein aufregendes und schnelles Bundesliga-Spitzenspiel, das mit dem Ergebnis endete, das es verdiente: 3:3. Wieder hat Thomas Müller das letzte Wort und verhilft den Münchnern zum Remis.

          3 Min.

          Als Niklas Süle und Jérôme Boateng zum Mittelkreis liefen, wurden sie von hinten angebrüllt. Es war nicht genau zu verstehen, was Manuel Neuer zu sagen hatte, aber so viel ist sicher: Gelobt hat er seine Innenverteidiger nicht. Sie hatten ihren Torhüter davor im Fünfmeterraum mit dem Leipziger Emil Forsberg alleine gelassen. Als der Ball auf dessen Kopf landete, stand Boateng zu weit vorne und Süle zu weit hinten. Da konnte auch Neuer nichts mehr machen – außer sich zu ärgern. Schon zum dritten Mal musste er den Ball an diesem Abend aus seinem Tor holen. Und es waren erst 48 Minuten vorbei.

          Bundesliga
          Christopher Meltzer

          Sportkorrespondent in München.

          Am Samstagabend hat der FC Bayern München im eigenen Stadion drei Gegentore von RB bekommen, aber trotzdem nicht verloren. Es war ein aufregendes und schnelles Bundesliga-Spitzenspiel, das mit dem Ergebnis endete, das es verdiente: 3:3. „Das war ein echtes Topspiel mit zwei Mannschaften, die unbedingt gewinnen wollten. Es war geil, auf dem Platz stehen zu dürfen. Man lebt für solche Spiele“, sagte
          Forsberg bei Sky. Und trotzdem durften sich die Leipziger, die Herausforderer, hinterher ein bisschen ärgern. Als Forsberg den Ball ins Tor köpfte, führten sie 3:2. Sie hätten gewinnen können – und das war nicht unbedingt zu erwarten.

          Es gibt seit mehr als einem Jahr eigentlich keinen günstigen Zeitpunkt, um gegen die Hansi-Flick-Bayern anzutreten, sie lassen einfach nie locker, aber die Leipziger haben aus ihrer Sicht einen besonders ungünstigen erwischt. Am vergangenen Mittwoch mussten sie in der Champions League gegen Basaksehir Istanbul gewinnen (und schaffen das erst in der 92. Minute). Am kommenden Dienstag müssen sie das gegen Manchester United wiederholen.

          „Wenn wir in der Champions League weiterkommen wollen, müssen wir gewinnen“, sagte ihr Trainer Julian Nagelsmann vor der Partie. „Wenn wir in der Bundesliga gegen Bayern München nicht gewinnen sollten, haben wir noch ein paar Spiele vor uns, um unsere Ziele zu erreichen.“ Nachher sprach Nagelsmann von einem „packenden Spiel“ und fügte mit Blick auf das Spiel gegen Manchester hinzu: „Es geht um das Achtelfinale in der Champions League. Von daher ist es lohnend, da alles reinzulegen.“

          Manchester wichtiger als München? Darauf deuteten höchstens zwei Nagelsmann-Entscheidungen hin: Die Stammspieler Yussuf Poulsen und Dani Olmo saßen nur auf der Bank. Vielleicht steckte dahinter aber eine strategische Idee. Denn Nagelsmann stellte im Angriff mit Ausnahme des genialen Ballverteilers Forsberg nur Spieler auf, die ungewöhnlich schnell sind. Diese schalteten sofort um, wenn sie den Bayern den Ball klauten. Von der Eroberung bis zum Torschuss vergingen oft nur wenige Sekunden.

          In der 19. Minute klappte das besonders gut. Es fing mit einem Fehlpass von Thomas Müller an, und nur ein paar Sekunden später steckte Forsberg auf Christopher Nkunku durch. Der entwischte Boateng und Süle, und auf einmal stand vor dem Strafraum schon Manuel Neuer vor ihm. Und was machte Nkunku? Er spielte Neuer, der ausnahmsweise nicht das richtige Timing gefunden hatte, einfach aus. 1:0 für Leipzig.

          Spätestens hier sollte man dann aber auch die Probleme nennen, mit denen Flick sich im Moment beschäftigen muss. Im Mittelfeld fehlten ihm Joshua Kimmich und Corentin Tolisso. Und weil Lucas Hernandez kurzfristig ausfiel, musste David Alaba, eigentlich Abwehrchef, als Linksverteidiger aushelfen. In der ersten Halbzeit verletzte sich auch noch Javi Martinez am Oberschenkel. Bei ihm besteht Verdacht auf einen Muskelfaserriss. „Wie schwer es ist, weiß ich noch nicht“, sagte Flick nach der Partie. Er wechselte den 17 Jahre alten Jamal Musiala ein, der auf dem Rasen stets auffällt, weil seine Arme und Beine dünner sind als die von allen anderen.

          Das 3:3! Thomas Müller köpft gegen Leipzig zum Endstand ein.
          Das 3:3! Thomas Müller köpft gegen Leipzig zum Endstand ein. : Bild: dpa

          Mit Musiala änderte sich das Angriffsspiel der Bayern allerdings. Es wurde besser. Musiala war nur fünf Minuten auf dem Rasen, da schoss er mit seinem dünnen Bein aus 18 Metern so fest, dass der Ball unhaltbar im Tor landete – 1:1 (30.). Müller und Kingsley Coman hatten ihn davor freigespielt. Es waren die zwei Vorbereiter, die nochmal fünf Minuten später das 2:1 kreierten. Coman passte in den Strafraum, Müller schoss, drin. Und als der Stadionsprecher gerade den Namen von Müller durchgesagt hatte, musste er schon wieder zum Mikrofon greifen: Justin Kluivert traf zum 2:2 (36.). Was für eine Halbzeit.

          Als das Spiel wiederangepfiffen wurde, folgte schon das nächste Tor. Flanke Angelino, Kopfball Forsberg. In der Blitztabelle hatte Leipzig München überholt. Neuer brüllte. In diesem Spitzenspiel wurde ganz allgemein viel geschimpft. Von den Trainern, von den Spielern. Es ging um etwas, das war nicht zu übersehen und vor allem nicht zu überhören. Einer der lautesten schoss das letzte Tor des Abends. Müller, der schon unter der Woche gegen Atlético eine Bayern-Niederlage verhindert hatte, köpfte den Ball in der 75. Minute zum 3:3 ins Tor. Geholfen hatten ihm die neben ihm auffälligsten Angreifer. Die Flanke kam von Coman und der Pass zu Coman von, klar, Musiala.

          Ganz zufrieden war Müller dennoch nicht. „Für mich waren bei mir auch ein paar zu viele Ballverluste dabei“, sagte er selbstkritisch bei Sky. „Es war nicht alles perfekt. Natürlich schießt man nicht in jedem Spiel zwei Tore, über die Aktion bin ich froh. Aber auch bei mir persönlich wäre heute mehr drin gewesen.“ Dass die Münchner zurückkommen können, „wussten wir vor dem Spiel. Dass wir aktuell zurückkommen müssen, wissen wir auch nicht erst seit heute“, sagte Müller. „Am Ende können, müssen wir damit leben.“ Insgesamt sei es „okay und gut, dass wir Tabellenführer bleiben“.

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