https://www.faz.net/-gtm-9mfla

Bundesliga-Titelkampf : DFB legt Sperre für Dortmund-Kapitän Reus fest

  • Aktualisiert am

Schiedsrichter Zwayer (links) schickte BVB-Kapitän Reus mit Rot vom Platz. Bild: AP

Nach dem unerwarteten Ausrutscher der Bayern in Nürnberg schöpft der BVB im Titelkampf doch wieder Hoffnung. Allerdings haben die Borussen personelle Sorgen, denn die Roten Karten aus dem Schalke-Spiel haben Konsequenzen.

          Lucien Favre hat voreilig abgeschenkt, aber sein Boss denkt nach einer fuchsteufelswilden Achterbahnfahrt durch das Fußball-Wochenende nicht mal ans Aufgeben. „Wir werden alles versuchen, die Bayern noch abzufangen“, sagte Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke von Borussia Dortmund dem SID am Montag kämpferisch. Da hatte der FC Bayern überraschend gepatzt, der Derby-Schock begann sich zu legen – und der BVB fasst frischen Mut.

          Bundesliga
          ANZEIGE

          „Drei Spieltage vor Saisonende nur zwei Punkte Vorsprung für den Spitzenreiter: Das hat es lange nicht gegeben und tut der Bundesliga sehr gut“, betonte Watzke. Sportdirektor Michael Zorc nahm nach dem Bayern-Spiel beim 1. FC Nürnberg (1:1) am Sonntag erleichtert zur Kenntnis, dass „wir wieder dabei sind“. Das alte Postkarten-Motto für gestürzte Prinzessinnen will sich auch der BVB nach dem niederschmetternden Derby-Desaster gegen Schalke 04 (2:4) zu Herzen nehmen: Hinfallen, aufstehen, Krönchen zurechtrücken – und weiter geht's. Auf in den Endspurt. Wenn auch mit reichlich wackligen Knien.

          Der Sonntag war bei diesem Vorhaben äußerst hilfreich. Fraglich ist allerdings, wie Favre seiner am Boden zerstörten Mannschaft beibringen will, dass sich das Rennen lohnen könnte. Im Frust hatte der Trainer schließlich bekannt, der Titel sei bereits „verspielt“, was seine Vorgesetzten einigermaßen verwunderte, vielleicht auch verärgerte. Sie pfiffen den Schweizer noch am Samstag zurück, spätestens das Bayern-Spiel gab ihnen recht. „Lucien hat das aus der Emotion und Enttäuschung direkt nach dem Abpfiff heraus gesagt“, sagte Zorc. „Aber wir geben erst dann auf, wenn es rechnerisch nicht mehr möglich ist. Das ist unsere Verpflichtung auch gegenüber unseren Fans.“

          Am Sonntagabend war klar: Diese Pleite ist immerhin (noch) keine entscheidende. Es heiße ja nicht umsonst Vor-Entscheidung, wie Watzke feststellte: „Das impliziert, dass keine endgültige Entscheidung gefallen ist.“ Andererseits wurde das Derby durch den Münchner Aussetzer gleich noch mal doppelt ärgerlich: Ein Sieg, und der BVB wäre in der Tabelle wieder vorne gewesen. Hätte, wäre, wenn: Was hilft“s. „Wir müssen daraus unsere Lehren ziehen und nicht lamentieren“, fordert Watzke. „Ich erwarte von allen Beteiligten, dass wir uns die letzten drei Spiele voll reinknien und niemand vorzeitig die weiße Flagge hisst.“ Dazu gibt es auch keinen Anlass.

          Am Montag schauten alle beim BVB zunächst bangen Blickes nach Frankfurt am Main. Das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) sperrte Marco Reus nach seiner Roten Karte für zwei Bundesliga-Spiele. Für den Dortmunder Kapitän sprach. dass er in seinem 259. Bundesliga-Spiel erstmals Rot sah, zudem war ihm wohl keine Absicht zu unterstellen. Daher war eine Zwei-Spiele-Sperre für den Nationalspieler erwartet worden. Für seinen Teamkollegen Marius Wolf, der drei Spiele Sperre bekam, ist die Saison vorzeitig beendet. Reus fehlt damit in den Spielen in Bremen (4. Mai) und gegen Düsseldorf (11. Mai). Zum Saisonfinale gegen seinen früheren Klub Borussia Mönchengladbach am 18. Mai ist er wieder dabei. Läuft es gut, könnte er an diesem Tag endlich seinen ersten Meistertitel feiern. Er sollte dafür besser nicht auf seinen Trainer hören.

          Reus hatte beim 2:4 gegen Schalke 04 am Samstag seinen Gegenspieler Suat Serdar in vollem Lauf von hinten mit einer Grätsche zu Fall gebracht (60. Minute). Nach eigenem Bekunden hatte er sich verschätzt: „Wer mich kennt, weiß, dass ich niemals den Gegner verletzen möchte. Ich wollte zum Ball gehen, er macht einen Zwischenschritt und ich treffe ihn an der Achillessehne“, sagte Reus. Schiedsrichter Felix Zwayer (Berlin) entschied dennoch sofort auf Rote Karte. Daniel Caligiuri verwandelte den fälligen Freistoß zum vorentscheidenden 1:3. Kurz darauf sah Wolf ebenfalls wegen groben Foulspiels an Serdar Rot.

          Hans E. Lorenz, der als Vorsitzender die Einzelrichterurteile fällte, sah in Wolfs Foul eine andere Qualität. „Die vom äußeren Geschehensablauf ähnlichen Fälle unterscheiden sich darin, dass Reus den Ball spielen wollte. Der Einsatz von Wolf hingegen erfolgte nicht ballorientiert. Er hatte keine Chance, mit seinem Tackling den Ball zu erreichen", sagte er.

          Weitere Themen

          Suche nach einem Strategen

          Eintracht Frankfurt : Suche nach einem Strategen

          Die Eintracht möchte in der kommenden Saison im Mittelfeld variabler werden. Auch Spieler anderer Bundesligisten sind für die zentrale Position im Gespräch. Was wird jedoch aus Marc Stendera?

          Topmeldungen

          EZB-Chef Draghi : Das Ende von „Super Mario“

          EZB-Präsident Mario Draghi demonstriert noch einmal seine Stärke. Doch längst sind Kräfte am Werk, die die Macht der Notenbanken aushöhlen. Werden mit dem Ende der Ära Draghi die Karten neu gemischt?

          TV-Kritik: Anne Will : Die Sehschwächen der Sicherheitsbehörden

          Bei Anne Will wird über das beunruhigende Erstarken des Rechtsextremismus debattiert. Annegret Kramp-Karrenbauer schließt eine Zusammenarbeit mit der AfD aus – und liefert sich ein Fernduell mit Hans-Georg Maaßen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.