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Normalität in der Bundesliga : Geist im Keller

  • -Aktualisiert am

Alles fast so wie immer: Der VfB Stuttgart (im Bild Philipp Förster, rechts) erregt sich über eine vermeintliche Fehlentscheidung. Bild: dpa

Kaum dürfen die Bundesligen wieder spielen, bieten sie ein Programm, als wäre nichts gewesen. Die Verschwörungstheoretiker bremst das Coronavirus nicht mal im Fußball.

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          Alles soll so sein wie früher, zumindest wie vor der Corona-Phase. Was wäre das für eine Befreiung? Von den penetranten Fitness-Päpsten, die auf jeder Homepage von der Diktatur der besten Bewegungskultur schwärmen; von bewegenden Kochrezepten für depressive Sportfreunde, von den immer neuen Versuchen der Gaming-Branche, Sport als virtuelles Vergnügen im Keller zu verkaufen oder von der für einen Moment originellen Idee der Kubaner, Baseballergebnisse auszuwürfeln und dann leidenschaftlich zu diskutieren.

          Gut, dass es den deutschen Profifußball gibt. Auf dieses antiautoritär erzogene Kind der Bundesrepublik, in Frieden und ständig wachsendem Reichtum unter gesamtbürgerlicher Sorge ob seiner Entwicklung ungestört, wie wildernd aufgewachsen, ist Verlass. Immer noch ganz der alte Betrieb, auch nach 66 Tagen Abbruch, Existenzsorgen, Vernichtungsphantasien. Was hatten Fans nicht alles vermisst in den vergangenen Wochen? Den Samstagskick bei Bier und Bockwurst auch auf dem Sofa, atemraubende Kombinationen, dramatische Spielentwicklungen, herzergreifende Wendungen und, na klar, den Sieg der Lieblingself.

          Bundesliga

          Vielleicht auch einen Aufreger. Alles wie immer: Kaum dürfen die Bundesligen wieder spielen, bieten sie ein Programm, als wäre nichts gewesen. Der arme VfB Stuttgart muss in der Nachspielzeit einen Handelfmeter auf Hinweis des Videoassistenten hinnehmen – und verliert 1:2 gegen Wehen Wiesbaden. Ob der „Skandal“, den der Stuttgarter Sportvorstand Mislintat prompt ins Land hinausposaunte, weil der Schiedsrichter nicht erkennen konnte, was der Mann im Kölner Keller sah, die Welt ergreift? Immerhin geht es hier nicht allein um eine Fehlentscheidung vorwiegend aus der Schwaben-Perspektive. Da steckt mehr dahinter, glaubt Mislintat.

          Schon fast wieder so wie früher

          Die Verschwörung des Adhoc-Justizsystems im deutschen Profifußball gegen den VfB Stuttgart? „Ich möchte da kein Prinzip erkennen“, so wurde der Sportvorstand von den Agenturen zitiert, kurz bevor er es dann fühlte, das Prinzip der inszenierten Unterdrückung: „Ich kann aber nicht verhehlen, das es eins zu geben scheint.“ Mislintat fühlt sich betrogen, als Opfer einer „Willkür“. Das klingt nach großem Gericht, nach Aufruhr und Widerstand, reicht aber selbst beim Kläger nur für den Appell, die alte Diskussion wieder zu beleben: den Streit um den Videoassistenten, um die Gerechtigkeit im Fußballalltag.

          Das Virus kann leider viel. Nur eines sicher nicht, wie inzwischen am Wochenende zu sehen und zu hören ist: Verschwörungstheoretiker bremsen. Im Gegenteil. Es ist schon fast wieder so wie früher. Leider.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

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