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Wildes Spiel in Augsburg : Später Bayern-Schock nach Lewandowski-Rekord

Ohne Worte: Die Bayern um Manuel Neuer sind enttäuscht. Bild: nordphoto

In der Anfangsphase gibt es für den FC Bayern gleich zwei schlechte Nachrichten: Ein früher Rückstand und ein wohl langer Ausfall von Niklas Süle. Danach sieht es auch dank Lewandowski lange gut aus, ehe in der Nachspielzeit alles noch schlimmer kommt.

          3 Min.

          Am Jahrestag der längst legendären Pressekonferenz, auf der an der Säbener Straße das Grundgesetz und die Menschenwürde, speziell die von Bayern-Profis, zitiert wurden, hat sich nun gleich die nächste Herbstkrise des FC Bayern angedeutet – die vor einem Jahr nach dem misslungenen verbalen Befreiungsschlag der Bosse ja erst so richtig in Gang gekommen war. In einem kampfbetonten Derby verschenkten die Bayern am Samstag durch mehr als ein halbes Dutzend fahrig vergebener Torchancen und Schläfrigkeit in der Abwehr einen sicher scheinenden Sieg und kamen am Ende nur zu einem 2:2 beim FC Augsburg. Damit haben sie nach dem glanzvollen 7:2 in der Champions League in Tottenham nur einen Punkt aus den beiden Ligaspielen gegen Hoffenheim und Augsburg geholt.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Nachdem der Meister nach einem Augsburger Einwurf früh durch Marco Richter in Rückstand geraten war (1. Minute), schien er die Partie durch Robert Lewandowski (14.), und Serge Gnabry (48.) gedreht zu haben und vergab mehrere Möglichkeiten zum dritten Tor. So kassierten sie in der Nachspielzeit durch den eingewechselten Alfred Finbogasson noch den Ausgleich, der spielerisch nicht verdient war und trotzdem wie eine verdiente Bestrafung aussah.

          Bundesliga

          Dazu verloren die Bayern Innenverteidiger Niklas Süle. Schon nach zehn Minute verdrehte er sich in einem Zweikampf das Knie, ging mit einem Aufschrei zu Boden und humpelte vom Platz. Daraufhin bildeten die beiden im Sommer geholten Lucas Hernandez und Benjamin Pavard, vor einem Jahr als Außenverteidiger Weltmeister mit Frankreich, erstmals die allerdings an diesem Tag nicht weltmeisterlich wirkende Innenverteidigung der Bayern.

          „Wir sind enttäuscht. Das Schlimmste was passiert ist: Niklas Süle hat sich verletzt und es sieht danach aus, dass er schwer verletzt ist. Das, was ich jetzt schon gehört habe, ist, dass das Kreuzband beschädigt ist“, sagte Kovac.  „Jetzt müssen wir schauen, inwieweit noch andere Bereiche im Knie in Mitleidenschaft gezogen wurden.“ Kreuzbandrisse im Fußball ziehen gewöhnlich Zwangspausen von mindestens einem halben Jahr nach sich.

          Nach dem frühen Schock schien die Sache dennoch in gewohnte Bahnen zu kommen, als Lewandowski per Kopf seinen zwölften Ligatreffer erzielte. Damit egalisierte er den Rekord des früheren Dortmunders Pierre-Emerick Aubameyang, der es vor vier Jahren als bisher einziger Bundesligaspieler geschafft hatte, in den ersten acht Spielen einer Saison stets ein Tor zu schießen.

          Bayern dominiert

          Doch einseitig wurde das Derby wider Erwarten durch den zügigen Ausgleich zunächst nicht. Die Augsburger, bei denen Trainer Martin Schmidt nach dem 1:5-Debakel in Mönchengladbach während der Länderspielpause in Sachen „Einstellung, Bereitschaft, Zweikampfführung, Griffigkeit“ alles hinterfragen wollte, zeigten genau diese Grundtugenden ihres Spiels von Beginn an und machten den Bayern das Leben schwer. Abgesehen von einem schönen Volley von Gnabry, der nach 34 Minuten am Pfosten landete, kam der Meister bis zur Pause nur durch Fangfehler des zunächst wackligen Torhüters Tomas Koubek zu Torchancen. Die größte vergab nach 40 Minuten Thiago, als er erst Verteidiger Tin Jedvaj zentral auf der Torlinie anschoss, und dann, als der Abpraller glücklich wieder bei ihm gelandet war, auch noch den vor seinem Kasten herumirrenden Torwart.

          Liegt schmerzerfüllt am Boden: Münchens Innenverteidiger Niklas Süle

          Erst nach der Pause schien plötzlich Zug ins Spiel zu kommen, eine Wende, die zum bayrischen Janusgesicht dieser Saison passt, in der der Rätsel-Meister in noch keiner Partie komplett überzeugen konnte – auch nicht beim 7:2 in London, als erst die vier Tore von Gnabry nach der Pause den Ausschlag gaben. Auch am Samstag zeigte der Nationalspieler seine Klasse, als er wie einst Arjen Robben von rechts in die Mitte zog, den Ball allerdings von dort nicht wie zumeist der Holländer in den oberen linken Torwinkel, sondern in den unteren jagte.

          Trifft und trifft und trifft: Bayern-Profi Robert Lewandowski

          Danach sah es lange Zeit aus, als bleibe den Augsburgern nur Schadensbegrenzung. Doch Koubek, der zuletzt oft kritisierte tschechische Torwart, wurde mit guten Taten gegen Coutinho, Gnabry und Coman plötzlich zum Rückhalt seines Teams, was auch durch die Ungenauigkeit und Unkonzentriertheit der Münchner Star-Angreifer begünstigt wurde. Für die Bayern ging der Schuss ging dann ganz buchstäblich nach hinten los, denn die eigentlich chancenlosen Augsburger witterten die späte Chance.

          Nach 88 Minuten musste Torwart Manuel Neuer gegen Philipp Max eine Glanzparade zeigen, um den Ausgleich zu verhindern. Doch als in der Nachspielzeit Cordova dem strauchelnden Hernandez enteilte, war er machtlos. Plötzlich stand Finbogasson frei vor dem Bayern-Tor – und den Bayern ein heißer Herbst vor der Tür.

          „Leidenschaft, Wille, dazu der Torhüter - das war ein sehr, sehr wichtiges Zeichen an die Liga, dass wir doch nicht so die Lachnummer sind. Die glücklichere Mannschaft wurde belohnt“, sagte Augsburgs Trainer Schmidt. „Die Bayern hätten 5:1 gewinnen können. Wenn da drei mehr reingehen, bin ich wieder der, der alles falsch macht. Jetzt bin ich der mit dem Händchen. So funktioniert der Fußball nicht, so funktioniert die Presse.“

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