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Hannover 96 : Jede Menge Mut

  • -Aktualisiert am

Trainer Kocak soll mehr Konstanz in die Mannschaft bringen. Bild: dpa

Kenan Kocak krempelt bei Hannover 96 vieles um. Der Trainer steht für Sachlichkeit und Geradlinigkeit – so soll der Aufstieg geschafft werden.

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          In der Hierarchie der vorsichtigen Trainer gehört Kenan Kocak nach ganz weit oben. Natürlich ist der sportliche Vordenker von Hannover 96 in dieser Woche gefragt worden, ob seine Mannschaft denn wohl zu den Aufstiegsanwärtern gehöre. Bei vielen Fans, Buchmachern und sonstigen Experten zählen die Niedersachsen zu den Teams, die die Zweite Fußball-Bundesliga in der neuen Saison anführen könnten.

          2. Bundesliga

          Was sagt Tiefstapler Kocak dazu? „Die Meinungen der sogenannten Experten sind nicht relevant“, findet der Cheftrainer. Mit ihm hat es Hannover 96 in der vergangenen Saison geschafft, einen weiteren Abstieg zu verhindern. Es ist also gar nicht so abwegig, dass Kocak die Rolle des Favoriten ablehnt. Sollen sich doch der Hamburger SV, Fortuna Düsseldorf, der 1. FC Nürnberg oder der SC Paderborn damit herumplagen.

          Das Beständige an Hannover 96 bleibt der Mangel an Konstanz. Unter der Regie von Mäzen und Multifunktionär Martin Kind hat sich der Verein nach erfolgreichen Jahren den Ruf erworben, sprunghaft bis strategielos zu agieren. Immerhin: Seit der Verpflichtung von Kocak im November 2019 ist die ständige Unruhe einer neuen Sachlichkeit plus Gradlinigkeit gewichen. Selten hat es in Hannover ein Trainer nach einer misslungenen Saison gewagt, so gründlich auszumisten und verdiente Spieler vor das Schienbein zu treten. Stammtorhüter Ron-Robert Zieler? Aussortiert und an den 1. FC Köln weitergereicht. Routiniers wie Edgar Prib und Marvin Bakalorz? Nicht mehr erwünscht. Eigengewächs Waldemar Anton? Verteidigt jetzt für den VfB Stuttgart. „Alle Entscheidungen wurden zusammen getroffen“, versichert Kocak. Man rudere – auch mit Kind – gemeinsam in die gleiche Richtung. Das stimmt allerdings nur für den Fall, dass genügend Erfolg am Horizont sichtbar wird. Falls nicht, kommt Gegenwind auf. Und zwar ein kräftiger.

          Schwierige Bedingungen

          Die Konsequenz, mit der der Spielerkader von Hannover 96 verändert worden ist, lässt aufhorchen. Wege seiner Zäsuren – ob durch Qualitätsansprüche oder Kostendruck getrieben – hat sich Kocak angreifbar gemacht. Andererseits muss dem 39 Jahre alten Deutsch-Türken jede Menge Mut bescheinigt werden. Er nimmt wenig Rücksicht auf den Lorbeer von einst und hat es mit seiner Art geschafft, den grundsätzlich kritischen 96-Boss hinter sich zu bringen. In der Zielsetzung für die Spielzeit 2020/21, in die Hannover 96 an diesem Samstag (13 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur zweiten Bundesliga sowie bei Sky) mit einem Heimspiel gegen den Karlsruher SC startet, ist man sich laut Kind einig. „Aufstieg“ lautet das offizielle Saisonziel. Solch einfordernde Einschätzungen haben in der jüngeren Vergangenheit meistens das Gegenteil von dem bewirkt, was der mächtige 96-Entscheider wollte. Und sie waren immer mit großer Gefahr für die Sportliche Leitung verbunden.

          Was wird das wohl für eine Saison, die in Hannover mit der mageren Kulisse von nur 500 Zuschauern beginnen darf? Das Land Niedersachsen ordnet weiterhin besonders strenge Maßnahmen im Kampf gegen die Corona-Pandemie an. Was die Finanzen angeht, käme Hannover 96 dank der Unterstützung von Kind trotz weiterer Geisterspiele nicht sofort in Not. Bitterer wäre es, ein weiteres Jahr in der zweiten Liga verweilen und auf viel TV-Geld verzichten zu müssen. Um das zu verhindern, ist unter anderem ein erfahrener Profi wie der 33 Jahre alte Mike Frantz vom SC Freiburg gekommen. Die weiteren Verstärkungen sind bundesweit eher unbekannt. Genügend Hoffnung, dass es für eine Rückkehr in die erste Liga reichen könnte, ist in Hannover trotzdem im Spiel.

          Wer Kind fragt, bekommt als Saisonziel also den Aufstieg genannt. Wer Kocak fragt, wird darauf hingewiesen, dass man erst einmal das nächste Spiel unbedingt gewinnen wolle. „Brutales Niveau, brutale Level. Das ist die stärkste zweite Liga der Welt“, sagt der Trainer. Entweder mag der Mann trockene Witze oder er kämpft gerade um eine Gehaltserhöhung. Die Wahrheit über die 47. Zweitliga-Saison dürfte sein, dass es wenige Favoriten gibt. Kein Verein scheint dafür prädestiniert zu sein, eine Führungsrolle für sich in Anspruch nehmen zu können. Hannover 96 will ihr trotzdem gerecht werden und aufsteigen.

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