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Bundesliga : So siegt ein Meister

  • -Aktualisiert am

Meisterlich: Borussia Dortmund gewinnt in Leverkusen Bild: dpa

Der Herbstmeister lässt sich durch die Winterpause nicht bremsen: Borussia Dortmund gewinnt zum Rückrunden-Auftakt bei Bayer Leverkusen mit 3:1. Dem Tabellenführer genügen sechs Minuten, um endgültig zum Titelfavoriten zu avancieren.

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          Wer jetzt noch an der deutschen Meisterschaft von Borussia Dortmund zweifelt, kann nur ein notorischer Schwarzseher oder ein glühender Anhänger des FC Bayern München sein. Der BVB entledigte sich am Freitagabend zum Auftakt der Rückrunde in der Fußball-Bundesliga seiner vermeintlich schweren Aufgabe beim Tabellendritten Bayer Leverkusen mit Grandezza und triumphierte bei den nun um 13 Punkte abgehängten Rheinländern (siehe auch: Die Bundesliga in Zahlen: Tabelle, Ergebnisse, Statistik) durch die Treffer von Kevin Großkreutz (49./53. Minute) und Mario Götze (55.) bei einem Gegentor von Kießling (80.) 3:1. „Wir haben den Fußball aus der Hinrunde gespielt und haben nicht unverdient gewonnen, gegen einen brettstarken Gegner“, sagte der BVB-Trainer. „Wir machen uns keine Gedanken. Wir haben immer noch 16 Spiele. Die Fans dürfen träumen, wir schauen von Spiel zu Spiel“, sagte Matchwinner Großkreutz.

          Dabei waren die Westfalen in der mit 30.000 Zuschauern ausverkauften BayArena von Beginn an das hoch überlegene Team und besaßen in Götze, Großkreutz und Subotic ihre besten Spieler. Bayer dagegen, das sich vorher auf Augenhöhe mit dem eindeutigen Tabellenführer gesehen hatte, schien ehrfürchtig zu den Dortmundern aufzublicken. Kein Vergleich mehr zum Hinspiel, das Leverkusen souverän 2:0 gewonnen hatte.

          Selten glaubten sie sich bei Bayer so beliebt wie am Freitagabend. „Ganz Deutschland drückt uns die Daumen“, vermutete der Leverkusener Sportdirektor Rudi Völler vor dem Duell der Werkself mit dem Tabellenführer. Ganz Deutschland? Dafür ist Borussia Dortmund landesweit zu populär. Doch die Hoffnung auf einen Sieg des Tabellendritten war zweifellos weit über Leverkusen hinaus zu spüren - allein, um wieder von ein wenig mehr Spannung im Kampf um die deutsche Fußballmeisterschaft reden zu können.

          Michael Ballack musste - oder durfte? - draußen bleiben

          Die Schwarz-Gelben aber zeigten sich vom rheinischen Optimismus, auch beim Wiedersehen stärker als die Borussia zu sein, reichlich unbeeindruckt. „Bisher“, behauptete der Dortmunder Trainer Jürgen Klopp mit guten Argumenten, „hat mein Team auch in Drucksituationen viel Talent bewiesen.“ Wer auswärts sieben von acht Partien gewonnen hat, muss auch eine Dienstreise in die BayArena nicht fürchten, zumal die Leverkusener in der Hinrunde nur in drei Heimspielen siegreich blieben.

          Ballack ohne Einsatzzeit

          Bayer-Trainer Jupp Heynckes hatte seit langem mal wieder alle Mann aus seinem Luxuskader an Bord - auch den lange verletzten Nationalmannschaftskapitän Michael Ballack, der erwartungsgemäß auf der Bank Platz nahm. Kollege Klopp musste auf den bei der Asien-Meisterschaft gebrauchten Japaner Kagawa verzichten; auch der sonst gesetzte Angreifer Barrios blieb fürs erste, weil eben von einer Virusinfektion gesundet, draußen. Für ihn stürmte der fast genauso gute Pole Lewandowski.

          Das Spiel bei frühlingshaftem Wetter bestimmte von vornherein der Titelfavorit. Dortmund diktierte den Rhythmus, Dortmund kontrollierte mit intelligentem Pressing den seiner Kreativität beraubten Gegner, Dortmund hatte die besseren Gelegenheiten - so, als Sven Benders Kopfball nach Sahins Freistoß gegen den Pfosten prallte (3.), und Lewandowski, freigespielt vom vorzüglichen Innenverteidiger Subotic, an Torhüter Adler scheiterte (23.). Bayer war nur einmal nah an einem Treffer, als Kießling von Subotic gebremst wurde (11.).

          BVB tonangebend

          Doch die Dortmunder Dominanz konnte Heynckes' Mannschaft in keiner Phase erschüttern. Was den Aktionen des BVB vor der Pause noch fehlte, war die Entschlossenheit, auf eine Entscheidung auszugehen. Deshalb nahm dieses gleichwohl temporeiche Spiel in den ersten 45 Minuten nie das letzte Quentchen Fahrt auf. Dass da Silva nach dem Wechsel für Sven Bender kam, hatte nichts mit dem Verlauf dieser Spitzenbegegnung zu tun, sondern damit, dass der Dortmunder wegen einer Innenbandverletzung in der Kabine bleiben musste.

          Die Richtung des Spiels aber gab weiter der BVB vor. Nach 49 Minuten profitierte der Meister in spe vom ersten eklatanten Patzer der Bayer-Abwehr. Friedrich und Schwaab begingen nach einem weiten Einwurf von Piszczek quasi einen Doppelfehler, so dass Großkreutz freistehend aus kurzer Entfernung den Ball ins Tor schieben konnte. Die Leverkusener müssen diesen Treffer wie einen Knockout empfunden haben - so rasch fiel die Mannschaft nun auseinander.

          Und so nahm das Verhängnis für Bayer binnen sechs Minuten seinen Lauf. Großkreutz setzte mit dem 2:0 (53.) nach Weidenfellers Abschlag und Lewandowskis Kopfballverlängerung noch einen drauf, ehe der quirlige Jungnationalspieler unter den Augen von Bundestrainer Joachim Löw locker auf 3:0 (55.) erhöhte.

          Ehrentreffer durch Kießling

          Statt Gegenwehr Kapitulation: Damit hatte niemand in der BayArena gerechnet. Wer aber in den entscheidenden Minuten, voran Abwehrchef Friedrich, verteidigungsunfähig ist, darf sich am Ende nicht über eine Schlappe gegen die beste Bundesliga-Mannschaft wundern.

          Als Heynckes nach einer Stunde gleich drei Leverkusener aus- und einwechselte (Vidal für Lars Bender, Barnetta für Sam, Derdiyok für Helmes), ging es nur noch um Schadensbegrenzung, die durch Kießlings Tor zum 1:3 (80.) auch nicht mehr so recht glückte. Michael Ballack muss sich bis zu seinem Liga-Comeback weiter gedulden. Er wird nicht so traurig gewesen sein, am Freitag nur Zuschauer eines am Ende verregneten und aus Bayer-Sicht verkorksten Abends gewesen zu sein.

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