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Abschied von Bobic : Die Eintracht will keinen Rosenkrieg

  • -Aktualisiert am

Ben Manga und Fredi Bobic gehen nach mehr als acht Jahren getrennte Wege. Bild: Imago

Die Neuaufstellung der Eintracht läuft. Chefscout Ben Manga lässt seinen Chef Fredi Bobic ziehen und bekommt neben einer saftigen Gehaltserhöhung auch einen neuen Posten.

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          Fredi Bobic und die Frankfurter Eintracht haben kein Interesse an einem Rosenkrieg. Das erste Anzeichen für den vorläufigen Fortbestand der professionellen Zusammenarbeit zwischen dem scheidungswilligen Sportvorstand und seinem scheidungsunwilligen Partner erreichte die Öffentlichkeit am Freitag, einen Tag vor dem Heimspiel gegen den VfB Stuttgart an diesem Samstag (15.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Bundesliga und bei Sky).

          Peter Heß
          Sportredakteur.

          Die Pressemitteilung, in der die in der F.A.Z. schon vor drei Tagen avisierte Vertragsverlängerung mit Chefscout Ben Manga offiziell bekanntgegeben wurde, endete, so wie es sich gehört, mit einem Statement des sportlich Verantwortlichen, von Bobic: „Ben hat einen großen Anteil am gegenwärtigen Erfolg der Eintracht und der Entwicklung in den vergangenen Jahren. Sein Gespür für Talente und seine Beobachtungsgabe sind sehr ausgeprägt und werden sich in der neuen Struktur noch besser entfalten. Für den Klub ist die Vertragsverlängerung ein sehr starkes Zeichen für die Zukunft, zumal Ben Manga auch von Topklubs stark umworben wurde.“

          Bundesliga

          Damit trennen sich zum ersten Mal seit über acht Jahren die Wege von Bobic und Manga. Bobic holte den in Äquatorialafrika geborenen und in Düsseldorf aufgewachsenen Manga 2012 von der TSG Hoffenheim zum VfB Stuttgart. Einer ihrer besten gemeinsamen Transfers in Schwaben war die Verpflichtung von Filip Kostic von Groningen.

          Es entwickelte sich ein besonders tiefes Vertrauensverhältnis zwischen den beiden Fußball-Experten. Nach Bobics Entlassung beim VfB unterschrieb Manga einen Vertrag beim HSV, doch der Scout trat den Dienst gar nicht erst an, weil sein alter Chef in der Zwischenzeit von der Eintracht verpflichtet worden war und nach dem alten Weggefährten rief. Sie schafften es, Mangas Vertrag aufzulösen und gemeinsam in Frankfurt weiterzuarbeiten.

          Ihre Kollaboration war in den ersten beiden Jahren besonders eng, als die Scouting-Abteilung aufgebaut werden musste, die Eintracht kaum Geld für Transfers hatte und kreative Lösungen gefragt waren. Jovic, Haller, Mascarell, Vallejo sind die bekanntesten Namen aus dieser Zeit. Je mehr Geld die Eintracht zur Verfügung hatte, desto weniger waren die Dienste des Talentsuchers mit Arbeitsschwerpunkt Südamerika, iberische Halbinsel und Frankreich gefragt.

          „Direktor Profifußball und Kadermanager“

          Trainer Adi Hütters Wort erhielt durch seine sportlichen Erfolge mehr Gewicht bei den Personalplanungen, und Hütters Wort fand immer die Unterstützung von Sportdirektor Bruno Hübner. Der Schwerpunkt bei Neuverpflichtungen verlagerte sich in Richtung schon bewährter Mitteleuropäer. Lange Zeit war es fraglich, ob Manga seinen 2019 auslaufenden Vertrag überhaupt verlängern würde. Wieder ließ er sich von Bobic von der Fortsetzung des gemeinsamen Weges überzeugen.

          Dass Ben Manga jetzt seinen Mentor alleine wegziehen lässt, hat mit den Aufstiegsmöglichkeiten und der Sicherheit zu tun, die ihm sein neuer Kontrakt in Frankfurt bietet. Bis zum 1. Juli 2026 gilt sein neuer Vertrag, der ihm nicht nur eine stattliche Gehaltserhöhung einbringt, sondern auch einen neuen Titel. Aus dem „Chefscout und Kaderplaner“ wird nun „Direktor Profifußball und Kadermanager“.

          Seine Aufgaben bleiben weitgehend die gleichen. Was sich ändern wird, ist einerseits sein Handlungsspielraum, vor allem aber sein Standing. Denn der Posten des Sportdirektors wird nach dem Ausscheiden von Bruno Hübner nicht mehr neu besetzt. Dafür richtet die Eintracht die Position eines Technischen Direktors ein, der die administrativen Aufgaben des sportlichen Bereichs übernehmen soll und zudem als eine Art Teammanager Bindeglied zur Mannschaft sein soll. Manga hat also keinen Sportdirektor mehr über sich, sondern einen Technischen Direktor neben sich. Beide arbeiten mit dem Cheftrainer zusammen, der nicht ihnen, sondern nur dem Sportvorstand berichtet.

          Suche nach dem neuen Vorstand

          Während sich die Suche nach dem neuen Vorstand noch im Anfangsstadium befindet, gibt es beim Teammanager schon einen eindeutigen Favoriten. Der ehemalige Profi Gelson Fernandes hat in seinen drei Jahren in Frankfurt einen blendenden Eindruck hinterlassen. Der Schweizer spricht sieben Sprachen, hat eine Managerausbildung abgeschlossen und sich schon als Spieler um das hervorragende Klima im Kader verdient gemacht. Eine gedeihliche Zusammenarbeit mit Manga steht außer Zweifel.

          Der 47 Jahre alte Chefscout, der im Sommer 2016 an den Main gewechselt war, wird in der Mitteilung so zitiert: „Wir haben in den vergangenen Jahren bei Eintracht Frankfurt viel bewirken können und aufgebaut. Ich sehe weiterhin gute Entwicklungsmöglichkeiten für den Klub und bin sehr glücklich, auch weiterhin Teil der Eintracht-Familie sein zu können.“ Weiter sagte er: „Ich identifiziere mich total mit der Philosophie der Eintracht. Mit dem Einzug in das neue Proficamp werden jetzt auch die täglichen Arbeitsvoraussetzungen auf ein Topniveau gehoben. Das ist ein Meilenstein in der Entwicklung und ein wesentlicher Grund für meine Vertragsverlängerung in Frankfurt.“

          Durch den Verbleib Mangas, der wie Bobic erwähnte, zahlreiche Angebote (unter anderem Manchester United) hatte, hat sich die Eintracht die sportliche Transferkompetenz für Jahre gesichert. Der neue Sportvorstand der Eintracht, der nicht Christoph Spycher sein wird, wie der Sportchef der Young Boys Bern am Freitagabend in einem Videointerview seines Vereins sagte – „Ich kann zu einhundert Prozent sagen, dass ich auch nächste Saison Sportchef der Young Boys sein werde“ –, muss in diesem Punkt nicht unbedingt die Kompetenz eines Fredi Bobic besitzen, sondern kann andere Stärken haben.

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